Kritik: Z for Zachariah (USA 2014)

1

Tiberius

I ain’t seen anyone alive for over a year.

Eingefallene Industriekomplexe, deprimierende Ruinenlandschaften, abgerodete Wälder – und inmitten dieser Bruchsteine der Vergangenheit zieht der Mensch traurige Striche. Das so vielfältige Sujet der Dystopie, welches durch Filme wie Die Tribute von Panem – The Hunger Gamer, Die Bestimmung – Divergent und Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth dieser Tage eine fragwürdige Hochkonjunktur feiern durfte, verfügt über eine klare Ikonographie des Zerfalls. Wenn wir von der (Post-)Apokalypse sprechen, dann sprechen wir zuvorderst von Schauwerten, von massenwirksamen Oberflächenreizen, die unsere Perzeption dahingehend stimulieren, das Gedankenspiel anzuregen, wie es wohl wäre, wenn Mutter Erde nicht mehr unserer bunt-belebten Heimat gleichen würde, sondern als langsam versterbender Himmelskörper unter unseren Füßen hinweg vegetiert.

Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit, basierend auf dem Roman Z wie Zacharias‘ von Robert C. O’Brien, nutzt sein postapokalyptisches Ambiente, um den Zuschauer – innerhalb der filmischen Realität – nicht offensiv mit dem Schrecken des Untergangs zu konfrontieren, sondern beschreibt einen Zustand, der sich irgendwo zwischen Regeneration und Resgination wiederfindet. In erster Linie ist es also nicht das Setting selbst, in das Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit all seine schöpferische Kraft investiert, sondern die Charaktere, die nach dem (nicht weiter definierten) Kollaps versuchen, eine neue Ordnung für sich zu finden. Ann Burden (Margot Robbie, The Wolf of Wall Street) ist Dreh- und Angelpunkt, sie fungiert als übervorsichtige Pastorentochter nicht nur als Moderator, der den Zuschauer durch die Welt leitet, sondern auch als Stimmungsbarometer zwischen den sich nach und nach verhärtenden Fronten.

Abseits der Ruinen der Zivilisation besteht ein Tal, ein urbares Refugium, welches über eine eigene, sich selbst regulierende, vollkommen natürliche Pufferzone verfügt, in welches die radioaktive Strahlung nicht vordringen konnte. Und natürlich bleibt Ann hier nicht lange auf sich gestellt, sondern bekommt zuerst Besuch vom ehemaligen Wissenschaftler John Loomis (Chiwetel Ejiofor, 12 Years a Slave) und später vom wagemutig erscheinenden Caleb (Chris Pine, Star Trek Beyond). Selbstverständlich entzünden zwischen den Männern von Eifersüchteleien angetriebene Machtkämpfe – und Ann, in der Mitte, fernab der Motivation, die Männer gegeneinander aufbringen zu wollen, zieht sich mehr und mehr in sich zurück. Die psychologischen Spannungen, die das Trio umklammern, sind wahrlich das Effektivste, von dem Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit Gebrauch machen kann.

Ansonsten erzählt Regisseur Craig Zobel, der uns 2012 immerhin den nicht uninteressanten Compliance geschenkt hat, eine Geschichte, die keinesfalls ein Novum im Genre darstellt und bereits einige Dutzend Male deutlich genuiner präsentiert wurde. Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit fehlt die künstlerische Sprengkraft, um Konventionen hinter sich zu lassen, stattdessen sehen wir, wie elaborierte, am filmischen Blick eines Andrei Tarkowski (Stalker) geschulte Kamerafahrten durch die vom Wind gestreichelte Nadelwälder treiben, während die Protagonisten auf ihrer Farm die Zeit mit Hoffen und Beten verbringen. Gewissenhafter wäre es gewesen, das trügerische Antlitz des fruchtbaren Elysium zu erforschen und geradewegs auf die Gefühlswelten der Charaktere zu transferieren. Der Ansatz, ob man aus dem Trümmern der Vergangenheit wirklich etwas Neues erschaffen kann oder ob man sich aus diesen früher oder später doch sein eigenes Grab errichtet, hätte eine Vertiefung verdient gehabt.

Z for Zachariah wird von Tiberius publiziert und erscheint am 07. Juli im Handel.