"Signs – Zeichen" (USA 2002) Kritik – Sind wir wirklich allein?

„Du kannst doch auch am Fernseher umschalten. – „Das hab ich schon versucht. Es läuft auf jedem Programm dasselbe.“

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Nachdem sich M. Night Shyamalan im Jahre 1999 dank seines persönlichen Meisterwerkes „The Sixth Sense“ mit den Titeln wie „neue Filmhoffnung“ und „Regiewunderkind“ umkleiden durfte, waren die Erwartungen auf die kommenden Filme des Inders natürlich dementsprechend hoch. Shyamalan musste mit dem harten Boden der Realität in Berührung kommen und die Kritik prasselte in abzusehender Art und Weise auf ihn sein. „Unbreakable“ konnte die Klasse von „The Sixth Sense“ nicht erreichen, ein schlechter Film war es dennoch nicht, denn Shyamalan beherrscht es durchaus, seine Filme überzeugend zu inszenieren, es scheitert nur letztlich an den löchrigen Drehbüchern, ebenfalls immer von M. Night Shyamalan verfasst, die sich einige grobe Schnitzer erlauben und der durchdachten Genialität von seinem großen Durchbruch „The Sixth Sense“ strauchelnd hinterher wanken. Natürlich ist auch die Erwartungshaltung ein Problem bei den nachfolgenden Werken von Shyamalan, die von dem Zuschauer nicht selten in einen unverdienten Bereich gehoben werden und zum Scheitern verdammt sind. Im Jahre 2004 fand dann „Signs“, Shyamalans vierter Langfilm, den Weg in die Lichtspielhäuser und kämpfte erneut mit den gleichen Problemen, die ihn bis heute verfolgen.

Als die Frau von Graham Hess, bei einem schweren Autounfall ums Leben kam, verlor der Priester seinen Glauben an Gott und dreht der Religion und dem Glauben den Rücken zu. Nun lebt Graham zusammen mit seinen beiden Kindern und seinem Bruder Merrill auf einer abgelegenen Farm, die umringt wird, von riesigen Maisfeldern. Als Grahams Kinder eines Morgens mysteriöse Kornkreise in einem der Felder entdecken, häufen sich die unerklärbaren Vorfälle zunehmend. Der eigentlich kinderliebe Hund, reagiert immer aggressiver und dazu scheint es noch Unruhestifter in den Maisfeldern zu geben, die sich nachts sogar dem Wohnhaus nähern und sich auf dem Dach herumbewegen. Doch nicht nur auf Grahams Farm gibt es derartige Vorfälle und die Befürchtungen, dass die Menschheit es mit einer außerirdischen Lebensform zu tun bekommt, rückt immer weiter in den Bereich des Möglichen.

Wie wir es schon aus „The Sixth Sense“ und „Unbreakable“ gewohnt sind, verzichtet der Regisseur auch in „Signs“ auf hektische Schnitte oder den überladenen Einsatz von Musik. James Newton Howard war wieder unverkennbar für die musikalische Untermalung verantwortlich und wiederholt seine vorherigen Kompositionen im Kern erneut, ohne dem Ganzen eine neue Note einzuschenken, passend ist es dennoch, wenn auch gänzlich nichts Neues. Interessanter hingegen erweist sich die Besetzung der Familie Hess. In der Hauptrolle sehen wir Mel Gibson („Braveheart“), der inzwischen auf Kriegsfuß mit Hollywood steht und durch seine antisemitischen Aussagen, in Verbindung mit dem Alkoholeinfluss am Steuer, viel von seinem einstigen Ansehen einbüßen musste. Als Graham verkauft sich Gibson in „Signs“ verhältnismäßig blass, auch wenn er wie gewohnt einen gewissen Charme hat, der seine Rolle durchaus unterstützt. Ähnliches ereilt auch Joaquin Phoenix („Walk the Line“), der sich als Charakter-Darsteller längst einen Namen gemacht hat, in „Signs“ als Bruder Merrill jedoch nicht die Möglichkeiten bekommt, sein wahres Talent entfalten zu können. Gerade die beiden Kinderdarsteller Rory Culkin („Scream 4“) und Abigail Breslin („Little Miss Sunshine“) glänzen mit Natürlichkeit und holen einiges aus ihren Charakteren.

Dass M. Night Shyamalan einen speziellen Hang zum Mysteriösen und Übersinnlichen hat, sollte inzwischen bei jedem angekommen sein. In „Signs“ ist das nicht anders, allerdings eröffnet der Regisseur uns zu Anfang ein Bild, welches sich auf einen realen Kern stützen kann und so ein ganz eigenes Interesse an der Thematik erweckt. Damit gemeint sind natürlich die geheimnisvollen Kornkreise, zu perfekt, um von Menschenhand geschaffen worden zu sein. Allerdings begeht Shyamalan im Verlauf des Filmes den Fehler, dass er diesen ansprechenden Punkt vollkommen aus der Geschichte entfernt und dafür immer wieder neue brüchige Handlungsstränge einfügt: Der verlorene Glaube, der Tod der Ehefrau, die Identität des betrunkenen Fahrers, die zweischneidigen Rekorde des Bruders. Der Versuch, den Charakteren hier eine gewisse tragische Tiefe zu geben, scheitert auf ganzer Strecke, denn Shyamalan versteht es nicht, seine wahren Stärken konsequent in den Mittelpunkt zu stellen und bremst die eigentliche Story damit jedes Mal aufs Neue aus. „Signs“ überzeugt nämlich immer dann, wenn der Film seine subtile Atmosphäre schleichend entfalten kann und nur auf unscheinbare Geräusche, flüchtige Schatten und verwaschene Silhouetten setzt. Zum Ende driftet „Signs“ jedoch unhaltbar ins Abstruse ab, jeder Kleinigkeit wird eine Bedeutung zugesprochen und neben dem spirituellen Vorschlaghammer, bekommen wir auch noch eine Moralpredigt zu hören, die in ihrer stupiden Art und Weise nicht nur vollkommen unnötig ist, sondern auch verärgert.

Fazit: „Signs“ hätte packendes Mystery-Kino mit unaufdringlichen Komponenten des Sci-Fi-Genres werden können, doch Regisseur M. Night Shyamalan erweckt den Eindruck, als wäre er in seiner Entwicklung stehengeblieben und arbeitet mit abgestumpften Selbstzitaten und viel zu vielen Handlungssträngen, die die Geschichte immer wieder unnötig ausbremsen. Die Stärke von „Signs“ liegt in der ungewissen Atmosphäre, die Shyamalan durchaus erzeugen kann und den Zuschauer so auch interessiert am Geschehen teilhaben lässt, allerdings geschieht das letztlich zu selten. Dazu kommt dann noch ein Finale, das nicht nur dämlich ist, sondern auch mit religiösem und moralischem Zeigefinger dirigiert wurde und den Endeindruck dementsprechend enttäuschend ausfallen lässt.

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