Im Kino

Kritik zu „Rental Family“: süßer als Zuckerwatte
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Kritik zu „Rental Family“: süßer als Zuckerwatte

Kritik von Margarita Eliseeva – erstmals zu lesen am 4. Oktober 2025, gesehen beim Filmfest Hamburg 2025. Brendan Fraser in Japan: Rental Family von Mitsuyo Miyazaki Japan boomt. Als touristisches Ziel, als Ort zum Einwandern und natürlich als Filmkulisse für westliche Produktionen. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel einer solchen Filmproduktion ist Sofia Coppolas Lost in Translation (2003). Aber auch Wim Wenders Perfect Days (2023) oder David Leitchs Bullet Train mit Brad Pitt (2022) bekommen viel Aufmerksamkeit. Nun erscheint Rental Family, geschrieben von HIKARI aka Mitsuyo Miyazaki, deren bisher prominentestes Werk die Mitarbeit an der Serie BEEF (2023) sein dürfte. Die Regisseurin stammt aus Japan, hat aber in den USA studiert und arbeitet aktuell zum großen Teil auch dort. ...
Kritik zu „Der Fremde“: François Ozons Neuverfilmung des Camus-Klassikers
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Kritik zu „Der Fremde“: François Ozons Neuverfilmung des Camus-Klassikers

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 2. September 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. Neuverfilmung des Camus-Klassikers: Der Fremde von François Ozon Der Fremde (L’Étranger), erschienen 1942, ist ein Roman des französischen Autors Albert Camus, der zu einem Eckpfeiler des Existenzialismus wurde. François Ozon (Swimming Pool, Frantz) präsentiert nun auf den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig seine Neuverfilmung der Jahrhundertgeschichte. Im Mittelpunkt steht Meursault (Benjamin Voisin) - dessen Gleichgültigkeit zum Leben umgibt ihn wie eine unsichtbare Rüstung. Liebe, Natur, Tier, Mensch, Leben, Tod - alles ist unbedeutend in seinem Leben. Symbolisch geht es um die Absurdität des Lebens und zwei zentrale Fragen: Wie lebt man in einer sinnlos...
Kritik zu „Therapie für Wikinger“: Mads Mikkelsen als John-Lennon-liebender Sonderling
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Kritik zu „Therapie für Wikinger“: Mads Mikkelsen als John-Lennon-liebender Sonderling

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 30. August 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. Mads Mikkelsen als John-Lennon-liebender Sonderling: Therapie für Wikinger von Anders Thomas Jensen Anders Thomas Jensen (Helden der Wahrscheinlichkeit und zuletzt King’s Land) präsentiert auf den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig sein neuestes Werk Therapie für Wikinger. Es mag wie ein Wikingerfilm klingen - und dies wäre nach dem Historiendrama King’s Land gar nicht so abwegig - jedoch handelt es sich um ein modernes Familiendrama über männliche Vergangenheitsbewältigung. Auch wenn die Risse in der menschlichen Seele offengelegt werden und es düster wird - ganz im Geiste Jensen - gab es bis dato keinen anderen Film auf dem Filmfestival, der so viel Geläch...
Kritik zu „Sorry, Baby“: Ein Film wie ein guter Freund
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Kritik zu „Sorry, Baby“: Ein Film wie ein guter Freund

Kritik von Hendrik Warnke Ein Film wie ein guter Freund: Sorry, Baby von Eva Victor Es gibt diese Filme, da weiß man gar nicht so recht, wie man in einem Kritikformat wie diesem hier über sie sprechen soll. Nicht, weil man nichts mit ihnen anfangen könnte, sondern eher das Gegenteil. Weil sie wahnsinnig reichhaltig sind und man eigentlich viel detaillierter über einzelne Szenen und Momente sprechen müsste, um den Text nicht mit Plattitüden und leeren Adjektiven wie „bewegend“, „tragikomisch“ oder „empathisch“ zu füllen. All diese Adjektive treffen natürlich auf Sorry, Baby, das beim diesjährigen Sundance Film Festival mit dem Drehbuchpreis prämierte Debüt von Eva Victor, zu. Und trotzdem können sie kaum umfassen, was den Film ausmacht. Gleichzeitig sind ausführliche Sze...
Kritik zu „Sentimental Value“: Ein Geniestreich von Joachim Trier
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Kritik zu „Sentimental Value“: Ein Geniestreich von Joachim Trier

Kritik von Philippe Paturel – erstmals zu lesen am 25. Mai 2025, gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 78. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Wenn der Lärm der Eltern verschwindet: Joachim Triers Familienchronik Sentimental Value Die Kamera gleitet über die klare, kühle Schönheit der Osloer Skyline. Schnitt. Nun nähert sie sich einem idyllischen Haus, fährt langsam an dessen Fassaden entlang und zeigt schließlich vereinzelt Fragmente aus dem Leben einer vierköpfigen Familie: wie die Streitereien zwischen den Eltern, bevor der Vater schließlich seine Frau und die beiden Töchter für immer verlässt. Mit seinem Weggang kehrt zwar Ruhe ein, doch zugleich auch eine Leere, die das Haus erfüllt – und das Leben der Schwestern fortan prägen wird. Aus dieser Annäherung heraus entfaltet Jo...
Kritik zu „Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“: Eine Liebeserklärung an Wahlfamilien
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Kritik zu „Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“: Eine Liebeserklärung an Wahlfamilien

Kritik von Margarita Eliseeva, gesehen im Rahmen des Brussels International Film Festival 2025. Eine Liebeserklärung an alle (queeren) Wahlfamilien: Der geheimnisvolle Blick des Flamingos von Diego Cespedes Gebirge, Sand und eine graue, nur teils asphaltierte Straße ohne Ende. Hier und da stehen einzelne Holzhäuser, ganz einsam und schäbig – sie wirken fast vernachlässigt. Das Jahr ist 1982 und wir befinden uns in der tiefsten chilenischen Wüste. Die einzelnen Häuser gehören zu einem kleinen Bergarbeiterdorf, in dem aber nicht viel los ist. Diejenigen, die es schaffen, gehen lieber in die Großstadt, und die Verbliebenen müssen mit dem monotonen Alltag klarkommen. So könnte der Beginn eines sozialen Arbeiterdramas aussehen, doch La misteriosa mirada del flamenco, auf Deu...
Kritik zu „Zone 3“: KI-Dystopie in Paris
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Kritik zu „Zone 3“: KI-Dystopie in Paris

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 6. September 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. KI-Thriller in Paris: Zone 3 von Cédric Jimenez Gilles Lellouches letztes Werk, Beating Hearts, war einer der Höhepunkte des vergangenen Kinojahrs. Nun kehrt er zurück – allerdings nicht als Regisseur, sondern als Protagonist im Science-Fiction-Thriller Zone 3 (Chien 51) von Cédric Jimenez (November), der auf den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig Premiere feierte. Im Zentrum steht die KI Alma, welche die gesamte Gesellschaft kontrolliert. Als der Entwickler der KI ermordet wird, geraten die Ermittler Zem (Lellouche) und Salia (Adèle Exarchopoulos) in ein gefährliches Netz aus Vertuschung. Zone 3 bildet den Schlusspunkt des diesjährigen Filmfestivals in V...
Kritik zu „Roofman“: Channing Tatum als Hochstapler
Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Im Kino, Komödie

Kritik zu „Roofman“: Channing Tatum als Hochstapler

Kritik von Michael Gasch Channing Tatum als Der Hochstapler: Roofman von Derek Cianfrance Das Filmgenre des Caper Movies (auch Heist Movie) blickt auf eine große Geschichte zurück. Klassiker sind dabei Jules Dassins Rififi (1955), Stanley Kubricks The Killing (1956), Jules Dassins Topkapi (1963), bis hin zu wegweisenden Klassikern der 70er Jahre wie Vier im roten Kreis von Jean Pierre Melville, Der Clou von George Roy Hill sowie Hundstage von Sidney Lumet. Im Zentrum steht dabei immer ein komplizierter Einbruch, ein Raub oder eine anderweitig gewiefte Betrügerei, gefolgt von unterschiedlichen narrativen Verläufen. Diverse Motive sind dabei auszumachen – sei es die Flucht vor dem Gesetz (Kriminologie), der Anfang eines neuen Lebens (Soziologie), bis hin zur Introspektion...
Kritik zu „Eddington“: Ari Asters Pandemie-Satire
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Kritik zu „Eddington“: Ari Asters Pandemie-Satire

Kritik von Philippe Paturel – erstmals zu lesen am 16. Mai 2025, gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 78. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. "It will value your life. You should think twice." Der Regisseur von Hereditary und Midsommar ist zurück - und mit Eddington liefert Ari Aster sein bisher kompromisslosestes Werk, das erstmals auch wirkliche politische Sprengkraft entfaltet. Inmitten der glamourösen Kulisse von Cannes 2025 sorgt der Film prompt beim Einsetzen der Credits für hitzige Debatten. Eddington ist ein wuchtiger, verstörender Abstieg in die Abgründe von Fanatismus, Macht, Manipulation und Ideologie - getragen von Asters unverkennbarem Gespür für psychologischen Terror und gesellschaftliche Zerrüttung. Wer dachte, Aster hätte mit Midsommar das Maximum an emotionale...
Kritik zu „The Running Man“: Eine gelungene Neuverfilmung?
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Kritik zu „The Running Man“: Eine gelungene Neuverfilmung?

Kritik von Philippe Paturel Eine gelungene Neuverfilmung: The Running Man von Edgar Wright Die Zukunft des Fernsehens ist grausam: In der Show „The Running Man“ werden Menschen zu Spielfiguren in einem makabren Wettlauf ums Überleben. Profikiller jagen sie für den Nervenkitzel der Massen, und Millionen Zuschauer verfolgen jeden Schuss, jeden Schrei – live, ungefiltert und voller Begeisterung. Dafür wartet auf die Teilnehmer*innen am Ende der 30-tägigen Challenge ein stolzes Preisgeld. Die Krux an der Sache ist: Bisher hat noch niemand diese 30 Tage überlebt. Dieser dystopischen Welt nach Stephen King hat sich nun Edgar Wright angenommen, der damit nach Filmen wie Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt und Baby Driver erneut ein adrenalingetränktes Spektakel auffährt. Zw...