"Mars Attacks!" (USA 1996) Kritik – Ein Alienangriff à la Burton

„Eine weiterentwickelte Zivilisation ist üblicherweise nicht barbarisch.“

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Sind wir Menschen wirklich allein? Sind wir die einzigen, mehr oder weniger, intelligenten Geschöpfe im Universum, oder wartet in den Unweiten und den Abgründen des Weltalls noch so manches fremdes Wesen auf uns? Inzwischen ist klar, dass wir nicht alleine sind, denn allein auf der Oberfläche des Mondes wurden winzige Lebewesen entdeckt. Man bedenke nur, dass es im ganzen Universum mehr Galaxien gibt, als Sandkörner auf der Erde. Eine Anzahl, die jeden gedanklichen Rahmen sprengt und einfach nur überwältigt. Oft genug haben wir es also natürlich auch in der Filmwelt mit den beliebten Aliens zu tun bekommen, die sich die Erde als Andockstation oder Angriffsziel ausgesucht haben. Da wären, nur als Beispiele, Roland Emmerichs „Independence Day“ und Steven Spielbergs „Krieg der Welten“, die zwar nicht zufriedenstellend waren, aber sich dem Thema mit interessanter Grundlage annäherten. Aber auch ein ganz anderer Regisseur hatte Lust darauf, die Erdbevölkerung mit Aliens zu konfrontieren. Gemeint ist Tim Burton und seine Sci-Fi-Persiflage „Mars Attacks!“ aus dem Jahre 1996.

Alles beginnt mit einer brennenden Rinderherde, die die staubigen Straßen von Texas herunterrennen und die Bewohner, verständlicherweise, vollkommen verwirren, während sich im Hintergrund eines der Raumschiffe der Aliens erhebt und dem Himmel empor schwebt, um sich in eine ganze Armada von anderen Raumschiffen einzureihen, die sich geradewegs auf dem Weg zur Erde befinden. Die Amerikaner bekommen Wind von der Sache und Präsident James Dale, wie auch der Professor Donald Kessler müssen mit diesen Informationen standhaft umgehen und sind einfach mal der Annahme, das die Aliens, die schließlich so weit entwickelt sind, in friedlicher Absicht kommen. Ein gebührender Empfang muss also vorbereitet werden, der jedoch in der Wüste von Nevada mächtig nach hinten losgeht. Die Friedenstaube, die von einem Zuschauer losgelassen wird, löst das Choas aus und die Marsianer töten alles was sich bewegt. Trotz dieses schrecklichen Vorfalls, gehen Dale und Kessler immer noch davon aus, dass es sich nur um einen Irrtum gehandelt hat und die Aliens werden erneut ins Kapitol eingeladen, um dort vor dem Kongress zu sprechen und ihre Entschuldigung zu formulieren. Aber falsch gedacht. Das Chaos bricht erneut aus und die Menschheit, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht, befinden sich im Krieg gegen die Außerirdischen und müssen irgendeinen Weg finden, um ihrem Ende zu entkommen…

In einer Sache kann man sich bei einem Tim Burton-Film sicher sein, denn das Design, die Kulissen und das eigentliche Aussehen wie die Optik seiner Werke sind immer wunderbar. Obwohl der Exzentriker eigentlich die düster-märchenhafte Optik bevorzugt, ist „Mars Attacks!“ das Gegenteil von dem. Viel mehr lässt sich der Film schon als comichaftes Treiben bezeichnen, das sich nicht nur durch die überspitzten Momente diesen Titel verdient, sondern auch durch die Farbenvielfalt. Auch die Gestaltung der Marsianer selbst, die sich nur durch abgebrochene Laute verständigen, lässt die Richtung von „Mars Attacks!“ unschwer erkennen, denn die kleinen Burschen mit den Riesenhirnen sind eindeutig parodistischer Natur, wie eben der gesamte Film. Die musikalische Untermalung gibt es wieder von Danny Elfman, der sich für seinen Score das elektronische Musikinstrument Theremin gegriffen hat, das er auch schon bei „Ed Wood“ verwendete, und liefert einen Soundtrack, der an die alten B-Sci-Fi-Filme erinnern lässt, genau wie die Aufmachung der Aliens selbst. Dazu gibt es noch eine Besetzung der Extraklasse. Jack Nicholson spielt den Präsidenten James Dale und den Immobilienhai Art Land, Glenn Close ist die First Lady, Pierce Brosnan verkörpert den Professor Donald Kessler und Sarah Jessica Parker ist die Moderator Nathalie Lake. Dazu die Nebenrollen, die ausgestattet wurden mit Annette Bening, Martin Short, Danny DeVito, Michael J. Fox, Natalie Portman, Pam Grier, Rod Steiger, Lukas Haas, Jack Black, Christina Applegate und Tom Jones höchstpersönlich. Ein irrer Cast, der sich durchgehend spielfreudig zeigt.

1996 hatte „Mars Attacks!“ das Problem, im gleichen Jahr wie Emmerichs Patriotismus-Bombe „Independence Day“ in die Kinos zu kommen, und gegen den konnte Tim Burton mit seinem Film nur abstinken, denn Emmerich setzte in seinem Blockbuster alles daran, die vereinigten Staaten mal wieder auf die höchste Ebene zu katapultieren. In „Mars Attacks!“ ist das ganz anders. Tim Burton geht in der knapp 100 minütigen Laufzeit durchgehend anarchisch und anti-amerikanisch vor, verzichtet auf Zeichnungen von Helden und lässt sowohl die Politiker als auch das amerikanische Militär immer wieder bloßgestellt in Ecke zurück. Von friedlichen Absichten wird hier nicht lange gesprochen, denn die fiesen Marisaner haben eigentlich nur ein Ziel: Ihre Zerstörungswut mal richtig rauslassen und die Welt in Schutt und Asche zurückzulassen. Der Eifelturm stürzt in sich zusammen, die Statuen der Osterinsel werden überrollt und Amerika wird ohne Probleme überrannt. Dabei lässt sich „Mars Attacks!“ aber keinesfalls als ernstzunehmender Vertreter des Sci-Fi-Genres verstehen, sondern sowohl als Hommage an vergangene Zeiten, aber auch als Parodie, die den amerikanischen Pathos mit Strahlenpistolen in Sekunden pulverisiert. Kein Wunder also, dass Amerika die Nase gerümpft hat. „Mars Attacks!“ ist ein herrlich zynischer und mit absurden Einfällen gepickter Spaß, dem zwar hin und wieder das nötige Tempo fehlt, aber durch seine staatsfeindliche Ansicht einfach genau den richtigen Ton trifft und auf höchstem Niveau unterhält.

Fazit: Die Aliens kommen langsam auf die Erde und was ist der erste Gedanke des amerikanischen Militärs? Richtig! Man muss sofort angreifen. Im Fall von „Mars Attacks!“ wäre das sogar der richtige Weg gewesen, denn diese Aliens kommen nicht mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. Tim Burton inszenierte eine herrlich schräge Sci-Fi-Parodie, die auf Patriotismus pfeift und Helden in seiner ganzen Konsequenz weglässt. Dafür gibt es destruktiven Zynismus, Aliens mit eigener Sprache und ein quietschbuntes Auftreten, unterlegt mit Elfmans wunderbaren Score. Dazu noch die tolle Besetzung und fertig ist ein Sci-Fi-Spaß mit kritischen Grundtönen, der „Independence Day“ natürlich in jedem Punkt überlegen ist.

Bewertung: 7/10 Sternen