Die besten Filme 2025 – Philippe stellt seine Lieblinge vor

Die besten Filme des Jahres 2025 von Philippe Paturel.
Du stöberst gerne durch Best-Of-Listen? Dann hier entlang!

Mein Kinojahr 2025 trägt unverkennbar den Stempel von Cannes. Zwischen Strand und azurblauem Himmel, rotem Teppich, dunklen Kinosälen und viel zu kurzen Nächten habe ich dort einige meiner Lieblingsfilme des Jahres entdeckt und Gala-Weltpremieren erlebt, darunter Mission: Impossible – The Final Reckoning. Eine ausführliche Masterclass am Folgetag mit Tom Cruise und Regisseur Christopher McQuarrie wirkte dabei wie ein Trostpflaster für den eher ernüchternden Abschluss der Reihe. Ein weiteres Highlight: die Ehrenpalme für Robert De Niro im Rahmen der Eröffnungszeremonie, der am nächsten Tag zudem noch vom französischen Künstler JR vor großem Publikum im Salle Debussy interviewt wurde.

Zu meinen schönsten Erinnerungen zählt jedoch die musikalische Masterclass mit Guillermo del Toro und Alexandre Desplat. Mit großer Leidenschaft sprachen die beiden über ihre langjährige Zusammenarbeit – und darüber, wie Musik Geschichten nicht nur begleitet, sondern ihnen überhaupt erst Atem verleiht.

Abseits der Premieren hetzte ich so häufig wie nie zuvor von Pressekonferenz zu Pressekonferenz verschiedenster Wettbewerbsfilme: darunter Julia Ducournaus Alpha, Ari Asters Eddington, Lynne Ramsays Die My Love und Joachim Triers Sentimental Value. Und irgendwo dazwischen ereigneten sich jene typischen Festivalmomente, die sich nicht planen lassen – wie Begegnungen mit Anora-Regisseur Sean Baker oder Jurypräsidentin Juliette Binoche, die Cannes jedes Jahr aufs Neue so unwirklich und magisch machen.

Ein weiteres Highlight des Jahres – nicht nur, aber auch aus filmischer Sicht – war mein seit Jahren geplanter Städtetrip nach New York. Dort suchte ich nicht nur einige der berühmtesten Filmschauplätze (Tiffany, Little Italy, Malcolm X Boulevard, Flatiron Building und viele mehr) auf, sondern machte natürlich auch einen ausgiebigen Blu-ray-Einkauf bei Barnes & Noble.

Nun aber zum eigentlichen Thema: den besten Filmen des Jahres. Wie jedes Jahr habe ich für meinen Rückblick, diesmal mit zwei Ausnahmen, ausschließlich Filme aus dem aktuellen Produktionsjahr berücksichtigt. Einige Filme, die ihr vermutlich in dieser Liste erwartet, habe ich bereits in meiner Best-of-2024-Liste genannt – darunter Mike Flanagans The Life of Chuck, Brady Corbets The Brutalist und der französische Blockbuster Der Graf von Monte Cristo.

Und wie jedes Jahr gibt es bei dieser Art von Rückblicken einen großen Nachteil: „Wir leben in einer Kultur gefühlt unendlicher Inhalte, was leicht überwältigend sein kann.“ Diesen Satz habe ich bereits im letzten Jahr verwendet – und er ist noch immer genauso aktuell. Nur selten bringt diese schiere Flut an Veröffentlichungen echte Vorteile mit sich. Eine positive Ausnahme war etwa, dass Sean Bakers Cannes-Indiehit Left-Handed Girl plötzlich weltweit einem Millionenpublikum auf Netflix zugänglich wurde. Die größte Herausforderung bleibt jedoch: aus den jährlich mittlerweile zehntausenden Produktionen – 2025 waren es laut Letterboxd-Datenbank rund 14.500 Spielfilme – zunächst überhaupt herauszufiltern, was man sehen möchte: auf Festivals, im Kino oder im Streaming. Und am Ende auch tatsächlich alles anschauen zu können, was einen interessiert oder was andere einem ans Herz legen.

Deshalb erhebt auch die diesjährige Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit – Filme aus diesem Jahr, die ich bisher leider noch nicht gesehen habe, sind Josh Safdies Marty Supreme (Kinostart 26.02.26), Ildiko Enyedis Silent Friend (Kinostart 15.01.26), Disneys Zoomania 2 (Kinostart 26.11.25), Akinola Davies’ My Fathers Shadow (Kinostart unbekannt) sowie Reflection in a Dead Diamond von Hélène Cattet und Bruno Forzani (Kinostart 09.10.25).

Jetzt aber viel Spaß beim Entdecken meiner Top 10! Welcher ist euer Lieblingsfilm des Jahres?

Lobenswerte Erwähnungen:
Alpha (Julia Ducournau / gesehen in Cannes / Kinostart 02.04.26)
Amrum (Fatih Akin / gesehen in Cannes / Kinostart 09.10.25)
Der Hochstapler – Roofman (Derek Cianfrance / gesehen im Kino / Kinostart 27.11.25)

In die Sonne schauen (Mascha Schilinski / gesehen im Open Air Sommerkino Starnberg / Kinostart 28.08.25 & ab 22.01.26 fürs Heimkino* erhältlich)
La Cocina – Der Geschmack des Lebens 
(Alonso Ruizpalacios / gesehen im Kino / Kinostart 16.01.25 & bereits fürs Heimkino* erhältlich)

Miroirs No. 3 (Christian Petzold / gesehen in Cannes / Kinostart 18.09.25 & ab 29.01.26 fürs Heimkino* erhältlich)
Nosferatu – Der Untote (Robert Eggers / gesehen im Kino / Kinostart 02.01.25 & bereits fürs Heimkino* erhältlich)
One Battle After Another (Paul Thomas Anderson / gesehen im Kino / Kinostart 25.09.25 & bereits fürs Heimkino* erhältlich)
Splitsville (Michael Angelo Covino / gesehen in Cannes / Kinostart unbekannt)

The Running Man (Edgar Wright / gesehen im Kino / Kinostart 13.11.25)
The Secret Agent (O Agente Secreto, Kleber Mendonça Filho / gesehen im Kino / Kinostart 06.11.25)
The Chronology of Water (Kristen Stewart / gesehen in Cannes / Kinostart 05.03.26)

Die größten Enttäuschungen:
Frankenstein (Guillermo del Toro / gesehen bei Netflix)
Mission: Impossible – The Final Reckoning (Christopher McQuarrie / gesehen in Cannes / Kinostart 21.05.25 & bereits fürs Heimkino* erhältlich)
Jay Kelly (Noah Baumbach / gesehen bei Netflix)
Maria (Pablo Larraín / gesehen im Heimkino / Kinostart 06.02.25 & bereits fürs Heimkino*, auch im Prime Abo, erhältlich)
Blood & Sinners (Ryan Coogler / gesehen im Heimkino / Kinostart 17.04.25 & bereits fürs Heimkino* erhältlich)

Die schlimmsten Filme des Jahres:
Honey Don’t! (Ethan Coen), Der Phönizische Meisterstreich (Wes Anderson), Die nackte Kanone (Akiva Schaffer), The Woman in Cabin 10 (Simon Stone), Thunderbolts* (Jake Schreier), Orwell: 2+2=5 (Raoul Peck), Dalloway (Yann Gozlan), Wicked: For Good (Jon M. Chu) sowie Bring Her Back (Philippou Brüder)

2026 – meine meisterwarteten Filme:
Roma elastica (Bertrand Mandico), Disclosure Day (Steven Spielberg), Full Phil (Quentin Dupieux), Out of this World (Albert Serra), Her Private Hell (Nicolas Winding Refn), Sheep in the Box (Hirokazu Kore-eda), Flowervale Street (David Robert Mitchell), Digger (Alejandro González Iñárritu), Red Rocks (Bruno Dumont), Les Misérables (Fred Cavayé) und Bucking Fastard (Werner Herzog)

Weitere Filme, die uns 2026 erwarten:
Die Odyssee (Christopher Nolan), Dune 3 (Denis Villeneuve), Is This Thing On? (Bradley Cooper), The Drama (Kristoffer Borgli), The Bride! – Es lebe die Braut (Maggie Gyllenhaal), Der Astronaut – Project Hail Mary (Phil Lord, Christopher Miller), Werwulf (Robert Eggers), Michael (Antoine Fuqua), Send Help (Sam Raimi), Resident Evil (Zach Cregger), The Social Reckoning (Aaron Sorkin), The Dog Stars (Ridley Scott) und viele mehr…

Hier geht es zu meinen Lieblingsfilmen der letzten Jahre:
2024, 2023, 2022, 2021, 2020, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013

Und hier nun meine Top 10 Lieblingsfilme des Jahres 2025:

10 | Bugonia

von Yorgos Lanthimos, u.a. mit Emma Stone und Jesse Plemons (gesehen im Kino, Kinostart 30.10.25 & ab 29.01.26 fürs Heimkino* erhältlich)

Die Menschheit hat – so hat man mittlerweile fast täglich den Eindruck – komplett den Verstand verloren. Ihre Neigung zur kollektiven Selbstzerstörung wird von Tag zu Tag erschreckender. Der griechische Regietausendsassa Yorgos Lanthimos (Poor Things) blickt auf diese Welt ohne Sinn und Verstand mit einem zugleich scharfsinnigen, ironischen und bitterbösen Auge. Bugonia stellt zwei vermeintliche Realitäten einander gegenüber: die Ausbeuter und die Ausgebeuteten; die Menschheit und die Natur, die wider Willen immer rücksichtsloser verwüstet wird. Zwei Verschwörungsgläubige (Jesse Plemons und Aidan Delbis) sind fest davon überzeugt, dass die CEO eines Pharmakonzerns (Emma Stone) ein Alien ist, das das Chaos auf der Welt mit verursacht. Kurzerhand entführen sie sie, um die Wahrheit aus ihr herauszuholen. Das Resultat ist eine absurde Komödie, die bis zum Ende fantastisch unterhält und undurchschaubar bleibt. [Kritik & Trailer]

9 | Der geheimnisvolle Blick des Flamingos
(La misteriosa mirada del flamenco)

von Diego Céspedes, u.a. mit Tamara Cortes und Matías Catalán (gesehen im Heimkino/Rezensionsexemplar, Kinostart 04.12.25)

Den chilenischen Trans-Western hatte ich erst sehr spät in diesem Jahr auf meinem Radar – obwohl er auch in Cannes und später auf diversen anderen Filmfestivals zu sehen war. Er sollte am besten zusammen mit dem herausragenden AIDS-Trip Alpha von Julia Ducournau (der auch in Cannes lief) genannt werden. Beide Filme wagen viel und beschreiten in ihren Genres bislang unerforschte Wege – wobei Alpha einen deutlich radikaleren Weg einschlägt. Der geheimnisvolle Blick des Flamingos erzählt im ländlichen Chile der 1980er-Jahre, zwischen dem Anfang der AIDS-Epidemie und tief verwurzelten Vorurteilen gegen eine marginalisierte Minderheit, die Geschichte der jungen Lidia. Entstanden ist ein mutiger Coming-of-Age-Western, mal düster, mal farbenprächtig, voller Hoffnung und Liebe, aber auch Tragik und Widerstand – eine zutiefst bewegende Erzählung, in der die Unschuld der Kindheit auf die brutale Realität der Erwachsenenwelt prallt. [Kritik & Trailer]

8 | How To Make Millions Before Grandma Dies
(หลานม่า)

von Pat Boonnitipat, u.a. mit Putthipong Assaratanakul und Usha Seamkhum (gesehen exklusiv bei Netflix)

Der erste von zwei Netflix-Filmen auf dieser Liste – einer, der für mich so unauffällig auf der Streaming-Plattform erschienen ist, dass ich bis vor Kurzem überhaupt nichts davon mitbekommen hatte. Dieser thailändische Familienfilm ist damit eindeutig meine überraschendste Entdeckung des Jahres. Er erzählt von familiären Werten in einer modernen Welt. Zu Beginn stehen Enkelsohn und Großmutter bei einer traditionellen Ehrung verstorbener Familienmitglieder noch distanziert nebeneinander, unfähig, die Welt des jeweils anderen zu verstehen. Doch nach und nach entwickelt sich zwischen ihnen eine zarte, immer tiefere Verbindung: Missverständnisse und kleine wie große Konflikte weichen Wärme, Nähe und gegenseitigem Interesse und Verständnis. Am Ende zeigt der Film, dass Familie nicht nur durch Blutsbande definiert wird, sondern durch Liebe, Geduld und die Bereitschaft, sich füreinander Zeit zu nehmen. How To Make Millions Before Grandma Dies ist ein wichtiger Film in einer Welt, die immer schnelllebiger, digitaler, entfremdender und egoistischer wird. [Trailer]

7 | Left-Handed Girl
(左撇子女孩)

von Shih-Ching Tsou, u.a. mit Janel Tsai, Nina Ye und Shi-Yuan Ma (gesehen exklusiv bei Netflix)

Von einem Tag auf den anderen konnte ein weltweites Publikum den Indie-Liebling aus Cannes bei Netflix entdecken. Left-Handed Girl entfaltet sich mitten in den vibrierenden Märkten und Straßen Taipehs, und erzählt ebenso leise wie eindringlich von einem jungen Mädchen, ihrer Schwester und ihrer Mutter. Es geht ums Erwachsenwerden, um das Leben in der Großstadt, um Nähe und Reibung in der Familie – und um Liebe in all ihren verschiedenen sowie widersprüchlichen Formen. Mit teils unerbittlicher Energie und zugleich erstaunlicher Zartheit beobachtet Regisseurin Shih-Ching Tsou den Alltag ihrer Figuren und findet darin unglaublich bewegende, intime, wahrhaftige Momente. Ihre Vision, komplett mit iPhones gedreht und unterstützt von Sean Baker (Drehbuch und Schnitt), verleiht dem Film eine unverwechselbare Handschrift. Left-Handed Girl ist sensibel und verspielt, mutig und berührend – ein Film, der lange nachhallt und ohne Zweifel zu den schönsten Entdeckungen dieses Jahres zählt. [Trailer]

6 | Nouvelle Vague

von Richard Linklater, u.a. mit Zoey Deutch und Guillaume Marbeck (gesehen in Cannes, Kinostart 12.03.26)

Die Magie des künstlerischen Austauschs zu beobachten, wenn Agnès Varda bei einer Tasse Kaffee mit Jean-Luc Godard plaudert; mitzuerleben, wie Godard aus dem Pariser Kino Le Champo kommt; oder zu sehen, wie die Kameraarbeit im Guerrilla-Stil zur Anwendung kam; oder, oder, oder… Nouvelle Vague ist wirklich ein purer nostalgischer Kinogenuss. Und wer hätte die 20 Drehtage von Außer Atem mit mehr Spontaneität, Lebendigkeit und Authentizität nachstellen können als Richard Linklater? Wohl kaum jemand. Mehr zu dieser famosen Nouvelle-Vague-Hommage in meiner Kritik.

5 | No Other Choice
(어쩔수가없다)

von Park Chan-wook, u.a. mit Lee Byung-Hun und Ye-jin Son (gesehen beim Around the World in 14 Films Festival, Kinostart 05.02.26)

Und noch ein Film in dieser Liste, der das fragile Gefüge von Familie und Gesellschaft in der Gegenwart auslotet – diesmal in der unerbittlichen Arena moderner (koreanischer) Arbeitsrealität. Meisterregisseur Park Chan-wook (bekannt durch Oldboy und zuletzt Die Frau im Nebel) richtet seinen Blick auf den grotesken und gnadenlosen Wettbewerbsdruck der zeitgenössischen Arbeitswelt, in der Existenzängste, Statusverlust und ökonomische Ausbeutung den Alltag prägen. Herausgekommen ist eine bitterböse Satire, bei der einem manchmal auch das Lachen im Hals stecken bleibt. Da es ein Film von Park Chan-wook ist, enthält er natürlich auch einige der unglaublichsten Kameraeinstellungen der letzten Jahre, begleitet von einem unvergesslichen Soundtrack von Stammkomponist Cho Young-wuk. Am Ende bleibt eine Frage: Wie weit würdest Du für Deine Familie gehen? [Kritik & Trailer]

4 | Nachmittage der Einsamkeit
(Tardes de soledad)

von Albert Serra, u.a. mit Andrés Roca Rey und Roberto Domínguez (gesehen im Heimkino, Kinostart 01.05.25, bereits fürs Heimkino bei Prime Video* erhältlich)

Albert Serra, dem wir zuletzt etwa den meisterhaften Pacifiction zu verdanken haben, ist zurück – und widmet sich dieses Mal ebenso sagenhaft wie verstörend einer der großen spanischen Traditionen: dem Stierkampf. Die Grenzen zwischen Realität, Dokumentation und Spielfilm verschwimmen dabei so radikal, wie ich es zuletzt bei Joshua Oppenheimers The Act of Killing erlebt habe. Serra entscheidet sich dafür, alles zu zeigen. Das von Eleganz, Schönheit und Zerbrechlichkeit Geprägte – etwa das Lichtgewand, der Kampfesmut oder die Einsamkeit des Toreros, die sich in der Limousine breitmacht, während sich sein Leben in einem ebenso ritualisierten wie alltäglichen Kreislauf von Stadt zu Stadt, von Hotel zu Arena und wieder zurück vollzieht. Ebenso unerschrocken zeigt Serra das Hässliche: die Augen eines Stiers, die sich im Moment des Todes verdrehen; seine Nerven, die versagen, bevor er wie ein gewöhnliches Stück Schlachtfleisch fortgeschleift wird. Serra untermauert mit dieser eindringlichen Offenlegung des menschlichen Zustands, warum er aktuell einer der wichtigsten Filmemacher ist. [Trailer]

3 | Eddington

von Ari Aster, u.a. mit Joaquin Phoenix, Pedro Pascal und Emma Stone (gesehen in Cannes, Kinostart 20.11.25)

Eddington ist ein regelrechtes COVID-Déjà-vu – ein Film, den man sich insgeheim als Aufarbeitung der Corona-Jahre im Kino gewünscht, zugleich aber auch gefürchtet hat. Er lässt sich nicht einfach konsumieren, sondern ist eine bewusst unbehagliche Provokation. Ari Aster zerlegt in seiner neuesten Arbeit mit chirurgischer Präzision eine Gesellschaft, die sich längst in parallele Wirklichkeiten gespalten hat. Damit hat er nicht nur einen der unterhaltsamsten, sondern auch provokantesten Filme des Jahres gedreht – einen, der seine Zuschauer*innen anhand ihrer Reaktionen entlarvt und sie unweigerlich zur Selbstreflexion zwingt. [Kritik & Trailer]

2 | Hamnet

von Chloé Zhao, u.a. mit Jessie Buckley und Paul Mescal (gesehen in der Pressevorführung, Kinostart 22.01.25)

William Shakespeares Familienleben liest sich wie aus einem seiner Dramen: Mit gerade 18 Jahren heiratete er die acht Jahre ältere Anne Hathaway. Schon bald hatten sie drei Kinder – Susanna und die Zwillinge Hamnet und Judith. Doch das Glück währte nicht lange: Ihr Sohn Hamnet starb im Alter von nur 11 Jahren. Manche Literaturforscher vermuten, dass dieser Verlust in Shakespeares düsterer Tragödie Hamlet künstlerisch verarbeitet wurde. Diesem familiären Mythos hat sich nun die preisgekrönte Regisseurin Chloé Zhao (Nomadland) angenommen. Offen gesagt hätte ich nie erwartet, dass aus einer Prämisse, bei der so vieles hätte schiefgehen können, einer der bewegendsten Filme des Jahres hervorgehen würde. Hamnet verbindet auf unglaubliche Weise die Trauer um ein verlorenes Kind mit der Entstehung künstlerischer Werke und zeigt, wie Schmerz und schöpferischer Prozess ineinandergreifen. Kaum etwas wird mir in nächster Zeit so nachhaltig im Gedächtnis bleiben wie das Schauspiel von Jessie Buckley und Paul Mescal, inklusive einer herzzerreißenden Klimax – ganz zu schweigen von Chloé Zhaos einfühlsamen Erzählkünsten. [Trailer]

1 | Sentimental Value
(Affeksjonsverdi)

von Joachim Trier, u.a. mit Renate Reinsve und Stellan Skarsgard (gesehen in Cannes und beim European Arthouse Cinema Day / Kinostart 04.12.25)

Erst beim Durchdenken und Schreiben meiner Top 10 wurde mir klar, wie sehr das Thema Familie dieses bzw. mein Kinojahr geprägt hat. Auch der norwegische Regisseur Joachim Trier bewegt sich mit seinem neuen Film in einem familiären Kontext: Während er in Der schlimmste Mensch der Welt zuletzt die Selbstfindung einer jungen Frau in zwölf Kapiteln ausleuchtete, rückt Sentimental Value zwei erwachsene Schwestern und ihren Vater in den Mittelpunkt. Das Ergebnis ist eine fantastisch gespielte, nuancierte und tiefgründige Erforschung von Familiendynamiken und generationalem Trauma. Gab es seit Bergmans Herbstsonate ein erstklassigeres Familiendrama? [Kritik & Trailer]

>> Hier geht’s zur Top 10 des Jahres 2025 von Michael. <<

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