Autor: Pascal Reis

Filmkritiken

"Half Nelson" (USA 2006) Kritik – Ryan Gosling zwischen Sucht und Freundschaft

"Was soll ich den Kids denn beibringen? Das ist der Punkt, versteht ihr? Wenn du nur einem helfen kannst. Du musst erst den einen verändern. Nur den einen…" Manche Filme erlangen einfach nie den gebührenden Stand in der Filmwelt, den sie sich ohne Frage verdient hätten. Das mag zum einen auch am nötigen Pressewind liegen. Dafür können wir uns freuen, wenn wir über eine eher unbekannte Filmperle stolpern und mehr als positiv überrascht werden. Das Indie-Drama 'Half Nelson' aus dem Jahre 2006 könnte man gut und gerne als einen solchen Fall nennen. Ryan Fleck inszeniert einen authentischen Einblick in zwei widersprüchliche Charaktere, die auf ihre Weisen beide vor dem Fall stehen. Das eindringliche Meisterwerk, welches der Film durchaus hätte werden können, liefert Fleck hier aber nicht ab...
Kritik zu „American History X“ – Edward Norton und die verlorene Generation
Drama, Filmkritiken

Kritik zu „American History X“ – Edward Norton und die verlorene Generation

Kritik von Pascal Reis "I'm ashamed that you came out of my body." Trompeten werden durch laue Stöße angekurbelt, die repetitiven Trommelschläge wirken wie Gewehrschüsse, bis die sakrale Chormusik ertönt und die in traurigem Schwarz-Weiß gehaltene Aufnahme der Strandpromenade von Venice Beach in ihrer bleiernen Schwere abrundet. Später hören wir das lustvolle Stöhnen einer junge Frau, sehen sie beim Geschlechtsverkehr, bis kurz darauf wirklich Schüsse aufschreien und die Leichen dreier Afroamerikaner die Auffahrt der Familie Vinyard zieren: Ein Verbrechen aus ideologischer Überzeugung, keine Notwehr, kein Akt der Verzweiflung. Die ersten Minuten von American History X fordern den Zuschauer bereits einiges ab und führen ihm seine Stärken konkret vor Augen. Die Bildsprache nämlich ist de...
Filmkritiken

"Lars und die Frauen" (USA 2007) Kritik – Ryan Goslings ungewöhnliche Beziehung

"Ich bin von Zuhause weg so schnell wie ich konnte, doch ich hab dabei nie an ihn gedacht. Dann ziehen wir beide wieder hierher, glücklich und zufrieden, und was macht er? Er zieht in diese verdammte Garage wie der Familienhund und ich hab das zugelassen. Kein Wunder das er sich eine verlobte in einer Kiste bestellt." Einsamkeit kann sich in vielen Bereichen des Lebens auswirken. Abschottung vom Wirklichen, Flucht vor der Realität, Schizophrenie oder schwere Halluzinationen. In Craig Gillespies Spielfilm 'Lars und die Frauen' aus dem Jahre 2007 widmet er sich mit speziellem Fingerspitzengefühl einer Geschichte um einen Außenseiter mit schweren Einbildungen und inszeniert damit eines der schönsten und berührendsten Filmerlebnisse überhaupt. Ohne dabei auch nur Ansatzweise in flachen Humo...
Filmkritiken

"Im Tal von Elah" (USA 2007) Kritik – Krieg an der Heimatfront

"In Ländern wie dem Irak sollte man keine Helden schicken. Da ist alles im Arsch. Bevor ich dort war, hätte ich das nie gesagt, aber fragt man mich jetzt...Atomwaffen rein und zusehen wie Staub daraus wird." Der Krieg kennt nur Schattenseiten. Zu genüge wurden die grausamen Kämpfe an den verschiedensten Fronten beleuchtet. Viel interessanter sind inzwischen jedoch die Auseinandersetzungen an der Heimatfront mit dem Thema Krieg, sowohl für die Familien als auch für den Soldaten selbst. Paul Haggis, der für sein überbewertetes Rassismus-Drama 'L.A. Crash' schon zwei Oscars gewinnen konnte, beschäftigt sich 2009 in 'Im Tal von Elah' mit dem eigenen Krieg im Kopf und inszeniert eine feine Charakterstudie die leider nicht ihr volles Potenzial ausschöpft. In trockenen und ausgefeilten Einste...
Filmkritiken

"Bringing Out The Dead" (USA 1999) Kritik – Nächte der Einsamkeit

"Seit letztem Jahr glaube ich daran, dass Geister die den Körper verlassen nicht wollen dass man sie zurückholt. Wütend darüber, dass wir es wagen in das Schicksal einzugreifen." Martin Scorsese. Ein Name der das Herz von jedem Filmfan in den höchsten Tönen schlagen lässt. Mit Filmen wie 'Taxi Driver', 'Wie ein wilder Stier' oder auch 'GoodFellas' schrieb Scorsese Filmgeschichte. Aber auch Regielegenden haben ab und an ihre Filme, obwohl sie immer Erfolg im Filmgeschäft haben, die irgendwie am Publikum vorbeigingen. 'Bringing out the Dead' von Martin Scorsese aus dem Jahre 1999 ließe sich gut und gerne als solch ein Film bezeichnen, leider. Zwar zählt der Film noch lange nicht zu Scorseses besten, allerdings inszeniert er hier wieder eine grandiose Odyssee durch die Nacht aus der Sicht ...
Filmkritiken

"Leaving Las Vegas" (USA 1995) Kritik – Eine etwas andere Liebesgeschichte

"Ich bin nur hier um mich totzusaufen." Für manche Filme braucht man einfach eine gewisse Stimmung. Manchmal lässt diese erhoffte Stimmung auch unendlich lang auf sich warten, so lang dass man einen Film Monatelang vor sich herschiebt nur um auf den passenden Moment zu warten. Dann ist dieser Moment plötzlich da und man ist trotzdem nicht in der Laune für diesen Film. Nach und nach verstaubt die Filmhülle im hintersten Filmregal und der Weg in die heiligen Player rückt von Tag zu Tag ins unerreichbare. 'Leaving Las Vegas' von Mike Figgis ist einer dieser ganz besonderen Fälle, denn mit guter Laune ist dieser Film kaum erträglich und annehmbar. Auch mit richtig schlechter Laune kann man sich dem Film nicht wirklich hingeben, viel zu sehr zieht er einen runter. Denn was Figgis 1995 aus se...
Filmkritiken

"The Town" (USA 2010) Kritik – Gefangen in der Stadt ohne Gnade

"9 Jahre hab ich gesessen. Du brauchst mir dafür nicht zu danken, aber du wirst nicht weggehen." Nach 'Heat' konnte man als Zuschauer aus dem "Cop-gegen-Gangster"-Genre nicht mehr viel Besseres erwarten. Bis ins kleine Detail inszenierte Michael Mann 1996 seinen Kampf der Giganten perfekt. Dementsprechend schwierig gestaltete es sich in diesem Genre endlich wieder etwas Innovatives zu bieten. 2010 versuchte sich Ben Affleck in besagtem Genre und er schaffte es tatsächlich mit seinem Thriller Drama 'The Town' zu überzeugen und zu begeistern. Vom 'Heat'-Status ist 'The Town' aber natürlich dennoch noch einige Schritte entfernt. Afflecks Heimatstadt Boston, in dem 'The Town' spielt, gibt hier den Dreh und Angelpunkt der Geschichte. Robert Elswit fängt raue und gleichermaßen stilsichere Bi...
Filmkritiken

"25 Stunden" (USA 2002) Kritik – Edward Nortons längster Gang

"Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind sollte die Wüste einmal gesehen haben, bevor sie sterben." Filme erzählen uns viele Geschichten. Die einen machen uns Mut, die anderen nehmen uns jegliche Hoffnungen. Einige bringen uns zum Lachen und andere dagegen lassen uns weinen. Wieder andere langweilen und nerven uns nur. Wie Melville schon sagte, es ist die Glaubwürdigkeit die den Unterschied ausmacht. Denn wenn wir keine Gefühle zu einer Geschichte aufbauen können, dann erzählen oder empfehlen wir sie auch nicht weiter. Regisseur Spike Lee widmet sich mit seinem Charakterdrama '25 Stunden' von 2002 einer durch und durch schwerverdaulichen Geschichte. Doch zwischen dem Tonnenschweren Pessimismus lässt Lee immer wieder einen Funken Hoffnung aufkommen und inszeniert so eines der besten und tie...
Filmkritiken

"Alien vs. Predator" (USA 2004) Kritik – Und täglich grüßt der Anderson

Und wieder einmal melde ich mich zum Thema 'Alien' und 'Predator' zu Wort. Nach den beiden tollen Genre-Filmen dreht sich diesmal alles um das ultimative Aufeinandertreffen der beiden Monster. In 'Alien vs. Predator' von Paul W.S. Anderson aus dem Jahre 2004 gibt es endlich beide Kino-Giganten gemeinsam vor der Kamera. Der Film erweist sich aber als einer der schlechtesten Sci-FI/Actionfilme und gleichzeitig einer der schlechtesten aller Zeiten. Was am Anfang noch reizvoll und interessant klang wird durch Andersons Inkompetenz zur peinlichen und beleidigenden Angelegenheit für jeden Fan der Filmreihen. Die Ausstattung von 'Alien vs. Predator' ist dermaßen misslungen, dass man ihm in jeder Szene die Künstlichkeit ansieht. Alle Einstellungen schreien nach Tschechischen-Filmstudio und ließen...
Kritik: Nosferatu – Phantom der Nacht (D 1979) – Die Einsamkeit des Todes
Filme, Filmkritiken, Horror, Science Fiction / Fantasy

Kritik: Nosferatu – Phantom der Nacht (D 1979) – Die Einsamkeit des Todes

Das Leben ist nicht alles. 7 Jahre später. Die Hass-Liebe zwischen Werner Herzog und Klaus Kinski geht in die nächste Runde. Die Dreharbeiten fielen im Gegensatz zu 'Aguirre' ungewöhnlich ruhig ab. Kinski diesmal völlig ohne Tobsuchtsanfälle und höchst diszipliniert. Selbst bei der täglich vierstündigen Maskenarbeit bliebt er angenehm friedlich und hält sich im Zaun. Die zweite Zusammenarbeit der beiden Größen in 'Nosferatu - Phantom der Nacht' von 1979 ist eine Hommage an Murnau's Stummfilmklassiker 'Nosferatu - Symphonie des Grauens' von 1922. Welcher der beiden Filme nun der bessere ist, darüber will ich nicht richten, nur eins sei an dieser Stelle gesagt: Herzogs 'Nosferatu' ist wie 'Aguirre' ein meisterhaftes Stück Filmgeschichte. Wieder hat Herzog sich auf die Reise gemacht, dire...