Die besten Filme 2025 – Michael stellt seine Lieblinge vor

Die besten Filme des Jahres 2025 von Michael Gasch.
Du stöberst gerne durch Best-Of-Listen? Dann hier entlang!

Blicke ich in mein Letterboxd-Tagebuch fiel das Filmjahr 2025 für mich persönlich eher solide aus. Viele Filme gibt es, die das Prädikat „gut“ bekamen, doch ein Film wie The Substance aus dem Vorjahr, der alle Register im Kino zieht, blieb aus meiner Sicht dieses Jahr aus. Das Filmfestival in Venedig war davon ebenfalls betroffen: Einige sehenswerte Filme gab es auch in diesem Jahr zu bestaunen, doch auch dort war der große Hit nicht zu finden. Nachholen muss ich zumindest noch Hamnet (der bereits auf diversen Festivals Weltweit lief, in Deutschland aber bisher nur im Rahmen von Pressevorführungen zu sehen war) zum regulären Kinostart im nächsten Jahr.

Es gibt jedoch zwei Motive, die mich in diesem Filmjahr faszinierten. Zum einen wäre da das Thema der Historizität. Ist es mein Platz Nummer 1 über einen großen Musiker in der US-amerikanischen Geschichte, eine spirituelle Frau, deren Vermächtnis bis zum heutigen Tag wortwörtlich nachhallt, Erzählungen über alte Monster, amerikanische Revolutionen oder Dante Alighieri – diverse Werke finden sich hier wider. Zum anderen ist das Motiv der künstlerischen Neuerfindung auffällig – beispielsweise, wenn sich ein Yorgos Lanthimos ein stückweit neu erfindet; wenn sich Noah Baumbach ein stückweit neu erfindet. Und besonders dann, wenn Luca Guadagnino sich nicht nur neu erfindet, sondern auch ein völlig neues Filmgenre kreiert – oder zumindest ganz groß aufleben lässt, sollte es dieses Subgenre doch einmal gegeben haben. Dazu unten mehr.

Folgende Filme habe ich leider noch nicht gesehen: Alpha (Julia Ducournau), Amrum (Fatih Akin), Blood & Sinners (Ryan Coogler), How To Make Millions Before Grandma Dies (Pat Boonnitipa), In die Sonne schauen (Mascha Schilinski), Miroirs No. 3 (Christian Petzold), The Secret Agent (O Agente Secreto, Kleber Mendonça Filho)

Ich wünsche viel Spaß beim Durchstöbern meiner Liste. Welcher ist euer Lieblingsfilm des Jahres?

Lobenswerte Erwähnungen:
Caught Stealing (Darren Aronofsky/ gesehen im Kino / Kinostart: 28.08.25)
Der Hochstapler – Roofman (Derek Cianfrance / gesehen im Kino / Kinostart 27.11.25)
Father Mother Sister Brother (Jim Jarmusch / gesehen in Venedig / Kinostart 26.02.26)
Frankenstein (Guillermo del Toro / gesehen in Venedig / exklusiv bei Netflix verfügbar)
The God Man (Kurzfilm von Andrew Foerster / gesehen auf Youtube)

Die größten Enttäuschungen:
Warfare (Ray Mendoza, Alex Garland), Mickey 17 (Bong Joon Ho), Nouvelle Vague (Richard Linklater) & Die My Love (Lynne Ramsay)

Die schlimmsten Filme des Jahres:
Captain America: Brave New World (Julius Onah), 28 Years Later (Danny Boyle), Weapons – Die Stunde des Verschwindens (Zach Cregger), Oh, Hi! (Sophie Brooks), Flight Risk (Mel Gibson) und F1 (Joseph Kosinski)

2026 – meine meisterwarteten Filme:
Flowervale Street (David Robert Mitchell), Hamnet (Chloé Zhao), Her Private Hell (Nicolas Winding Refn), Der Astronaut – Project Hail Mary (Phil Lord, Christopher Miller), The Legend of Aang – The Last Airbender (Lauren Montgomery), Marty Supreme (Josh Safdie) und Dune 3 (Denis Villeneuve)

Weitere Filme, die uns 2026 erwarten:
Die Odyssee (Christopher Nolan), Is This Thing On? (Bradley Cooper), The Drama (Kristoffer Borgli), The Bride! – Es lebe die Braut (Maggie Gyllenhaal), Werwulf (Robert Eggers), Michael (Antoine Fuqua), Send Help (Sam Raimi), Resident Evil (Zach Cregger), The Social Reckoning (Aaron Sorkin), The Dog Stars (Ridley Scott) und viele mehr…

Hier geht es zu meinen Lieblingsfilmen der letzten Jahre:
2024, 2023

Und hier nun meine Top 10 Lieblingsfilme des Jahres 2025:

10 | Dead Man’s Wire

von Gus Van Sant, u.a. mit Bill Skarsgård, Dacre Montgomery und Al Pacino (gesehen in Venedig, Kinostart noch unbekannt)

Dead Man’s Wire von Gus van Sant wurde in meiner Filmfestivalplanung von Venedig zwar niedrig priorisiert, doch lieferte damit ein umso überraschenderes Filmerlebnis. Es geht dabei um die Nacherzählung eines echten Kriminalfalls aus der US-Geschichte – der typisch verrückt für amerikanische Verhältnisse ausfällt. Im Mittelpunkt steht Tony Kiritsis (Bill Skarsgård), der sich von seiner Bank skrupellos übers Ohr gehauen fühlt. Aus Verzweiflung und Wut fasst er den radikalen Entschluss, den Sohn des Bankchefs (Dacre Montgomery) zu entführen, um das zu erzwingen, was er für gerecht hält. Wie geschaffen für das Kino präsentiert sich Dead Man’s Wire gleichermaßen als Zeitdokument und absurde Nachzeichnung eines anfänglich ganz normalen Tags in den USA. [Trailer]

9 | Therapie für Wikinger
(Den sidste viking)

von Anders Thomas Jensen, u.a. mit Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas (gesehen in Venedig, Kinostart 25.12.25)

Anders Thomas Jensens Werk ist immer wieder geprägt von Motiven des Unwohlseins und des Schmerzes. Auch in Therapie für Vikinger knüpft er an diese Themen an und versetzt zwei schrulligen Brüder in eine noch schrulligere Lage: Anker (Nikolaj Lie Kaas) landet nach einem großen Raub im Gefängnis, doch zumindest das erbeutete Geld ist sicher. 15 Jahre später kommt er wieder auf freien Fuß und begibt sich mit seinem Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) an den Ort, an dem der psychotische Bruder es vergraben hat. Wer das Kino von Anders Thomas Jensen kennt, wird direkt erahnen: Einfacher gesagt als getan. In meiner Kritik erfahrt ihr mehr darüber.

8 | Bugonia

von Yorgos Lanthimos, u.a. mit Emma Stone und Jesse Plemons (gesehen in Venedig, Kinostart 30.10.25 & ab 29.01.26 fürs Heimkino* erhältlich)

Yorgos Lanthimos ist dafür bekannt, Sperrigkeit mit abstrakten Motiven und Skurillität zu verweben. The Killing of a Sacred Deer wie auch The Lobster fallen da beispielsweise ein, die den Alltag in einer seltsam realitätsverrückten Welt zeichnen. Zu seinem letzten Film schrieb ich daher an anderer Stelle: Jeder, der Poor Things als abgefahren, skurril, bizarr, eigenartig und sonderbar bezeichnete, muss sich bei Kinds of Kindness echt anstrengen, noch passendere Worte zu finden. Mit Bugonia wagt sich der griechische Regisseur nun in ein Metier, welches näher am Leben dran ist. Nicht nur geht es um Verschwörungsdenken, sondern auch die Psychologie dahinter. Ein Thema, welches gerade in heutigen Zeiten von Fake-News und hinzukommender Verwirrung durch Künstliche Intelligenz, hochpräsent ist. Weg vom Abstrakten, hin zum Konkreten. [Kritik & Trailer]

7 | Sentimental Value
(Affeksjonsverdi)

von Joachim Trier, u.a. mit Renate Reinsve und Stellan Skarsgard (gesehen im Kino, Kinostart 04.12.25)

Viele Filme gibt es, die ganz bewusst ihre großen Szenen nutzen, um im Gedächtnis zu bleiben. Sentimental Value könnte hingegen nicht gegenteiliger ausfallen – und fast schon könnte man argumentieren, dass in diesem Film gar keine großen Szenen vorkommen. Doch genau das macht es interessant. Joachim Trier (Der schlimmste Mensch der Welt) ist dabei wieder in seinem Element: Ein weiteres Mal erzählt seine Geschichte über familiäre Einengung und zu viel Freiraum. In diesem Spannungsfeld findet sich Nora (Renate Reinsve) wieder, die nach dem Tod ihrer Mutter überraschend Besuch von dem jahrzehntelang verschwundenen Vater (Stellan Skarsgård) erhält. Für mich besteht die Qualität dieses Films eindeutig in seiner erwachsenen Reife, da Themen verhandelt werden, die selbst für ausgewachsene Menschen eine Herausforderung darstellen. Trier steht über dem Geschehen und erzählt eine Geschichte, die poetisch fluktuiert, aber auch tangierenden Realbezug bietet. [Kritik & Trailer]

6 | The Change
(Anniversary)

von Jan Komasa, u.a. mit Diane Lane, Kyle Chandler und Madeline Brewer (gesehen im Kino, Kinostart 6.11.25)

The Change (im Original Anniversary) als hochexplosives Politdrama zwischen Oktober bis November weltweit auf die Menschheit losgelassen und eigentlich verwundert es zutiefst, dass gefühlt niemand über den Film sprach. Gleichermaßen geht es dabei um die Destruktion als auch die Synthese einer neuen amerikanischen Gesellschaft – denn dies hört man auch im weltpolitischen System zur Genüge: Das System ist kaputt. Interessant ist, wie abstrakt vorgegangen wird: Da, wo viele Filme ein sehr klares dystopisches Weltbild zeichnen, man denke an V wie Vendetta, bleibt in The Change vieles ungezeigt. Wie würde ein Amerika mit radikalen Veränderungen, inklusive Gleichschaltung, Ausgangssperre und einem Mindestmaß an Gehorsam aussehen? Die totalitären Grundzüge, die immer wieder am Rande durchscheinen, lassen nichts Gute erhoffen und so speist sich diese horrorhafte Vorstellung für freiheitsliebende US-Bürger immer weiter. Ein erschreckender Film, der sich vollends einem Slogan verschreibt: Radikale Umstände erfordern radikale Maßnahmen. Nicht? [Trailer]

5 | If I Had Legs I’d Kick You

von Mary Bronstein, u.a. mit Rose Byrne, Helen Hong, Josh Pais (Kinostart noch unbekannt)

Das narrative Konzept, dass eine Frau von einem System malträtiert wird und daran zugrunde geht, erlebte letztes Jahr mit The Substance eine Kulmination sondergleichen. Nun folgte mit If I Had Legs I’d Kick You vom namhaften Filmstudio A24 ein programmatischer Nachfolgefilm. Zwar hat die Frau (Rose Byrne) dieses Mal ein Kind, einen Mann und sogar einen auf den ersten Blick respektablen Job als Psychologin – dennoch findet das System seine Wege, um die Frau immer wieder an den Rand des Wahnsinns zu drängen. Verhandelt werden Motive wie Stressbewältigung und Hyperkonformität, aber auch etwas ganz Generelles im menschlichen Miteinander. Erinnerungen an Indira Gandhis Worte werden dabei wach: „Du kannst nicht die Fäuste ballen und gleichzeitig jemandem die Hand schütteln.“, womit sich der Film nicht nur als lauter Weckruf für die Marginalisierung der Frau versteht, sondern auch als universelle Elaboration des modernen Lebens, in dem augenscheinlich nicht mehr so viel Platz für harmonisches Miteinander ist. [Trailer]

4 | The Testament of Ann Lee

von Mona Fastvold, u.a. mit Amanda Seyfried, Lewis Pullman und Tim Blake Nelson (gesehen in Venedig, Kinostart 12.3.26)

Zugegeben ist Mona Fastvolds Mammutwerk eine echte Herausforderung. Mal wirken die endlos langen Einstellungen ermüdend, mal eskaliert alles in purer Intensität, wenn mit ganzer Kraft geschrien und gesungen wird. Thematisch geht es um das Leben der gleichnamigen Ann Lee (Amanda Seyfried), ihres Zeichens Gründerin einer christlichen Freikirche. In meiner ausführlichen Kritik erfahrt ihr noch mehr darüber, daher an dieser Stelle nur ein kleiner Auszug. Kein Film zeigt so gut: Gottesnähe wohnt nicht nur im stillen Gebet, sondern ebenso im Beben, im Aufschrei, im Rausch der Seele. [Kritik & Trailer]

3 | Train Dreams

von Clint Bentley, u.a. mit Joel Edgerton, Felicity Jones und Kerry Condon (gesehen exklusiv bei Netflix)

Die Kombination ästhetischer Naturaufnahmen, gefühlvoller Narrative und zarter Streichinstrumente zog mich schon oft in seinen Bann, ich denke da beispielsweise zuletzt an The World to Come (ebenfalls von Mona Fastvold) zurück. Train Dreams bietet all das in einer Ära monumentaler Veränderungen im frühen Amerika des 20. Jahrhunderts. Mit dabei: Joel Edgerton, der vermutlich eine Oscar-Nominierung für seine Performance absahnen könnte, Felicity Jones und ein alter William H. Macy, bei dem mein Herz aufgeht, wenn Hollywood diesem bemerkenswerten Schauspieler (siehe die Filmperle The Cooler) weiterhin Beachtung schenkt. Fans von beispielsweise Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford sollten sich dieses Juwel von Historiendrama unbedingt auf Netflix anschauen. [Trailer]

2 | After the Hunt

von Luca Guadagnino, u.a. mit Julia Roberts, Ayo Edebiri und Andrew Garfield (gesehen in Venedig, Kinostart 16.10.25)

In meiner Kritik argumentierte ich dafür, dass für After the Hunt noch ein neuer Genrebegriff gefunden werden muss, da es eine maßlose Untertreibung wäre, diesen Film als Drama abzutun. Ich appelliere für die Begrifflichkeit „Clash-Cinema“, da der Film vom sukzessiven Zusammenstoß von Mikro-, Meso- und Makroebene (in Form von Individuum, Institution und allumspannender Gesellschaft) geprägt wird. Luca Guadagnino, bekannt für seine sonst sinnlichen Werke, schlägt damit ein neues Kapitel auf, in dem er sich dem Motiv der Askese widmet – also das genaue Gegenteil seiner gewohnten Themen. Sinnliche Genüsse müssen dabei Platz machen für intellektuelle Gespräche, den Wertekatalog im Menschen sowie der Rhetorik in akademischen Kreisen – ein scharfes wie gefährliches Werkzeug, denkt man an die Worte George Orwells zurück: „Wer die Sprache kontrolliert, kontrolliert die Gedanken.“ [Kritik & Trailer]

1 | Blue Moon

von Richard Linklater, u.a. mit Ethan Hawke, Margaret Qualley und Bobby Cannavale (dt. Premiere auf der Berlinale 2025, Kinostart: 26.3.26)

Ich hatte schon etwas die Hoffnung in Richard Linklater (Before Sunrise) verloren, als ich seinen ersten Film in diesem Jahr, Nouvelle Vague, gesehen habe. Diesem für meine Begriffe überflüssigen Werk (ja ich weiß, viele sehen das anders) über die gleichnamige französische Strömung steht sein zweiter Film Blue Moon gegenüber: Ein brillantes Kammerspiel über Kunst, den Künstler und den Menschen. Elegantes Klavierspiel und ein Zitat – He was the saddest man I ever knew. – leiten den Film dabei ein, und noch lässt sich nicht einmal ansatzweise erahnen, dass in den nachfolgenden 100 Minuten poetische Filmkunst folgen wird. Die fast schon spärliche Ausstattung – 4 Schauspieler, ein Raum, etwas Musik – trifft dabei auf eine umso grandiosere Kontemplation, also das konzentrierte wie geistige Betrachten eines Subjekts. Obwohl es um nur einen Abend aus dem Leben des US-amerikanischen Liedtexters Lorenz Hart (Ethan Hawke) geht, ist es umso erstaunlicher, dass nach dem Film so viel mehr hängen bleibt. Blue Moon verdient sich den ersten Platz, weil er mich in diesem Jahr am meisten zum Staunen brachte: Über die Erkenntnis, dass inszenatorische Zurückhaltung und emotionale Berührung keine Gegensätze sind, über jene leise Filmpoesie, nach der es mich immer wieder zieht, schlussendlich über Linklaters liebevolle Handschrift. [Kritik & Trailer]

>> Hier geht’s zur Top 10 des Jahres 2025 von Philippe. <<

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