"Playback" (USA 2012) Kritik – Besessenheit auf Video

„Verändert sich die Wahrnehmung der Realität, wenn man sie aus verschiedenen Perspektiven betrachtet?“

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Immer wieder fragt man sich, wo einst beliebte Schauspieler überhaupt abgeblieben sind. In ihrer Blütezeit in aller Munde und geliebt von jedem Kinogänger, verlieren sie sich im Laufe der Zeit selbst aus den Augen und vergessen sich in minderwertigen Filmprojekten, die sich im besten Fall noch als B-Trash abstempeln lassen können, doch viele von ihnen trifft es noch viel, viel schlimmer. Gute Beispiele wären Chevy Chase, der in den 90ern vollends in Vergessenheit geraten ist, jetzt aber in der Serie „Community“ seinen zweiten Frühling erleben darf, zum Glück für ihn. Auch noch erwähnenswert, wenn man in dieser Rubrik bleiben will, sind Mark Hamill, der sich als Luke Skywalker zur Legende machte, danach aber rein gar nicht mehr auf die Beine bekam, oder auch Christopher Lambert, der als Highlander eine gute Rolle hatte und danach in den Unweiten des Filmuniversums seinem eigenen Karriereende entgegentrieb. Tragisch, wenn man seine eigenen Helden den Bach runtergehen sieht und da kommt noch ein ganz andere, ungemein talentierter Schauspieler ins Spiel: Christian Slater. Einst in ‚True Romance‘, ‚Der Name der Rose‘ und ‚Interview mit einem Vampir‘ in großen Produktionen immer vollkommen überzeugend, dümpelt er nun von einem miesen Streifen zum nächsten. Sein neuster Film ‚Playback‘, in dem er allerdings nur eine Nebenrolle spielt, verdeutlicht nur den heutigen Stand Slaters in der Filmwelt.

In ‚Playback‘ wird auf die wahre Geschichte vom französischen Erfinder Louis Le Prince zurückgegriffen, der als erster Menschen im Jahre 1888 einen Kurzfilm drehte, der zwar nur zwei Sekunden andauerte, ihm den Ruf des Vater der bewegten Bilder allerdings einbrachte und die Brüder Lumiérie und Thomas Edison in der echten Rangliste hinter sich drängte, auch wenn diese natürlich am Ende „mehr“ aus ihrem Können gemacht haben. Le Prince wollte seine Kurzfilme in Amerika vorstellen, verschwand darauf aber spurlos. Das aber nur als nebensächliche Randnotiz. Der Film beginnt im Jahre 1994, wo der Jugendliche Harlon Diehl seine Familie tötete und die Tat mit einer Videokamera filmte. 15 Jahre später treffen wir unsere Hauptfigur Julian, der für ein Schulprojekt die Geschichte von Harlon verfilmen möchte, um sich irgendwann auch seinen Traum als Regisseur erfüllen zu können. Sein ehemaliger Arbeitskollege Quinn arbeitet für eine Nachrichtenstation und soll ihm Material von Harlon mitbringen, welches sich im Archiv befindet. Als Quinn sich die Aufnahmen im Vorfeld ansieht, springt der Geist von Harlon auf Quinn und macht ihm zu einem besessenen Mörder.

Wie es sich für einen Teenie-Horrorfilm gehört, müssen die Jungs voll auf den Standardschönling zugeschnitten sein, um die Frauenwelt anzusprechen und die Mädchen am besten knappe Klamotten tragen und ab und an mal ihre Brüste in die Kamera halten. Schauspielerisch gibt es dementsprechend natürlich rein gar nichts Hochwertiges und Namen wie Johnny Pacar als Julian, Toby Hemingway als Quinn, Alessandra Torresani als Brianna und Ambyr Childers als Riley braucht man sich nicht merken, denn diese Gesichter werden einem nur noch in schlechten Produktionen entgegenlächeln. Aber vergessen dürfen wir nun auch nicht Christian Slater, der nicht nur kläglich verschenkt wurde, sondern auch noch das DVD/BLU-RAY-Cover schmücken wird, obwohl er maximal 10 Minuten im Bild ist. Er spielt den arroganten Sheriff Frank Lyons, der sich gerne die versteckten Aufnahmen aus der High-School-Umkleide der Mädchen ansieht, um sich zu masturbieren. Schade um Slater, sein Schauspiel ist hier zwar eigentlich gar nicht gegenwärtig, weil ihm keine Zeit gegeben wurde und der Film natürlich unter aller Kanone ist, doch wenn er im Bild ist, merkt man die Unterschiede, allein beim Charisma und Auftreten, extrem. Unterstrichen wird der Film von modernem Indie-Pop, elektronischen Verzerrungen und verklärten wie dröhnendem Melodien, die im Bass untergehen und nur Krach machen. Dazu gibt es noch flackernd-unscharfe Bilder, die die Aktivität und Authentizität der Shakycam verdeutlichen sollen, aber nach dem tausendsten schnellen und kratzemden Highspeed-Schnitt einfach nur die Nerven strapazieren.

Die Geschichte ist genauso dämlich wie sie einfältig ist. Ein Teenager bringt seine Familie um, ein anderer Teenager findet das Video vom Mord und der Geist des Mörders steigt um auf den anderen Teenager. Hier trifft eine äußerst fragwürdige ‚Ring‘-Kopie auf Found footage und lustlosen Teeniefilm. Aber auf keiner der Ebenen funktioniert ‚Playback‘ ansatzweise. Die Charaktere sind vollkommen substanzlos und weisen nicht mal im Bruchteil einer Sekunde irgendeine Tiefe auf. Genau wie die Geschichte, die uns immer mal wieder mit Überraschungen beglücken will, aber nach den ersten fünf Minuten bereits so durchsichtig ist wie ein leeres Glas. Und dann noch die Inszenierung von Regisseur Michael A. Nickles, die dilettantisch, pubertär und einfach nur lächerlich ist. Vollkommen trocken und dabei auch noch todernst trottet ‚Playback‘ sich von einer belanglosen Szene zur nächsten, wirft immer mal wieder die historischen Fakten ins Bild, lässt von Besessenheit, geheimnisvoll flimmernden Bildschirmen und dem Teufel faseln, während hier und da wieder ein nackter Frauenoberkörper durch die Kamera huschen darf. Wenn es dann mal brutal wird, muss das natürlich auch in Zeitlupe geschehen, denn die Faszination am Morden muss voll ausgekostet werden. Zum Ende will ‚Playback‘ dann mit einem unglaublichen Twist begeistern, der uns ein Wow ins Gesicht werfen soll, aber so unsortiert aufgefahren wird, das der eigentliche Schreck in der Vorhersehbarkeit des Streifens liegt. ‚Playback‘ ist in jeder Szene filmischer Unfug aus der untersten Schublade, der sich nach einer packenden Atmosphäre sehnt, den Zuschauer aber mit gähnender und zusammengeklauter Leere einpackt und sich irgendwann im Nachtprogramm von RTL II wiederfinden darf.

Fazit: Man kann Christian Slater wirklich nur wünschen, dass er sich in den nächsten Jahren wieder fangen wird, denn das Talent und die Sympathiepunkte hat er auf seiner Seite und so ein Schrott wie ‚Playback‘ wird ihm den eh schon zerstörten Ruf gänzlich zunichtemachen. Darüber hinaus ist ‚Playback‘ hirnloser, nerviger, unhaltbar wackeliger und nichtssagender Horrorquatsch nach Schema F, der von allen Seiten geklaut hat und seine „Vorbilder“ nicht im Ansatz kopieren kann. Seelenlos, öde, zusammengeschustert und mit Möchtegern-Schauspieler ausgestattet kann man ‚Playback‘ mit Fug und Recht in den Weiten des Videothekenregals verstauben lassen.