Französischer Film

Kritik: Außer Atem (FR 1960) – Godards Nouvelle Vague Meisterwerk jetzt in 4K
Drama, Französischer Film, Heimkino, Kritiken

Kritik: Außer Atem (FR 1960) – Godards Nouvelle Vague Meisterwerk jetzt in 4K

Nach was streben Sie in Ihrem Leben am meisten? - Nach Unsterblichkeit. Unsterblich werden und dann sterben. Was ist Liebe...? Eine Illusion? Ein nicht endender Dialog? Eine Strafe? Mit seinem ersten Werk in Spielfilmlänge schrieb Jean-Luc Godard 1960 Filmgeschichte. Seine Erzähltechnik mit Hilfe der Jump Cuts garantiert ein bis heute nur selten dagewesenes Tempo. Keine Sekunde scheint zu langweilen, kein Dialog überflüssig. Was allerdings wäre "À bout de souffle" ohne den um sein Leben spielenden Jean-Paul Belmondo und ohne Jean Seberg, die einen Charme und eine Präsenz an den Tag legen, welches ich bis heute kaum in dieser Ausprägung erlebt habe? Jean-Luc Godard liefert uns natürlich mehr als genug Gründe, warum man den Film auch hassen könnte. Erzählt "À bout de souffle" nur ei...
Kritik: Vier im roten Kreis (FR 1970) – Melvilles Opus Magnum jetzt in 4K
Französischer Film, Krimi, Kritiken, Thriller

Kritik: Vier im roten Kreis (FR 1970) – Melvilles Opus Magnum jetzt in 4K

Sie kommen unschuldig auf die Welt, aber sie bleiben es nicht. Heute war es wieder soweit. Ich habe mich auf die Reise direkt in das Jahr 1970 begeben. Alleine war ich zum Glück nicht. Ich hatte gute alte Bekannte dabei. Bekannte, auf die ich mich immer verlassen konnte. Bekannte, die es immer wieder schaffen, mich glücklich zu machen und restlos zu begeistern: Regisseur Jean-Pierre Melville und Schauspieler Alain Delon, die schon bei anderen Meilensteinen des Film Noir, wie Der eiskalte Engel, zusammengearbeitet haben. Zwei prägende Gesichter der französischen Filmkunst und zwei der besten in ihrem Fach. Wie erwähnt, begab ich mich ins Jahr 1970 und damit ist klar, dass die Rede vom Thriller Vier im roten Kreis ist. Und wenn die beiden einen Film zusammen machen, kommt dabei, wie k...
Kritik: Irreversibel (FR 2002) – Gefangen zwischen Schmerz und Sinnlosigkeit
Drama, Französischer Film, Kritiken

Kritik: Irreversibel (FR 2002) – Gefangen zwischen Schmerz und Sinnlosigkeit

Willst du dich rächen oder willst du, dass er in den Knast kommt? Nach seiner provokanten und extremen Gesellschaftskritik Menschenfeind setzte Regisseur Gaspar Noé mit Irreversibel 2002 genau auf diesem Härtelevel wieder an und schleuderte uns einen Film entgegen, der den Zuschauer genau da erwischt, wo es ihn am meisten schmerzt. Und dieser Schmerz bleibt. Die Kameraarbeit von Benoît Debie beginnt absolut irre, anstrengend und äußerst eigenwillig. Das Bild dreht sich unaufhaltsam in alle Richtungen und treibt den Zuschauer in wahre Schwindelgefühle. Doch je näher wir dem Anfang kommen, desto ruhiger werden auch die Aufnahmen. Der Soundtrack von Irreversibel ist nicht minder gewöhnungsbedürftig. Thomas Bangaltes Musik dröhnt und brennt sich in die Köpfe und lässt nicht nur einmal Gäns...
Trailer: The Complete Films of Agnès Varda Collection
Französischer Film, Trailer

Trailer: The Complete Films of Agnès Varda Collection

Die Mitbegründerin der Nouvelle Vague (La pointe courte, Mittwoch zwischen 5 und 7, Glück aus dem Blickwinkel des Mannes*) hat bis zuletzt zu ihrem Tod (1928 - 2019) jahrzehntelang den europäischen Film und gelegentlich auch das amerikanische (Independent-)Kino (Black Panthers, Mauerbilder) wie keine zweite Regisseurin mitbestimmt. Zuletzt zu verdanken haben wir ihr das Dokumeisterwerk Augenblicke: Gesichter einer Reise und ihren letzten, ebenfalls sehr sehenswerten Film Varda by Agnès. Criterion Collection US widment sich nun dem unvergesslichen Schaffen der Französin in einer 39 Filme umfassenden Collection, die jedem Cineasten das Herz höher schlagen lassen dürfte. Der Trailer sorgt für Vorfreude, sich bald diese einmalige Criterion Collection ins eigene Regal stellen zu dürfen. Nach...
Klassiker-Kritik: Letztes Jahr in Marienbad (FR 1961)
Alain Resnais, Drama, Filme, Französischer Film, Kritiken, Regisseure, Retro, Slider

Klassiker-Kritik: Letztes Jahr in Marienbad (FR 1961)

Empty salons. Corridors. Salons. Doors. Doors. Salons. Empty chairs, deep armchairs, thick carpets. Heavy hangings. Stairs, steps. Steps, one after the other. Glass objects, objects still intact, empty glasses. A glass that falls, three, two, one, zero. Glass partition, letters. 1961 erreichte das (französische) Kino einen eigensinnigen Höhepunkt. Einen Versuch, das Drama mit der Avantgarde zu verbinden. Ein filmisches Experiment, welches die damaligen Kritiker in zwei Lager teilte und nichtsdestotrotz den Goldenen Löwen in Venedig gewann. Ein Mann und eine Frau, gekleidet in stilvoller Abendgarderobe. Kamerafahrten durch ein prunkvolles Schloss, untermalt von den penetranten Klängen einer Orgel. Eine Männerstimme setzt ein, ergeht sich in ständigen Wiederholungen. Die Exposition von Le...
Kritik: Revenge (FR 2017)
Filme, Französischer Film, Heimkino, Kritiken, Thriller

Kritik: Revenge (FR 2017)

Bereits der Titel von Coralie Fargeats Filmdebüt wirkt wie das reduzierte Destillat eines ganzen Subgenres, das auf eines seiner essentiellen Kernelemente heruntergebrochen werden soll. Mit Revenge wagt sich die französische Regisseurin in das Rape-and-Revenge-Genre. Jene vorwiegend von männlichen Regisseuren in den 70er Jahren dominierte Abwandlung des Exploitationfilms, bei der der weibliche Körper auf brutale Weise missbraucht wird, um anschließend mithilfe kathartischer Racheakte wieder einen Funken Leben in sich spüren zu können. Subversiv inszeniert die Regisseurin ihr Werk dabei von Anfang an insofern entgegen den üblichen Konventionen des Subgenres, indem die weibliche Hauptfigur Jen ab der ersten Szene, in der sie von der Kamera eingefangen wird, als laszives Lustsymbol sowie un...
Kritik: Ghostland (FR/CA 2018)
Filme, Französischer Film, Horror, Kritiken, Slider

Kritik: Ghostland (FR/CA 2018)

„They broke me. And now they’re playing with you.“ Mit seinem höchst umstrittenen Werk Martyrs schuf Regisseur Pascal Laugier eine Art konsequenten Endpunkt der grob zwischen 2003 und 2008 kursierten Terrorfilm-Welle aus Frankreich. Neben bekannten Vertretern wie High Tension oder Frontier(s) führte Laugier das Ausmaß des psychisch sowie physisch erfahrbaren Terrors geradezu in neue Dimensionen, indem er nichts weniger als die vollständige Transzendenz innerhalb des filmischen Mediums anstrebte. Anhand der Philosophie von Bataille und de Sade entwarf der Regisseur nicht nur einen unvergleichlichen Terrorfilm, der explizite Extreme auslotete, sondern eine grenzüberschreitende Auseinandersetzung mit der Leidensfähigkeit des Menschen. In der Geschichte des Films wird dieser in Gestalt...
Kritik: Personal Shopper (FR 2016)
Filme, Französischer Film, Heimkino, Horror, Kritiken

Kritik: Personal Shopper (FR 2016)

Du musst dich von Lewis befreien. Die wenigsten Horrorfilme kommen ohne Rückgriffe auf ihre Vergangenheit aus. Das Böse, genauso wie das Gute, sind im klassischen Weltbild des Genres ursprüngliche Kräfte. So ursprünglich, dass ihre Existenz womöglich der Welt vorausgegangen sein muss. Etwas sehr altes erwacht. Vielleicht kann es auch gar nicht sterben und plagt nun die Lebenden? So sind die Figuren in diesen Filme oft gezwungen ihre gewohnte, zeitgenössische Umgebung zu verlassen und Orte der Vergangenheit zu besuchen, um das Böse, das an diesen Orten seit langer Zeit haust, schlussendlich zu vertreiben. Dieses sehr einfache Muster ist für den Geisterhorror seit jeher und bis heute mehr oder weniger die Blaupause geblieben. Immer wieder können die bösen Geister nur besiegt werden, w...
Kritik: Alles was kommt (FR 2016)
Drama, Französischer Film, Kritiken

Kritik: Alles was kommt (FR 2016)

Manchmal habe ich das Gefühl, uns Frauen ab 40 kann man auf den Müll werfen. Wahrscheinlich stimmt es, wenn einige Intelligenzblätter, auch über den nationalen Rand hinaus, schreiben, dass Isabelle Huppert (Die Klavierspielerin) die wohl größte französische Schauspielerin ist, die das internationale Kino momentan aufzuweisen hat. Mit Sicherheit wird sich die Frau, die Cineasten zuletzt mit ihrem Auftritt in Paul Verhoevens Elle erneut zu orgiastischen Wallungen verhelfen konnte, irgendwann in die Ahnenreihe zu Ikonen wie Jeanne Moreau, Brigitte Bardot oder Jean Seberg gesellen, schon längst nämlich ist die gebürtige Pariserin zur Grande Dame avanciert. Ihre zierliche Positur suggeriert eine Zerbrechlichkeit, die Huppert oftmals mit einer trotzköpfigen Hartnäckigkeit flankiert, mit g...
Kritik: Die feine Gesellschaft (FR 2016)
Französischer Film, Komödie, Krimi, Kritiken

Kritik: Die feine Gesellschaft (FR 2016)

Niemals werde ich mich an die Schönheit dieser Landschaft gewöhnen! Der Franzose Bruno Dumont (Humanität) ist ohne Frage einer der mit Abstand interessantesten Filmemacher, die das qualitativ hoch kompetitive, gegenwärtige französische Kino hervorgebracht hat. Philosoph, Poet, Gesellschaftsanalytiker und Meister des Kinos der Absurditäten sowie des abstrusen Humors – Bruno Dumont vereint in seinen Filmen viele Qualitäten in seinem ungewöhnlich-außergewöhnlichen Erzählstil. Dumont prägte hierbei beispielsweise so sehr, wie nur wenige seiner ebenfalls umstrittenen Kollegen, darunter Gaspar Noé (Irreversibel) oder der frühe Francois Ozon (Criminal Lovers), das sogenannte “Cinéma du corps” (Kino der Körper). Besonders auf die Spitze trieb Dumont all das 2003 in seinem naturalistischen...