Kritik: Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi (USA 2017)

© Walt Disney

Fight what you hate, save what you love.

Noch bevor auch nur die erste Szene abgedreht war, galt Rian Johnson als der neue Erlöser für Star Wars. Der Regisseur und Autor, der zuvor Episoden von Breaking Bad inszeniert und Filme wie Brick oder Looper drehte, war von Beginn an für die Fans des Sternenkrieges genau der Richtige, um die neue Trilogie in glanzvolle Regionen zu befördern. Er war der Star Wars-Messias der Stunde. J.J. Abrams bereitete die Wiederauferstehung vor, Johnson – da waren sich die Fans sicher – führt die neue Saga dann in Richtung Unendlichkeit. Tatsächlich gelingt Johnson mit The Last Jedi ein wirklich guter Film. Ob er den Stellenwert von The Empire Strikes Back erreichen wird? Ordentlich holpern tut der Mittelteil der dritten Krieg der Sterne-Trilogie nämlich schon.

Mit über 150 Minuten ist die neunte Episode deutlich zu lang geraten. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. So erweist sich ein ganzer Handlungsstrang als regelrecht unnötig, wenn Autor Johnson sein Script etwas sorgfältiger ausgearbeitet hätte. Zwar gibt es innerhalb dieser Plotline mit Benicio Del Toro einen neuen Charakter, der durchaus stimmig ist und etwas Würze ins Universum bringt, das ändert aber nichts daran, dass das ganze Drumherum bei genauerer Betrachtung eigentlich keinerlei Sinn ergibt.

Fehlende Sorgfalt lässt sich auch beim Aufbau der Erzählstruktur erkennen. Das Pacing von The Last Jedi hat nämlich mehr als einmal so seine Probleme. Das Narrative springt manchmal schon etwas unharmonisch zwischen den einzelnen Strängen umher. Gerade wenn eine Plotline richtig in Fahrt kommt, wechselt der Film zur nächsten. Das kann schon mal frustrieren, vor allem wenn so versucht wird, Spannungsmomente zu generieren, aber eigentlich damit das Gegenteil erreicht wird. Auch bei den Figuren läuft nicht alles glatt. So bleibt Schurke Kylo Ren die wohl interessanteste Figur der neuen Trilogie, aber es verwundert schon, dass seine Fähigkeiten und Kräfte immer gerade so stark sind, wie es dem Script gerade passt.

Einige Makel hat The Last Jedi also klar vorzuweisen. Dies ändert allerdings nichts daran, dass Johnson es versteht die von vielen geliebte und verehrte Welt der Jedi, Sith, Rebellen und First Order fortzusetzen. Dabei greift der Regisseur gerne in die Referenzkiste, vertraut aber nicht nur blind und gehörig auf Nostalgie, sondern versteht es teils exzellent das Universum zu erweitern. Dabei wird Johnson aber wohl einige vor den Kopf stoßen, denn es gibt Momente, die gewiss für Unmut, Kopfschütteln und Unverständnis sorgen werden. Genau diese sind es aber, die The Last Jedi dazu verhelfen, dass die Karten im dritten Teil, der 2019 kommen soll, neu gemischt und vergeben werden (könnten).

Das wird gewiss vielen nicht gefallen. Genau wie der Humor des Films. Die ersten Bilder und Filmausschnitte versprachen ein durchaus düsteres Abenteuer, aber eigentlich erweist sich The Last Jedi als dem Humor überaus zugetanes Werk. Johnson benutzt diesen vor allem gerne dafür, um überdramatische Epik zu kontern. Gerade in den Szenen zwischen Rey und Luke Skywalker, gibt es immer wieder Momente, in der aufkeimender Pathos durch Amüsement zum Schweigen gebracht wird. Auch hier gilt: Das wird nicht jedem gefallen. Auf der anderen Seite wiederum hält der Film durchaus die Balance. Zu sehen ist das u.a. bei den kleinen Inselbewohnern namens Porgs. Die wurden im Marketing ziemlich omnipräsent dargestellt. Zum Glück bleiben sie aber eine Randnotiz.

The Last Jedi ist wie die Macht. Es gibt eine helle und eine dunkle Seite. Welcher man sich anschließt, liegt im Auge des jeweiligen Betrachters. Diese Kritik tendiert klar zur hellenn Seite, denn trotz einer zu sprunghaften Erzählung die zu lang geraten ist, wird das Universum schön und teils überraschend weiter geformt. The Last Jedi ist kein The Empire Strikes Back, aber es ist klar das Werk eines Filmemachers, der sich vor der Nostalgie verbeugt, ohne ihr zu verfallen und mit der letzten Szene gelingt Johnson eine der schönsten des Jahres. Warum? Weil darin wunderbarer Optimismus enthalten ist, genau wie ein deutlicher Meta-Kommentar zur Liebe der Fans für das Produkt und das ist ein großes Märchen, ein Sci-Fi-Spektakel, ein Fantasy-Abenteur: Es ist Star Wars.

Star Wars: Die Letzten Jedi startet am 14. Dezember 2017 in den deutschen Kinos.

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