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Kritik: Border (SE/DK 2018)
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Kritik: Border (SE/DK 2018)

Gefühlt jährlich steigt aus der Menge an Cannes-Filmen ein Genrefilm empor, über den Publikum und Kritik den Rest des Jahres diskutieren. It Follows war so ein Fall. Ali Abassis Außenseiter-Geschichte Gräns hat das Zeug zum diesjährigen Genreliebling zu werden, was schon allein daran liegt, dass der Film sein Genre, das ich ironischerweise schwerlich konkret benennen könnte, äußerts ernst nimmt. Tina (Eva Melander) sieht anders aus als die anderen. Ihre wulstigen Gesichtszüge erinnern ein wenig an das Vampir-Makeup aus der TV-Serie Buffy. Ihr dementer Vater (Sten Ljunggren) lebt im Pflegeheim. Ihr Zuhause ist ein kleines Haus in den schwedischen Wäldern, das sie sich mit dem Hundetrainer Roland (Jorgen Thorsson) teilt, der nicht wirklich Interesse an ihrem Leben zeigt und seine Hunde re...
Berlinale 2019 – Blutige Handschuhe und der Kampf um die billigen Plätze
Demnächst im Kino, Festivals, Filme, Kritiken, Slider, Specials

Berlinale 2019 – Blutige Handschuhe und der Kampf um die billigen Plätze

10 Tage eingesperrt in dunklen Räumen. Die Strapazen eines Filmfestivals fördern das wahre "Ich" der Filmkritiker zu Tage. Dies ist auch auf der Berlinale nicht anders. Das Schwein im Menschen kommt spätestens dann zum Vorschein, wenn der Kampf um die besten Sitzplätze beginnt. Dass gedrängelt und geschubst wird und sich einige Leute kackdreist in die Warteschlange mogeln, bin ich inzwischen gewohnt. Bei einer Vorstellung von Flatland, dem Eröffnungsfilm der Sektion Panorama, ist jedoch etwas vorgefallen, dass ich so noch nicht erlebt habe: Im rammelvollen Kino beschloss mein Sitznachbar kurz nach Vorstellungsbeginn noch einmal seinen Sitz zu verlassen und die Toilette aufzusuchen. Ein folgenschwerer Fehler, denn just zu dieser Zeit wurden auch die Nachrücker in den Saal gelassen. Kaum w...
Kritik: Under The Silver Lake (USA 2018)
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Kritik: Under The Silver Lake (USA 2018)

I saw you spying on me, earlier. Der französische Medienphilosoph Jean Baudrillard sah Amerika, also die USA, nicht als Land, sondern als Modell an. Als ein Mekka von Zeichen ohne Referenzen, die nur auf sich gegenseitig verweisen. Die Wirklichkeit verschwindet hinter diesen Zeichennetzen. In Under The Silver Lake, dem neuen Film von It Follows-Regisseur David Robert Mitchell, droht Sam (Andrew Garfield) in diesen Netzen aus Zeichen zu verschwinden; anfangs noch ganz ins Slacker-Dasein vertieft, ohne Job, aber mit Auto und Apartment, wobei die Miete schon lange überfällig ist. Zwischendurch beiläufiger Sex mit einer befreundeten Schauspielerin (Riki Lindhome) und das Bespannen der barbusigen, MILFigen Nachbarin, aber sonst scheint Sam nicht viel zu tun zuhaben. Bis die schöne Sarah ...
Kritik: Mandy (USA 2018) – Nicolas Cage dreht durch
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Kritik: Mandy (USA 2018) – Nicolas Cage dreht durch

That was my favorite shirt! Als Panos Cosmatos mit gekrümmten Rücken und bescheidenem Gestus bei der Cannes-Premiere seines Films Mandy auf die Bühne tritt, fiel es noch schwer, sich auszumalen, was für ein Film einen erwartet. Cosmatos erzählt, dass er damit u.a. den Tod seiner Eltern verarbeiten wollte. Zugegeben, Mandy ist kein leichtfüßiger, fröhlicher Film. Wenn man zudem mit Science-Fiction-, Horrorfilmen, Dungeons and Dragons und Heavy Metal groß geworden ist, werden die Umrisse des Films klarer. Letztendlich war aber niemand wirklich auf Mandy vorbereitet, was sich auf der einen Seite an den zahlreichen Rausläufern während der Vorführung und auf der anderen Seite an den frenetischen Standing Ovations nach dem Film zeigte. 1983, der Holzfäller Red (Nicolas Cage) lebt mit s...
Kritik: The House That Jack Built (DK 2018)
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Kritik: The House That Jack Built (DK 2018)

You're house is a fine little house, Jack. Lars von Trier kehrt zurück nach Cannes. Vor sieben Jahren sorgte sein scherzhaftes "I'm a Nazi" dafür, dass er, nach seiner Goldenen Palme für Dancer in the Dark im Jahr 2000, auch den Preis als Persona Non Grata entgegen nehmen durfte und somit vom Festival ausgeschlossen wurde. Doch die Schonzeit ist nun vorbei, für Cannes, Lars von Trier und natürlich das Publikum, denn das muss sich diesen Film ja letztendlich ansehen. Gerüchten zufolge wollte Thierry Frémaux The House That Jack Built liebend gern im Wettbewerb zeigen, aber da von Trier keine Pressekonferenz geben wollte und diese anscheinend für die Teilnahme am Wettbewerb Usus ist, lief der Film nun außerhalb des Wettbewerbs. Der Andrang wurde dadurch nicht geringer, galt der Film ...
Cineastische Highlights beim 36. Filmfest München
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Cineastische Highlights beim 36. Filmfest München

Gastbeitrag von Clemens Judersleben Die endgültige Entscheidung erneut zum Filmfest München zu fahren erfolgte mit einem freudigen Aufschrei im Büro nach Bekanntgabe des finalen Programms und zig Nachrichten an all die befreundeten Filmnerds: Die Festivalkuratoren nutzen erneut den günstigen Post-Cannes Termin und präsentieren im CineMasters-Wettbewerb nicht nur den diesjährigen Gewinner der goldenen Palme Shoplifters, sondern auch den Kritikerrekorde brechenden und wohl von allen Filmgeeks am sehnsüchtigsten herbeigesehnten Film Burning. Insgesamt tummeln sich in den verschiedenen Programmreihen 24 Filme aus Cannes sowie weitere Preisträger aus Venedig und Sundance. DAS MÜNCHER AUSGHÄNGESCHILD In der öffentlichen Wahrnehmung bezieht das Festival jedoch sein kuratorisches Prestige als...
Cannes 2018: Halbzeit! (u.a. mit Cold War, Treat Me Like Fire & Three Faces)
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Cannes 2018: Halbzeit! (u.a. mit Cold War, Treat Me Like Fire & Three Faces)

Das Festival von Cannes läuft wie eine gut geölte Maschine jeden Tag munter weiter und in dieser Melange aus Galas, Promos, Deals und Partys schmiert das Öl der Cinephilie die ineinander greifenden Zahnräder. Irgendwo dazwischen, ich, immer noch überwältigt von Menschenmassen, Filmen und Glamour. Nun ist Halbzeit in Cannes und es sind wieder einige Filme seit dem letzten Bericht gelaufen; Zeit zu Rekapitulieren. Gar nicht so glamourös wie oft in der Filmgeschichte vermerkt, fällt das Casino-Glücksspiel in Marie Monges Drama Treat Me Like Fire (Joueurs) aus. Darin spielen Stacy Martin, bekannt aus Lars von Triers Nymphomaniac, und Tahar Rahim (u.a. Ein Prophet) ein spielsüchtiges Pärchen. Erinnerungen an andere Liebesdramen im Drogen-Milieu (z.B. Candy) werden wach, nur dass hier das H...
Cannes 2018: Die ersten Tage (u.a. mit Everybody Knows, Wildlife & Sorry Angel)
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Cannes 2018: Die ersten Tage (u.a. mit Everybody Knows, Wildlife & Sorry Angel)

Lange Schlangen, streikende Züge und enge Straßen voller Menschen: Cannes kann schon hässlich sein. Und doch, wenn man es das erste mal zum prestigeträchtigsten Filmfestival der Welt geschafft hat, ist alles irgendwie halb so schlimm. Dann macht selbst Anstehen ein wenig Spaß, da man derweil z.B. die unzähligen Menschen in fescher Abendgarderobe beobachten kann, die mit Pappschildern um Einladungen für die großen Gala-Premieren betteln. Klasse ist in Cannes das Stichwort. Mir geht es hier nur bedingt besser, denn als Neuling bin ich Träger einer gelben Akkreditierung (#Yellowbadger). Die Presse-Akkreditierungen teilen sich in fünf Klassen. Ganz oben stehen die Weißen (eine bewusste Farbwahl?). Dann kommen die Pinken mit gelbem Punkt, danach die normalen Pinken, die Blauen und zu guter Le...
Berlinale 2018 – Tage 4 und 5: Mit Kim Ki-duk auf blutiger Fahrt
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Berlinale 2018 – Tage 4 und 5: Mit Kim Ki-duk auf blutiger Fahrt

Bei Filmfestspielen beschleicht mich immer ungefähr zur Festivalhalbzeit die Angst, dass ich mir immer genau die falschen Filme aus dem riesigen Angebot herausgepickt und die cineastischen Sahnestückchen gnadenlos übersehen haben. Meist trügt dieser Eindruck, ein kurzer Blick auf das bisher Gesehene reicht, um festzustellen, dass ein guter Durchschnitt an lohnenswerten Sichtungen erzielt wurde. Dieses Jahr scheint meine Sorge jedoch nicht gänzlich unbegründet, denn die Berlinale 2018 hat für mich bisher größtenteils Mittelmaß und einige handfeste Enttäuschungen zu bieten. Die größte Gurke der Festspiele ist bisher Kim Ki-duks nahezu unerträglich stupide Studie über das Böse im Menschen Human, Space, Time and Human (Inkan, Gongkan, Sikan Grigo Inkan). Homo homini lupus (Übersetzung: Ein ...
Berlinale 2018 – Tag 1: Hunde auf der Mülldeponie
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Berlinale 2018 – Tag 1: Hunde auf der Mülldeponie

Roter Teppich, Menschenmengen und überfüllte Kinos: Seit gestern ist die 68. Berlinale in vollem Gange und ich werde mich auch in diesem Jahr für unsere Seite wieder in das wilde Treiben stürzen. Da ich im letzten Jahr im Großen und Ganzen doch sehr enttäuscht war von den Wettbewerbsbeiträgen (ja, ich meine dich, Körper und Seele), möchte ich diesmal meinen Fokus verstärkt auf andere Sektionen ausweiten. Schließlich gab es im letzten Jahr insbesondere in der Panorama-Sektion einige Filmperlen, die größtenteils nie ihren Weg auf den deutschen Markt gefunden haben, geschweige denn eine Kinoauswertung erfahren hätten. Auf eine deutsche Veröffentlichung der kafkaesken Tragikomödie Requiem for Mrs. J. oder eine Auswertung des bildgewaltigen chinesischen Coming-of-Age-Dramas Ciao Ciao warte ic...