Französischer Film

Kurzfilm-Tipp: Junior (FR 2011) – Julia Ducournaus Regiedebüt
Französischer Film, Kritiken, Kurzfilme

Kurzfilm-Tipp: Junior (FR 2011) – Julia Ducournaus Regiedebüt

>> Mehr Kurzfilm-Tipps << Julia Ducournau hat mit nur zwei Langfilmen ihre Spur im internationalen Arthouse-Kino hinterlassen. Verdient wurde sie dieses Jahr folglich mit der Goldenen Palme in Cannes für ihren intelligenten Filmrausch Titane (aktuell im Kino) geehrt. Zuvor macht die französische Regisseurin 2016 mit dem Horrorfilm Raw von sich reden. Mittlerweile zehn Jahre alt ist wiederum ihr Regiedebüt, der Kurzfilm Junior, in welchem Garance Marillier (die bisher in allen drei Filmen eine wichtige Rolle spielte) die erst 13 Jahre alte Justine verkörpert, deren Körper eines Tages eine absonderliche Metamorphose durchmacht. Der Film ist eine als Körperhorror getarnte Metapher für den Übergang von der Kindheit in die Jugend und zeigt bereits einige der Stärken, die auch...
Kritik: Titane (FR 2021) – Julia Ducournaus Crash
Drama, Französischer Film, Im Kino, Kritiken

Kritik: Titane (FR 2021) – Julia Ducournaus Crash

– gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes – Das junge Mädchen Alexia verliert bei einem von ihrem Vater verursachten Autounfall fast ihr Leben. Nach der lebensrettenden Operation muss sie fortan mit einer Titanplatte in ihrem Kopf leben. So viel Introduktion gibt Julia Ducournau noch in ihrer nur schwer zu greifenden zweiten Regiearbeit, welche viel mehr in eine Midnight Madness Sektion passen würde, als in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Doch genau im dortigen Programm ist Titane gelandet, und das nicht ganz grundlos. Es ist der bisher mutigste Film des Jahres, ein ebenso erschütternder wie bewegender Cocktail aus Körperhorror, Rock and Roll und neonfarbenen Welten, der darüber hinaus aber einiges über das 21. Jahrhundert zu sag...
Kritik: Der Chef (FR 1972) – Der letzte Melville neu auf Blu-ray
DVD & Bluray, Französischer Film, Krimi, Kritiken, Thriller

Kritik: Der Chef (FR 1972) – Der letzte Melville neu auf Blu-ray

Finden Sie das anständig? Die Schwächen fremder Menschen auszunutzen und sie zu bestehlen? Irgendwann kommt für jeden die Zeit der Trennung. Leider fragt das Schicksal dabei niemanden, ob man mit dieser Trennung einverstanden ist oder nicht. Aber wer würde diese Frage schon mit "Ja" beantworten? Vor allem, wenn es um das geniale Duo Jean-Pierre Melville und Alain Delon geht? Niemand. Zwei Jahre nach dem Krimimeisterwerk Vier im roten Kreis erleben wir 1972 mit Der Chef die letzte Zusammenarbeit der französischen Legenden. Melville inszeniert einen gewohnt hochspannenden Krimi mit einem verboten coolen Alain Delon in der Hauptrolle. Wie von einem Film von Jean-Pierre Melville gewohnt, ist Der Chef optisch perfekt: Trostlose und frostige Bilder mit feinem Blauton unterstrichen und perfek...
Cannes-Kritik: The French Dispatch (US / FR 2021)
Demnächst im Kino, Festivals, Französischer Film, Komödie, Kritiken

Cannes-Kritik: The French Dispatch (US / FR 2021)

– gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes – Je weiter das diesjáhrige Cannes Filmfestival voranschreitet, desto mehr häufen sich die Enttäuschungen an, und das nicht nur in den ersten Tagen mit Leos Carax' Annette und Andrea Arnolds Cow (zu den beiden habe ich hier bereits etwas geschrieben). Seitdem habe ich beispielsweise auch eine der filmischen Gurken des Jahres (Sean Penns Flag Day), das uninteressante finnische Roadtripdrama (in dem der Desireless-Song "Voyage Voyage" gefühlt in Dauerschleife läuft und trotzdem das Beste am Film ist) und Nanni Morettis nicht enden wollenden Three Floors (dieser erzählt unvergleichbar ermüdend von drei Familien, die im selben Gebäude in Rom wohnen) gesehen. Doch wie sieht es nun eigentlich mit dem lan...
Cannes-Kritik: Benedetta (FR 2021) – Paul Verhoevens Nonnensploitation
Demnächst im Kino, Drama, Festivals, Französischer Film, Kritiken

Cannes-Kritik: Benedetta (FR 2021) – Paul Verhoevens Nonnensploitation

- gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes - Extraordinary accusations require extraordinary evidence. Wie gut kann ein Film schon sein, der mit pupsenden Nonnen in einem mittelalterlichen Kloster startet, die sich obendrein gegenseitig mit einem Dildo verwöhnen, der in eine hölzerne Madonnafigur geschnitzt ist? Das ist selbstverständlich vulgär. trashig und ein ziemlich unsubtiler Giftpfeil gegen religiöse Alltagsstrukturen. Doch in der neusten Regiearbeit des niederländischen Enfant Terrible Paul Verhoeven (Starship Troopers, Robocop*) sind das eigentlich nur Randnotizen, welche beim Publkum für schallendes Gelächter sorgen. Hinter all den Obszönitäten und der überspitzten Gewalt, die in Benedetta dargeboten wird, steckt jedoch wieder ei...
Kurzfilm-Tipp: Ein andalusischer Hund (FR 1929) – Der Ursprung des filmischen Surrealismus
Französischer Film, Kritiken, Kurzfilme

Kurzfilm-Tipp: Ein andalusischer Hund (FR 1929) – Der Ursprung des filmischen Surrealismus

Der Ursprung des filmischen Surrealismus. Ein andalusischer Hund, der 1929 seine Uraufführung in Paris feierte, ging als erster Skandalfilm in die Kinogeschichte ein und prägte das Horror- und Fantasykino nachhaltig. Auch heute noch hat Luis Buñuels Avantgardefilm nichts von seiner Kraft verloren und schafft es, fast ein Jahrhundert später, immer noch die Leute ohne Halt in seinen völlig eigenwilligen, aber doch so anziehenden Bann zu reißen. Luis Buñuel wollte hier einen seiner Träume und einen Traum des Künstlers Salvador Dali verfilmen und verweben. Ab hier enthält der Text Spoiler, am besten ihr schaut euch daher zuerst unten den Film an. Die berühmte Anfangsszene, in der einem Mädchen mit einem Rasiermesser das Auge durchtrennt wird, gehört zu den unvergesslichsten Momenten der Fi...
Kurzfilm-Tipp: Die Reise zum Mond und mehr Méliès-Shorts bei arte
Französischer Film, Kritiken, Kurzfilme

Kurzfilm-Tipp: Die Reise zum Mond und mehr Méliès-Shorts bei arte

Cinema will perhaps have to wait centuries more before finding another genius whose childlike soul will, like Méliès, make light of its phantasmagorias. — Henri Langlois Der erste Science Fiction der Filmgeschichte, ein revolutionäres Kunstwerk aus dem Jahr 1902. Und heute kann man darüber schmunzeln und sich köstlich amüsieren – über die Puff-Effekte, den wunderbaren Soundtrack und den Charme. Das sind wahrlich zehn Minuten, die jeder Filmfan mal gesehen haben sollte, denn Die (fantastische!) Reise zum Mond von Georges Méliès ist ein prägendes Stück Kinogeschichte. (Auf Youtube könnt ihr euch kostenfrei den Kurzfilm anschauen.) Aber nicht nur mit die Reise zum Mond machte sich der Franzose George Méliès einen Namen als Erfinder der Spezialeffekte und subtilen Filmmechanismen. Zwis...
Kritik: Irreversibel (FR 2002) – Gefangen zwischen Schmerz und Sinnlosigkeit
Drama, Französischer Film, Kritiken

Kritik: Irreversibel (FR 2002) – Gefangen zwischen Schmerz und Sinnlosigkeit

Willst du dich rächen oder willst du, dass er in den Knast kommt? Nach seiner provokanten und extremen Gesellschaftskritik Menschenfeind setzte Regisseur Gaspar Noé mit Irreversibel 2002 genau auf diesem Härtelevel wieder an und schleuderte uns einen Film entgegen, der den Zuschauer genau da erwischt, wo es ihn am meisten schmerzt. Und dieser Schmerz bleibt. Die Kameraarbeit von Benoît Debie beginnt absolut irre, anstrengend und äußerst eigenwillig. Das Bild dreht sich unaufhaltsam in alle Richtungen und treibt den Zuschauer in wahre Schwindelgefühle. Doch je näher wir dem Anfang kommen, desto ruhiger werden auch die Aufnahmen. Der Soundtrack von Irreversibel ist nicht minder gewöhnungsbedürftig. Thomas Bangaltes Musik dröhnt und brennt sich in die Köpfe und lässt nicht nur einmal Gäns...
Kritik: Vier im roten Kreis (FR 1970) – Melvilles Opus Magnum
Französischer Film, Krimi, Kritiken, Thriller

Kritik: Vier im roten Kreis (FR 1970) – Melvilles Opus Magnum

Sie kommen unschuldig auf die Welt, aber sie bleiben es nicht. Heute war es wieder soweit. Ich habe mich auf die Reise direkt in das Jahr 1970 begeben. Alleine war ich zum Glück nicht. Ich hatte gute alte Bekannte dabei. Bekannte, auf die ich mich immer verlassen konnte. Bekannte, die es immer wieder schaffen, mich glücklich zu machen und restlos zu begeistern: Regisseur Jean-Pierre Melville und Schauspieler Alain Delon, die schon bei anderen Meilensteinen des Film Noir, wie Der eiskalte Engel, zusammengearbeitet haben. Zwei prägende Gesichter der französischen Filmkunst und zwei der besten in ihrem Fach. Wie erwähnt, begab ich mich ins Jahr 1970 und damit ist klar, dass die Rede vom Thriller Vier im roten Kreis ist. Und wenn die beiden einen Film zusammen machen, kommt dabei, wie k...
Kritik: Außer Atem (FR 1960) – Godards Nouvelle Vague Meisterwerk jetzt in 4K
Drama, Französischer Film, Heimkino, Kritiken

Kritik: Außer Atem (FR 1960) – Godards Nouvelle Vague Meisterwerk jetzt in 4K

Nach was streben Sie in Ihrem Leben am meisten? - Nach Unsterblichkeit. Unsterblich werden und dann sterben. Was ist Liebe...? Eine Illusion? Ein nicht endender Dialog? Eine Strafe? Mit seinem ersten Werk in Spielfilmlänge schrieb Jean-Luc Godard 1960 Filmgeschichte. Seine Erzähltechnik mit Hilfe der Jump Cuts garantiert ein bis heute nur selten dagewesenes Tempo. Keine Sekunde scheint zu langweilen, kein Dialog überflüssig. Was allerdings wäre "À bout de souffle" ohne den um sein Leben spielenden Jean-Paul Belmondo und ohne Jean Seberg, die einen Charme und eine Präsenz an den Tag legen, welches ich bis heute kaum in dieser Ausprägung erlebt habe? Jean-Luc Godard liefert uns natürlich mehr als genug Gründe, warum man den Film auch hassen könnte. Erzählt "À bout de souffle" nur ei...