Kritik: Fürst der Dämonen (CZ/RU 2014)

Fürst der Dämonen

© Universal Pictures International (UPI)

Kreide ist die beste Verteidigung die wir haben. Zieh einen Kreis um dich herum und kein Teufel kann dir etwas anhaben!“

„Der Wij“ von Nikolai Wassiljewitsch Gogol zählt zweifelsohne zu den renommiertesten Erzählungen der russischen Literatur. Nicht unverständlich ist es daher, dass diese Geschichte auch schon zwei Mal in die weite Welt der Kinematographie transferiert wurde: Sowohl im Jahre 1967, als auch zuletzt Anfang der 1990er Jahre. Wenngleich „Der Wij“ in Russland einen ähnlichen Bekanntheitsgrad genießt, wie in Deutschland etwa „Rotkäppchen“ oder auch „Die sieben Geißlein“, ist das mythologische Abenteuer um den ukrainischen Philosophiestundenten Choma Brut und seiner jähen Begegnung mit einem gar grässlichen Sukkubus in den deutschen Landen noch weitestgehend unbekannt. Dass die nunmehr dritte Adaption des prestigeträchtigen Stoffes, in diesem Fall von Oleg Stepchenko, der zuvor den Actionfilm „Velvet Revolution“ in Szene gegossen hat, höchst wahrscheinlich nichts daran ändern wird, scheint schon irgendwie mit der hiesigen Auswertung für den Heimkinomarkt besiegelt.

Über die Qualität muss das indes natürlich rein gar nichts aussagen: Zuletzt hat auch „The Guest“ von Adam Wingard unter Beweis gestellt, dass es alljährlich Meisterwerke gibt, denen der Weg ins Kino einfach nicht vergönnt ist. Mit „Fürst der Dämonen“ aber ist nicht der Fall: Anstatt als Highlight die Runde zu machen, quasi wie der Phönix aus der Asche, zeichnet sich Oleg Stepchenko hier für einen Film verantwortlich, den man letzten Endes mit drei Worten sehr gut klassifizieren kann: Ein gescheitertes Projekt. Tatsächlich sollte „Fürst der Dämonen“ schon im Jahre 2009 fertiggestellt werden und Nikolas Wassiljewitsch Gogols Vorlage mit ordentlich Tamtam Tribut zollen. Mit fünfjähriger Verspätung können wir uns nun einen Eindruck davon machen, wie harsch man dieses Jubiläum doch in den Sand gesetzt hätte. Dabei bringt „Fürst der Dämonen“ mit Jason Flemyng („Bube Dame König grAs“) nicht nur einen ordentlichen Darsteller aus der zweiten Reihe mit sich, er verfügt auch über das richtige Maß an Fabulierlust.

Die markante Optik sticht direkt ins Auge: „Fürst der Dämonen“ ist in wunderbar kontrastreiche Bilder gehüllt (zu Beginn, wohlgemerkt), zwar mit einer deftigen Kelle Color Grading unterstützt, aber immer noch so gefällig, dass man an den pittoresken Landschaftsaufnahmen durchaus hängenbleibt. Im 18. Jahrhundert angesiedelt, steht mit Dzhonatan Grin eine Figur im Mittelpunkt, die nicht unscheinbar an den „Sleepy Hollow“-Hauptakteur Ichabod Crane erinnert: Auch er ist ein Gelehrter, ein Wissenschaftler, bisweilen Bonvivant, der sich fernab seines Berufszweiges und Idealen beweisen muss. Allerdings fehlt Oleg Stepchenko die Sensibilität eines Tim Burton, um Dzhonatan Grain als facettenreiches Epizentrum anzusiedeln: Er bleibt, wie alle Figuren im Bunde, ein leeres Gefäß, ein unbeschriebenes Blatt, eben ein uninteressanter, ein unterentwickelter Held. Natürlich ist das eine Hürde, die der Film nehmen muss, dass man keine emotionale Bindung zur Hauptfigur aufbauen kann, den Spaß an der Sache muss das aber nicht gänzlich drosseln.

„Fürst der Dämonen“ versagt vielmehr darin, dass er das Schauermär, welches er darstellt, nicht mit dem nötigen Geschick zu einer konstanten Eigendynamik führen kann. Es ist ja schon so, dass nicht einmal ein winziger Funke überspringt und die Reise in das dampfende Moor von Transsylvanien (zu jener Zeit noch ein grauer Fleck auf der Landkarte und vom christlichen Aberglaube dominiert) nur durch ihre synthetische Textur von sich reden machen kann. „Fürst der Dämonen“ ist unglaublich artifizielles Fantasy-Kino, die computergenerierten Effekte vollkommen aus der Zeit gefallen und obwohl das Narrativ vollends auf den phantastischen Moment forciert scheint, gelingt es Oleg Stepchenko zu keiner Zeit, ein kohärentes Ganzes zu formen. Visuell nicht gänzlich reizlos, das stimmt, aber so wirr erzählt und mit deplatziertem Klamauk untermauert, dass „Fürst der Dämonen“ weder ehrlichen Spaß evoziert, noch als von schwarzer Romantik umwitterter Trash Treffer landet. „Fürst der Dämonen“ darf sich mit „The Seventh Son“ oder „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ in eine unrühmliche Reihe stellen.