Französischer Film

Cannes-Kritik: Crimes of the Future (CA/GRC/FR 2022)
Demnächst im Kino, Festival de Cannes, Französischer Film, Kritiken

Cannes-Kritik: Crimes of the Future (CA/GRC/FR 2022)

– gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 75. Internationalen Filmfestspiele von Cannes – Surgery is the new sex. Mit seiner Partnerin Caprice (Léa Seydoux) zeigt Saul Tenser (Viggo Mortensen), ein prominenter Performancekünstler, öffentlich bei operativen Eingriffen die in seinem Körper selbstgenerierten neuen Organe. Timlin (Kristen Stewart), eine Ermittlerin des National Organ Registry, verfolgt obsessiv die Vorstellungen. Zuvor allerdings sehen wir erst einmal einen Jungen an einer Küste spielen, im Hintergrund liegt ein Kreuzfahrtschiff im Meer, ähnlich dem nach der Katastrophe der Costa Concordia vor zehn Jahren. Der Junge wird von seiner Mutter zurück ins Haus gerufen und schnell wird dem Zuschauer klar, dass mit ihm etwas überhaupt nicht stimmt. Und tatsächlich, der Junge kan...
Kritik: Benedetta (FR 2021) – Paul Verhoevens Nonnensploitation
Drama, DVD & Bluray, Französischer Film, Kritiken

Kritik: Benedetta (FR 2021) – Paul Verhoevens Nonnensploitation

- gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes - Extraordinary accusations require extraordinary evidence. Wie gut kann ein Film schon sein, der mit pupsenden Nonnen in einem mittelalterlichen Kloster startet, die sich obendrein gegenseitig mit einem Dildo verwöhnen, der in eine hölzerne Madonnafigur geschnitzt ist? Das ist selbstverständlich vulgär. trashig und ein ziemlich unsubtiler Giftpfeil gegen religiöse Alltagsstrukturen. Doch in der neusten Regiearbeit des niederländischen Enfant Terrible Paul Verhoeven (Starship Troopers, Robocop*) sind das eigentlich nur Randnotizen, welche beim Publkum für schallendes Gelächter sorgen. Hinter all den Obszönitäten und der überspitzten Gewalt, die in Benedetta dargeboten wird, steckt jedoch wieder ei...
Streaming-Tipp: Betty Blue – 37.2 Grad am Morgen (FR 1986)
Französischer Film, Streaming

Streaming-Tipp: Betty Blue – 37.2 Grad am Morgen (FR 1986)

Road Movie Drama von Jean-Jacques Beineix mit Béatrice Dalle und Jean-Hugues Anglade >> bis zum 20. Februar 2022 könnt ihr euch die Kinofassung in der arte Mediathek anschauen, noch deutlich sehenswerter ist jedoch der dreistündige Director's Cut (erhältlich auf Blu-ray*) I hear the voices in my head. Um was es geht: Zorg arbeitet als Hausmeister in einer abgeschiedenen Feriensiedlung an der französischen Küste. Er lebt ein einfaches, zufriedenes Leben, geht seiner Arbeit nach und träumt von einer Karriere als Autor. Eines Tages tritt Betty in sein Leben . schön, wild und unberechenbar. Als ihr Verhalten im Laufe der Zeit jedoch immer unkontrollierbarere Züge annimmt, muss Zorg mit ansehen, wie die Frau, die er unendlich liebt, immer mehr dem Wahnsinn verfällt. Meine Meinung...
Kritik: Titane (FR 2021) – Julia Ducournaus Crash
Drama, DVD & Bluray, Französischer Film, Kritiken

Kritik: Titane (FR 2021) – Julia Ducournaus Crash

– gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes – Das junge Mädchen Alexia verliert bei einem von ihrem Vater verursachten Autounfall fast ihr Leben. Nach der lebensrettenden Operation muss sie fortan mit einer Titanplatte in ihrem Kopf leben. So viel Introduktion gibt Julia Ducournau noch in ihrer nur schwer zu greifenden zweiten Regiearbeit, welche viel mehr in eine Midnight Madness Sektion passen würde, als in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Doch genau im dortigen Programm ist Titane gelandet, und das nicht ganz grundlos. Es ist der bisher mutigste Film des Jahres, ein ebenso erschütternder wie bewegender Cocktail aus Körperhorror, Rock and Roll und neonfarbenen Welten, der darüber hinaus aber einiges über das 21. Jahrhundert zu sag...
Kritik: The French Dispatch (US / FR 2021)
Französischer Film, Im Kino, Komödie, Kritiken

Kritik: The French Dispatch (US / FR 2021)

– gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes – Je weiter das diesjáhrige Cannes Filmfestival voranschreitet, desto mehr häufen sich die Enttäuschungen an, und das nicht nur in den ersten Tagen mit Leos Carax' Annette und Andrea Arnolds Cow (zu den beiden habe ich hier bereits etwas geschrieben). Seitdem habe ich beispielsweise auch eine der filmischen Gurken des Jahres (Sean Penns Flag Day), das uninteressante finnische Roadtripdrama (in dem der Desireless-Song "Voyage Voyage" gefühlt in Dauerschleife läuft und trotzdem das Beste am Film ist) und Nanni Morettis nicht enden wollenden Three Floors (dieser erzählt unvergleichbar ermüdend von drei Familien, die im selben Gebäude in Rom wohnen) gesehen. Doch wie sieht es nun eigentlich mit dem lan...
Kurzfilm-Tipp: Junior (FR 2011) – Julia Ducournaus Regiedebüt
Französischer Film, Kritiken, Kurzfilme

Kurzfilm-Tipp: Junior (FR 2011) – Julia Ducournaus Regiedebüt

>> Mehr Kurzfilm-Tipps << Julia Ducournau hat mit nur zwei Langfilmen ihre Spur im internationalen Arthouse-Kino hinterlassen. Verdient wurde sie dieses Jahr folglich mit der Goldenen Palme in Cannes für ihren intelligenten Filmrausch Titane (aktuell im Kino) geehrt. Zuvor macht die französische Regisseurin 2016 mit dem Horrorfilm Raw von sich reden. Mittlerweile zehn Jahre alt ist wiederum ihr Regiedebüt, der Kurzfilm Junior, in welchem Garance Marillier (die bisher in allen drei Filmen eine wichtige Rolle spielte) die erst 13 Jahre alte Justine verkörpert, deren Körper eines Tages eine absonderliche Metamorphose durchmacht. Der Film ist eine als Körperhorror getarnte Metapher für den Übergang von der Kindheit in die Jugend und zeigt bereits einige der Stärken, die auch...
Venedig 2021: L’Événement – Der Gewinner des goldenen Löwen
Festivals, Französischer Film, Kritiken

Venedig 2021: L’Événement – Der Gewinner des goldenen Löwen

– gesehen im Rahmen der 78. Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2021 – Der Gewinner des diesjährigen Goldenen Löwen steht fest. Und wie schon in Cannes gewinnt auch in Venedig dieses Jahr ein Film von einer französischen Regisseurin den Hauptpreis. Es ist  Der Niemals Selten Manchmal Immer* des französischen Kinos, jedoch setzt Audrey Diwan seine Zuschauer*innen in die 60er Jahre zurück, als es ungewollt schwanger gewordenen Frauen noch verboten war Abtreibungungen durchführen zu lassen. Herausgekommen ist ein wirklich exzellenter Coming-of-Age-Film, der inbesondere dank Anamaria Vartolomeis einnehmenden Schauspiels begeistert. Mit ihrer Darstellung der Studentin Anne vermittelt Vartolomei bewegend und glaubhaft die Einsamkeit junger, unfreiwillig schwanger gewordener Frauen....
Kritik: Der Chef (FR 1972) – Der letzte Melville neu auf Blu-ray
DVD & Bluray, Französischer Film, Krimi, Kritiken, Thriller

Kritik: Der Chef (FR 1972) – Der letzte Melville neu auf Blu-ray

Finden Sie das anständig? Die Schwächen fremder Menschen auszunutzen und sie zu bestehlen? Irgendwann kommt für jeden die Zeit der Trennung. Leider fragt das Schicksal dabei niemanden, ob man mit dieser Trennung einverstanden ist oder nicht. Aber wer würde diese Frage schon mit "Ja" beantworten? Vor allem, wenn es um das geniale Duo Jean-Pierre Melville und Alain Delon geht? Niemand. Zwei Jahre nach dem Krimimeisterwerk Vier im roten Kreis erleben wir 1972 mit Der Chef die letzte Zusammenarbeit der französischen Legenden. Melville inszeniert einen gewohnt hochspannenden Krimi mit einem verboten coolen Alain Delon in der Hauptrolle. Wie von einem Film von Jean-Pierre Melville gewohnt, ist Der Chef optisch perfekt: Trostlose und frostige Bilder mit feinem Blauton unterstrichen und perfek...
Kurzfilm-Tipp: Ein andalusischer Hund (FR 1929) – Der Ursprung des filmischen Surrealismus
Französischer Film, Kritiken, Kurzfilme

Kurzfilm-Tipp: Ein andalusischer Hund (FR 1929) – Der Ursprung des filmischen Surrealismus

Der Ursprung des filmischen Surrealismus. Ein andalusischer Hund, der 1929 seine Uraufführung in Paris feierte, ging als erster Skandalfilm in die Kinogeschichte ein und prägte das Horror- und Fantasykino nachhaltig. Auch heute noch hat Luis Buñuels Avantgardefilm nichts von seiner Kraft verloren und schafft es, fast ein Jahrhundert später, immer noch die Leute ohne Halt in seinen völlig eigenwilligen, aber doch so anziehenden Bann zu reißen. Luis Buñuel wollte hier einen seiner Träume und einen Traum des Künstlers Salvador Dali verfilmen und verweben. Ab hier enthält der Text Spoiler, am besten ihr schaut euch daher zuerst unten den Film an. Die berühmte Anfangsszene, in der einem Mädchen mit einem Rasiermesser das Auge durchtrennt wird, gehört zu den unvergesslichsten Momenten der Fi...
Kurzfilm-Tipp: Die Reise zum Mond und mehr Méliès-Shorts bei arte
Französischer Film, Kritiken, Kurzfilme

Kurzfilm-Tipp: Die Reise zum Mond und mehr Méliès-Shorts bei arte

Cinema will perhaps have to wait centuries more before finding another genius whose childlike soul will, like Méliès, make light of its phantasmagorias. — Henri Langlois Der erste Science Fiction der Filmgeschichte, ein revolutionäres Kunstwerk aus dem Jahr 1902. Und heute kann man darüber schmunzeln und sich köstlich amüsieren – über die Puff-Effekte, den wunderbaren Soundtrack und den Charme. Das sind wahrlich zehn Minuten, die jeder Filmfan mal gesehen haben sollte, denn Die (fantastische!) Reise zum Mond von Georges Méliès ist ein prägendes Stück Kinogeschichte. (Auf Youtube könnt ihr euch kostenfrei den Kurzfilm anschauen.) Aber nicht nur mit die Reise zum Mond machte sich der Franzose George Méliès einen Namen als Erfinder der Spezialeffekte und subtilen Filmmechanismen. Zwis...