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Kritik: Die Taschendiebin (KR 2016)
Amazon Prime, Drama, Kritiken

Kritik: Die Taschendiebin (KR 2016)

Ich stehe Ihnen zu Diensten. Der südkoreanische Regisseur und Autor Park Chan-wook, der uns Werke wie Oldboy oder Durst geschenkt hat, kehrt nach seinem Ausflug in die amerikanische Filmbrache glücklicherweise (obgleich Stoker kein kompletter Reinfall war) in seine Heimat zurück und inszeniert mit Die Taschendiebin (der im weiteren Verlauf The Handmaiden genannt wird – aus offensichtlichen Gründen) eine visuell betörend eingefangene und unheimlich stimmig erzählte Thriller-Romanze, die man durch ihre ruhige Erzählstruktur und dem feinfühligen Umgang mit der Mise en Scène guten Gewissens als sein erwachsenstes Werk beschreiben könnte. Schon auf den ersten Blick offenbart The Handmaiden eine Vielzahl an optischen Reizen, sei es seine düstere Atmosphäre, die stilsicher durchgetakteten Bil...
Kritik: Kickboxer: Die Vergeltung (USA 2016) & Kickboxer – Die Abrechnung (USA 2018)
Action, Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Kickboxer: Die Vergeltung (USA 2016) & Kickboxer – Die Abrechnung (USA 2018)

Kickboxer: Die Vergeltung Nachdem Jean-Claude van Damme sich mit Bloodsport – Eine wahre Geschichte einen Namen im Kampfsportsektor des Action-Kinos gemacht hatte, sollte mit Kickboxer 1989 der endgültige Durchbruch im Genre folgen. Die schillernden Jahre sind inzwischen weitestgehend verstrichen, obgleich Van Damme immer noch zu den sympathischsten Hau-Drauf-Recken der alten Schule zählt. Kickboxer bleibt in der Filmwelt aber ein Markenname und dementsprechend logisch erscheint der Umstand, diesen Titel erneut aufleben zu lassen: Natürlich unter den klassischen Parametern des Originals. Kickboxer: Die Vergeltung ist sich in seiner Funktion als Remake auch nie zu schade, reinrassige Reproduktion zu betreiben und hat es sich gleichwohl das Mitwirken von Van Damme gesichert, der nicht meh...
Kritik: Personal Shopper (FR 2016)
Filme, Französischer Film, Heimkino, Horror, Kritiken

Kritik: Personal Shopper (FR 2016)

Du musst dich von Lewis befreien. Die wenigsten Horrorfilme kommen ohne Rückgriffe auf ihre Vergangenheit aus. Das Böse, genauso wie das Gute, sind im klassischen Weltbild des Genres ursprüngliche Kräfte. So ursprünglich, dass ihre Existenz womöglich der Welt vorausgegangen sein muss. Etwas sehr altes erwacht. Vielleicht kann es auch gar nicht sterben und plagt nun die Lebenden? So sind die Figuren in diesen Filme oft gezwungen ihre gewohnte, zeitgenössische Umgebung zu verlassen und Orte der Vergangenheit zu besuchen, um das Böse, das an diesen Orten seit langer Zeit haust, schlussendlich zu vertreiben. Dieses sehr einfache Muster ist für den Geisterhorror seit jeher und bis heute mehr oder weniger die Blaupause geblieben. Immer wieder können die bösen Geister nur besiegt werden, w...
Kritik: 47 Meters Down (GB/DO/US 2016)
Filme, Heimkino, Kritiken, Slider

Kritik: 47 Meters Down (GB/DO/US 2016)

Trust me, once you go down there you wouldn't wanna come back up again. Idyllische, reingewaschene Sandstrände, türkisfarbenes Wasser und strahlender Sonnenschein. Es ist ein hochglanzpoliertes Postkartenmotiv, welches wir alle bestens kennen. Und 47 Meters Down bedient sich diesem ganz gezielt: Die beiden Schwestern Lisa (Mandy Moore, Nur mit dir) und Kate (Claire Holt, H2O – Plötzlich Meerjungfrau) sollen vor der paradiesischen Mexiko-Kulisse noch einmal richtig Kraft tanken, bevor sie weit über ihre Grenzen hinausgeführt werden. Dass diese Prämisse irgendwie bekannt vorkommt, liegt wohl daran, dass vor nicht allzu langer Zeit mit The Shallows – Gefahr aus der Tiefe ein Film in die Kinos kam, der sich einem ähnlichen Konzept bediente. Hier war es Surfer Babe Blake Lively, die nich...
Kritik: The Autopsy of Jane Doe (GB 2016)
Heimkino, Kritiken, Slider

Kritik: The Autopsy of Jane Doe (GB 2016)

Jede Leiche hat ihr Geheimnis. Dass die Arbeit von Austin (Emile Hirsch, Into the Wild) und Tommy (Brian Cox, Manhunter) der Tod höchstselbst ist, hat das Vater-Sohn-Gespann merklich zusammengeschweißt. Als Leichenbeschauer verdienen sie sich ihr täglich Brot damit, Menschen erst zu objektivieren und anschließend in ihre Einzelteile zu zerlegen. Todesursachen müssen aufgeklärt und Ungereimtheiten ins Reine gebracht werden. Tatsächlich möchte man sich anhand dieser Ausgangssituation von The Autopsy of Jane Doe einigen Assoziationen hingeben, die geradewegs in Richtung HBO und Six Feet Under schnellen. Dass es sich bei dem Betrieb, in dem Austin und Tommy tätig sind, auch noch um ein Familienunternehmen handelt, verhärtet jene reflexartige Gedankenkette. Trollhunter-Regisseur André Øvreda...
Kritik: The Night of the Virgin (ES 2016)
Heimkino, Kritiken, Slider

Kritik: The Night of the Virgin (ES 2016)

Roberto San Sebastíans Langfilmdebüt La noche del virgen reiht sich mit ungestümen Nachdruck in die jüngste Reihe aufsehenerregender, provozierender Filme wie Tenmos la carne, The Greasy Strangler oder Kuso aus den Randgebieten der herkömmlichen Filmindustrie ein. Dem unabhängig sowie mit wenig Budget produzierten Werk ist von Anfang an anzumerken, dass sich der Regisseur und seine Crew in jeder einzelnen Einstellung keine Sekunde lang Gedanken darüber machten oder überhaupt machen mussten, was ihr Publikum von ihnen erwartet. Gleichzeitig ist La noche del virgen aber auch ein Film, der brachial und liebevoll zugleich für ein Publikum maßgeschneidert wurde, das sich im prall gefüllten Kinosaal bei schmuddeligen, vulgären und fortwährend komplett aus dem Ruder laufenden Ekel-Exzessen am w...
Kritik: The Founder (USA 2016)
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: The Founder (USA 2016)

If I saw a competitor drowning, I'd shove a hose down his throat. Seit einer gefühlten Ewigkeit tingelt Ray Kroc (Michael Keaton, Spotlight) bereits erfolgslos durch die Landen, reist von Restaurant zu Restaurant, von Diner zu Diner, und quasselt sich den Mund fusselig, um einen der Milchshake-Mixer an den Mann zu bringen, die fünf Shakes auf einmal zubereiten können. Seinen Ohren mag er kaum trauen, als ihm die Bestellung von sechs Mixern entgegengebracht wird. Sechs! In den letzten Monaten hat er kaum ein einziges der klobigen Gerätschaften für den Küchenbedarf loswerden können. Ist dies also der Startschuss einer Geschichte des ungeahnten Erfolges? Oh ja, allerdings haben die Milchshake-Mixer, den die beiden Brüder Mac (John Carroll Lynch, Fargo) und Dick McDonald (Nick Offerman, 22 ...
Kritik: Moonlight (USA 2016)
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Kritik: Moonlight (USA 2016)

You're the only man who ever touched me. The only one. Man möchte ins Träumen geraten. Die weißen Sandstränge und der lauwarme Wellengang von South Beach laden unweigerlich dazu ein. Hier kann man es sich gut gehen lassen, hier darf man die Seele baumeln lassen und in den Augenblick hineinleben. Das Bild des 1980er Jahre Miamis, welches Moonlight offenbart, ist jedoch kein großstädtisches Urlaubsidyll. Stattdessen finden wir uns in einem von Gewalt und Drogenhandel wie –Konsum geprägten Viertel wieder. Hier lebt auch der 9-jährige Chiron (Alex R. Hibbert), dessen Alltag seit jeher von genau diesen beiden Dingen dominiert wird: In der Schule wird er von seinen Kameraden aufgrund seiner schmächtigen Erscheinung drangsaliert, in den eigenen vier Wänden erfährt er von seiner cracksüchtigen...
Kritik: The Salesman (FR, IR 2016)
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: The Salesman (FR, IR 2016)

I like to bring a loader and ruin all of this city. Das iranische Kino fristet in unserer westlichen Gesellschaft schon seit Jahren ein Schattendasein. Viele ansprechende Beiträge finden ausschließlich auf Festivals statt, doch abseits einiger namhafter Regisseure trifft man auch dort kaum auf relevantes Material. Umso schwerer wiegt dabei der letztjährige Verlust Abbas Kiarostamis, einem der großen Visionäre des Weltkinos. Diese geringe Präsenz liegt natürlich nicht nur an unseren Sehgewohnheiten, sondern auch an den erschwerten Produktions- und Vertriebsbedingungen im Nahen Osten. Man denke nur an Jafar Panahi, der es trotz Berufsverbot geschafft hat den letztjährigen Berlinale Gewinner Taxi Teheran zu drehen und anschließend außer Landes zu schmuggeln. Leichter hat es da Asghar Farha...
Kritik: Jackie (CL, FR, US 2016)
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Jackie (CL, FR, US 2016)

I don’t smoke Wirft man nur einen oberflächlichen Blick auf Jackie, so droht man schnell ein völlig falsches Bild des jüngst gestarteten Films zu bekommen. Obgleich die Vorzeichen zähes Gefälligkeitskino versprechen und auch einige Oscarnominierungen in diese Richtung deuten, stemmt sich das Werk bei näherer Betrachtung vehement gegen diese Vorurteile. Auch Jackie befeuert den jüngst entstandenen Trend zur Rundumerneuerung von Filmbiografien und was wir in den letzten Jahren etwa bei Steve Jobs oder Vor der Morgenröte bestaunen durften, findet auch hier seine Anwendung. Vorbei sind die Zeiten, in denen Biopics die formal belanglose Bebilderung eines Wikipedia Artikels darstellten und ausschweifend von den Taten einer mehr oder weniger interessanten Persönlichkeit erzählten. Hauptaugenme...