Drama

Kritik zu „Der Fremde“: François Ozons Neuverfilmung des Camus-Klassikers
Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken, Französischer Film, La Biennale di Venezia

Kritik zu „Der Fremde“: François Ozons Neuverfilmung des Camus-Klassikers

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 2. September 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. Neuverfilmung des Camus-Klassikers: Der Fremde von François Ozon Der Fremde (L’Étranger), erschienen 1942, ist ein Roman des französischen Autors Albert Camus, der zu einem Eckpfeiler des Existenzialismus wurde. François Ozon (Swimming Pool, Frantz) präsentiert nun auf den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig seine Neuverfilmung der Jahrhundertgeschichte. Im Mittelpunkt steht Meursault (Benjamin Voisin) - dessen Gleichgültigkeit zum Leben umgibt ihn wie eine unsichtbare Rüstung. Liebe, Natur, Tier, Mensch, Leben, Tod - alles ist unbedeutend in seinem Leben. Symbolisch geht es um die Absurdität des Lebens und zwei zentrale Fragen: Wie lebt man in einer sinnlos...
Kritik zu „Therapie für Wikinger“: Mads Mikkelsen als John-Lennon-liebender Sonderling
Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken, Komödie, La Biennale di Venezia

Kritik zu „Therapie für Wikinger“: Mads Mikkelsen als John-Lennon-liebender Sonderling

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 30. August 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. Mads Mikkelsen als John-Lennon-liebender Sonderling: Therapie für Wikinger von Anders Thomas Jensen Anders Thomas Jensen (Helden der Wahrscheinlichkeit und zuletzt King’s Land) präsentiert auf den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig sein neuestes Werk Therapie für Wikinger. Es mag wie ein Wikingerfilm klingen - und dies wäre nach dem Historiendrama King’s Land gar nicht so abwegig - jedoch handelt es sich um ein modernes Familiendrama über männliche Vergangenheitsbewältigung. Auch wenn die Risse in der menschlichen Seele offengelegt werden und es düster wird - ganz im Geiste Jensen - gab es bis dato keinen anderen Film auf dem Filmfestival, der so viel Geläch...
Kritik zu „Land der schwarzen Sonne“: erstmals auf Blu-ray
Abenteuer, Aktuelle Filmnews, Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken

Kritik zu „Land der schwarzen Sonne“: erstmals auf Blu-ray

Kritik von Marc Trappendreher Expedition ins Innere: Land der Schwarzen Sonne von Bob Rafelson Mit dem Blu-ray-Release von Bob Rafelsons Land der schwarzen Sonne (Mountains of the Moon, USA 1990) durch Camera Obscura erfährt ein Film seine längst überfällige Wiederentdeckung, ein Film, der sich stets quer zu den Erwartungen seines Genres stellte und das Abenteuergenre gleichsam von innen heraus dekonstruiert. Im Zentrum stehen zwei reale Figuren der britischen Entdeckungsgeschichte: Sir Richard Francis Burton und John Hanning Speke. Mitte des 19. Jahrhunderts brechen sie auf, um die Quelle des Nils zu finden – ein Unterfangen, das nicht nur geographisch, sondern auch menschlich in unbekanntes Terrain führt. Schon früh wird deutlich, dass Land der schwarzen Sonne weniger an d...
Kritik zu „Sentimental Value“: Ein Geniestreich von Joachim Trier
Drama, DVD & Bluray, Festival de Cannes, Filmkritiken

Kritik zu „Sentimental Value“: Ein Geniestreich von Joachim Trier

Kritik von Philippe Paturel – erstmals zu lesen am 25. Mai 2025, gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 78. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Wenn der Lärm der Eltern verschwindet: Joachim Triers Familienchronik Sentimental Value Die Kamera gleitet über die klare, kühle Schönheit der Osloer Skyline. Schnitt. Nun nähert sie sich einem idyllischen Haus, fährt langsam an dessen Fassaden entlang und zeigt schließlich vereinzelt Fragmente aus dem Leben einer vierköpfigen Familie: wie die Streitereien zwischen den Eltern, bevor der Vater schließlich seine Frau und die beiden Töchter für immer verlässt. Mit seinem Weggang kehrt zwar Ruhe ein, doch zugleich auch eine Leere, die das Haus erfüllt – und das Leben der Schwestern fortan prägen wird. Aus dieser Annäherung heraus entfaltet Jo...
Kritik zu „Alpha“: Der neue Filmrausch von Julia Ducournau
Aktuelle Filmnews, Drama, Festival de Cannes, Filmkritiken, Französischer Film, Im Kino

Kritik zu „Alpha“: Der neue Filmrausch von Julia Ducournau

Kritik von Hendrik Warnke – erstmals zu lesen am 16. Januar 2026. Unmögliche Aufarbeitung: Alpha von Julia Ducournau Alpha ist ein Flop, so weit kann man wohl schon gehen. Einerseits finanziell: Mit rund 820.000 Euro Einspielererlös an den französischen Kinokassen hinkt er nicht nur Julia Ducournaus hervorragendem Debüt Raw hinterher, er schafft es  auch gerade einmal auf rund ein Drittel des Einspielergebnisses von Ducournaus letztem Film, dem Palme d’Or-Gewinner Titane. Und andererseits auch in der öffentlichen Meinung: Eine 5,9 auf IMDb, 6,4 auf Letterboxd, 56 % auf Rotten Tomatoes und unter den größten Enttäuschungen des Jahres vieler Kritiker*innen. „Mit Abstand ihr schlechtester Film. […] Ständig dreht sie sich im Kreis, bis das letzte bisschen Publikumsinteresse aus dem Kino ged...
Kritik zu „Roofman“: Channing Tatum als Hochstapler
Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken, Komödie

Kritik zu „Roofman“: Channing Tatum als Hochstapler

Kritik von Michael Gasch – erstmals zu lesen am 20. November 2025. Channing Tatum als Der Hochstapler: Roofman von Derek Cianfrance Das Filmgenre des Caper Movies (auch Heist Movie) blickt auf eine große Geschichte zurück. Klassiker sind dabei Jules Dassins Rififi (1955), Stanley Kubricks The Killing (1956), Jules Dassins Topkapi (1963), bis hin zu wegweisenden Klassikern der 70er Jahre wie Vier im roten Kreis von Jean Pierre Melville, Der Clou von George Roy Hill sowie Hundstage von Sidney Lumet. Im Zentrum steht dabei immer ein komplizierter Einbruch, ein Raub oder eine anderweitig gewiefte Betrügerei, gefolgt von unterschiedlichen narrativen Verläufen. Diverse Motive sind dabei auszumachen – sei es die Flucht vor dem Gesetz (Kriminologie), der Anfang eines neuen Lebe...
Kritik zu „Is This Thing On?“: Stand-up-Comedy als Selbsttherapie
Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Im Kino, Komödie

Kritik zu „Is This Thing On?“: Stand-up-Comedy als Selbsttherapie

Kritik von Michael Gasch - erstmals zu lesen am 15. Februar 2026. Stand-up-Comedy als Selbsttherapie: Is This Thing On? von Bradley Cooper In den Regiearbeiten von Bradley Cooper sind stets zwei Symboliken erkennbar. Auf der einen Seite findet sich im gefeierten Regiedebut A Star Is Born als auch in dem Nachfolgewerk Maestro der „Funke“ im Menschen, der entweder hell leuchtet oder im Begriff ist, zu erlöschen. Das Symbol des Sterns, gleichermaßen ein Zeichen von Distanz, Größe und Projektion, steht dem kleinen Individuum dabei entgegen. In großer Distanz schwebend wird Bezug genommen auf Themen wie Leidenschaftlichkeit und den Drang, etwas Großes zu erschaffen. Passend heißt es da auch im Oscar-prämierten Song „Shallow“: Tell me something, girl. Are you happy in this modern world? Or d...
Kritik zu „The Testament of Ann Lee“: Dieser Film spaltete Venedig
Aktuelle Filmnews, Drama, Filmkritiken, Im Kino, La Biennale di Venezia, Musical

Kritik zu „The Testament of Ann Lee“: Dieser Film spaltete Venedig

Kritik von Michael Gasch - erstmals zu lesen am 1. September 2025, gesehen im Rahmen der 82. Filmfestspiele von Venedig 2025. Kontrovers: The Testament of Ann Lee von Mona Fastvold „Gott würfelt nicht“, soll Albert Einstein einst bemerkt haben. Gemeint war die Ablehnung des Zufalls - eine Haltung, die sich dieser Tage auch auf die Filmfestspiele von Venedig übertragen lässt. Denn reiner Zufall war es wohl nicht, dass Regisseurin Mona Fastvold exakt denselben Premierenslot (Sala Darsena um 19:15 Uhr) erhielt, den im Vorjahr ihr Ehemann und kreativer Partner Brady Corbet mit The Brutalist bespielte. Seit über einem Jahrzehnt arbeiten die beiden nun schon zusammen und durchweg alle ihrer jüngsten Werke feierten ihre Weltpremieren in Venedig. Der Umstand, dass Corbets Werk als monumental r...
Kritik zu „Nouvelle Vague“: Richard Linklaters Godard-Film
Aktuelle Filmnews, Biografie, Drama, Festival de Cannes, Filmkritiken, Französischer Film, Im Kino, Komödie

Kritik zu „Nouvelle Vague“: Richard Linklaters Godard-Film

Kritik von Philippe Paturel – erstmals zu lesen am 18. Mai 2025, gesehen im Rahmen des Wettbewerbs der 78. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. "Zum Glück liebt die Kamera die beiden." Die Magie des künstlerischen Austauschs zu beobachten, wenn Agnès Varda bei einer Tasse Kaffee mit Jean-Luc Godard plaudert; mitzuerleben, wie Godard aus dem Pariser Kino Le Champo kommt; oder zu sehen, wie die Kameraarbeit im Guerrilla-Stil zur Anwendung kam; oder, oder, oder… Nouvelle Vague ist wirklich ein purer nostalgischer Kinogenuss. Und wer hätte die 20 Drehtage von Außer Atem mit mehr Spontaneität, Lebendigkeit und Authentizität nachstellen können als Richard Linklater? Der US-amerikanische Regisseur ist bekannt für dialoglastige Werke wie die Before-Trilogie, mit denen er sein Gespür für...
Kritik zu „Shine – Der Weg ins Licht“: Erstmals auf 4K Blu-ray
Aktuelle Filmnews, Biografie, Drama, DVD & Bluray, Filmkritiken, Musikfilm

Kritik zu „Shine – Der Weg ins Licht“: Erstmals auf 4K Blu-ray

Kritik von Marc Trappendreher Genialität als Grenzerfahrung: Shine - Der Weg ins Licht neu in 4K Shine – Der Weg ins Licht ist ein Film, der sich der klassischen Dramaturgie des Künstlerbiopics nur vordergründig bedient. Hinter der Erzählung vom Aufstieg, Fall und einer vorsichtigen Rückkehr des australischen Pianisten David Helfgott verbirgt sich eine wesentlich komplexere Auseinandersetzung mit dem Streben nach künstlerischer Perfektion – und mit dem Preis, den ein Mensch dafür zu zahlen bereit oder gezwungen ist. Die neue 4K Ultra HD Veröffentlichung von Capelight Pictures bietet nun Anlass, dieses Werk jenseits seines kanonisierten Rufes wieder zu betrachten. Der Film eröffnet mit dem Ergebnis eines Zusammenbruchs: Ein erwachsener Helfgott, körperlich anwesend, geistig j...