"The Expendables 3" (USA 2014) Kritik – Kinderquatsch mit Sly und Co.

Autor: Pascal Reis

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„Welcome to the 21st century.“

In Zeiten, in denen es der neuste Trend scheint, kolossale Materialschlachten aus dem Hochleistungscomputer auf die Leinwände zu projizieren und Comic-Helden oder Riesenroboter alles in Schutt und Asche legen zu lassen, hatte Sylvester Stallone mit seinem nostalgisch-verklärten Söldner-Actioner „The Expendables“ von 2010 angenehmes Kontrastprogramm in Bezug auf die vorherrschende Gigantomanie der kontemporären Kinolandschaft geboten: Hier gab es ruppige Hau-Drauf-Sequenzen, die nicht an Kinetik interessiert waren, sondern die den physischen Einschlag in geradliniger Old School-Manier in den Fokus rückten. „The Expendables“ hat den 1980er Jahren wie den frühen 1990er Jahren mit reichlich Hämoglobin im Schlepptau Tribut gezollt und den ehemaligen Recken wie Sylvester Stallone, Dolph Lundgren oder Arnold Schwarzenegger mal wieder die Chance gegeben, zurück nach Hause zukommen. „The Expendables 2“ setzte genau das fort, formierte einen noch größeren All-Star-Cast (Chuck Norris und Jean-Claude Van Damme stießen beispielsweise dazu) und wurde weitaus selbstironisch, was zuweilen haarscharf an einer gewissen Selbstgefälligkeit vorbeischrammte.

Es ist natürlich ungemein fesch, wenn man Arnold Schwarzenegger den legendären Satz „I’ll be back“ in den Mund legt und Bruce Willis ihm mit einem leicht genervten „You’ve been back enough!“ begegnet, um dem ehemaligen Gouverneur Chuck Norris dann mitten im Feuergefecht diese Frage unterbreiten zu lassen: „Who’s next? Rambo?“. Man muss nur wissen, wie, wo und wann man diese Meta-Gags einbringt und den schmalen Grat zwischen immenser Coolness und abstoßender Prätention unverwundet überquert. „The Expendables“ und „The Expendables 2“ haben das in unterhaltsamen Fasson geschafft und ihre Zielgruppe mit schroffer Brutalität und dem nötigen Witz bei Laune gehalten. Nun steht „The Expendables 3“ vor der Tür und das World Wide Web lief bereits Amok, als Sylvester Stallone verkünden ließ, dass der dritte Teil mit einem PG-13-Rating deklariert wird, um ein noch breiteres Publikum zu erreichen. Für Fans der Reihe eine Katastrophe, standen die „The Expendables“ doch immer noch für ein letztes Überbleibsel jener Ära, in der ein politisch-inkorrekter Tonfall gepflegt und Probleme mit Händen und Beinen, Stich- und Feuerwaffen geregelt wurden.

Doch es muss ja prinzipiell nichts Schlechtes heißen, wenn ein Action-Film seinen Blutanteil etwas herunterschraubt – Auch wenn es die Expendables sind. Es besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass Regisseur Patrick Hughes (der auch beim „The Raid“-Remake auf dem Regiestuhl Platz nehmen wird) herrlich handgemachte Action servieren wird, die vielleicht nicht ultrabrutal in Szene gesetzt wird, sich ihre physische Unmittelbarkeit dennoch wahren wird. Dem ist jedoch nicht so. „The Expendables 3“ – und das ist keine Untertreibung – ist eine Schande. Sowohl als alleinstehender Film, als auch als Mitglieder des Franchise, weil er die eigentlichen Ambitionen nachhaltig verrät und die Anhänger für blöd verkauft. Dabei macht das Opening – wenn auch mit furchtbarem CGI-Helikopter auffahrend – immerhin noch etwas her, wenn die Expendables um Barney Ross (Sylvester Stallone), Lee Christmas (Jason Statham), Toll Road (Randy Couture) und Gunner Jensen (Dolph Lundgren) den ehemaligen Expendable Surgeon (Wesley Snipes, der sich übrigens sehr gut in die Team einfügt) aus einem Gefängniszug befreien, was natürlich in einer deftigen Explosion endet.

Danach herrscht gewaltiger Stillstand. Hale Caesar (Terry Crews) wird verletzt und wenn sich Barney mit einem vertrauten Feind konfrontiert sieht, dem Ex-Expendable und Waffenhändler Conrad Stonebanks (Mel Gibson), trifft er sich mit Bonaparte (Kelsey Grammer), um neue Kombattanten zu rekrutieren. Hier erfolgt eine unsägliche Anbiederung an das jüngere Publikum, in dem „The Expendables 3“ sich eingesteht, dass er doch mit Traditionen brechen muss und einer neuen Generation Einzug in sein Universum gewähren muss. Ironischerweise sind diese (darunter Ronda Rousey, Victor Ortiz und Kellan Lutz) so unfassbar belanglos und anti-charismatisch, dass es hier selbstredend nicht ohne die alten Recken vonstattengehen kann. Allerdings hat sich noch eine andere Person in das Geschehen geschlichen, deren Performance wahrlich jenseits von Gut und Böse (und das ist negativ gemeint!) steht: Antonio Banderas als Galgo, ein unterbrochen plappernder, absolut unwitziger Zappelphilipp, der einfach nicht ins Team passt, egal wie viel Müll er auch in einer Minute quasseln kann. Ja, man merkt es schon, die Expendables lassen nicht nur durch ihre Blutarmut Federn, sie zerstören sich auch von innen heraus aus eigenem Antrieb.

Harrison Ford als Bruce Willis Ersatz macht seine Sache ganz ordentlich, ist aber am Ende des Tages auch nicht die Rede wert, genau wie „The Expendables 3“ es nicht mehr versteht, seine Figuren in den richtigen Momenten auftreten zu lassen und daher Leute wie Arnold Schwarzenegger und Jet Li permanent in den Seilen hängen. Aber kommen wir doch noch einmal auf den Aspekt zu sprechen, der in einem „Expendable“-Film die größte Relevanz trägt: Die Action. Keine Frage, es gibt vereinzelnd ansehnliche Augenblicke, die ein leichtes Schmunzeln unweigerlich entlocken, wenn zum Beispiel im Finale die dicken Panzer aufgefahren werden und ein Motorrad bis in den neunten Stock eines Hochhauses springt. Aber an und für sich ist die Action in „The Expendables 3“ ohne jeden Nachdruck manifestiert und so zerschnitten, dass, wenn sich eine Klimax anbahnt, der Film zur nächsten Szene springt und sich so jeden Funken haptisch-materialistischer Intensität negiert. Das mag in der Blu-ray-Version dann vielleicht anders aussehen und flüssiger abgewickelt werden, den rechten Dampf kitzelt das aus dem lahmarschigen „The Expendables 3“ aber sicher nicht heraus, dafür ist er zu inkohärent ineinander montiert und anbiedernd. Verständnis für energetischen Krachbum wird man jedenfalls auf allen Seiten vergeblich suchen.