Kritik zu „Ein Kuchen für den Präsidenten“: mit bittersüßem Geschmack

Kritik von Margarita Eliseeva – erstmals zu lesen am 27. Oktober 2025, gesehen im Rahmen des Filmfests Hamburg 2025.

Der Kuchen mit bittersüßem Geschmack: Ein Kuchen für den Präsidenten von Hasan Hadi

Kino aus dem Irak – wer rechnet schon mit einem solchen Unikat? Doch bei der Quinzaine des cinéastes, der Parallelsektion zum Festival de Cannes, lief zum ersten Mal in der Festivalgeschichte ein Film aus diesem Land: The President´s Cake, auf Deutsch Ein Kuchen für den Präsidenten. Das auch mit großem Erfolg. Denn nicht nur der Publikumspreis der entsprechenden Sektion in Cannes ging an den Film – auch der begehrte Preis für das beste Debüt, die Caméra d’Or, ging in den Irak.

Der Regisseur von Ein Kuchen für den Präsidenten, Hasan Hadi, wollte schon seit seiner Kindheit Filmemacher werden, wie er mir im Gespräch in Hamburg erzählt hat. Im Irak nah an unmöglich, weshalb es er für ein Filmstudium nach New York ziehen musste. Später hat er dort an seiner Filmschule unterrichtet; ihm war aber immer klar, dass er in sein Heimatland zurückkehren möchte. Genau das hat er getan, und nachdem die Finanzierung für seinen Debütfilm gesichert wurde, ging es mit den Dreharbeiten los.

Ein Kuchen für den Präsidenten hat eine recht simple Geschichte. Die 12-jährige Lamia lebt mit ihrer Großmutter Bibi und ihrem Hahn Hindi tief in der irakischen Provinz. Es ist Mitte der 1990er Jahre, im Land herrscht eine tiefe Krise. Lebensmittelknappheit, US-amerikanische Bombardierungen und abwesende Familienmitglieder – so ist der Alltag von vielen. Die Menschen auf dem Land, so wie Lamia und ihre Großmutter, trifft diese Situation besonders hart. Insbesondere, da kaum Familien noch vollzählig sind: Viele Männer sind bei der Armee und einige von ihnen bereits tot oder verschwunden.

„And the most honored student responsible for the birthday cake is…“

Der irakische Diktator Saddam Hussein lässt sich doch von keiner Krise stören. Bald ist sein 50. Geburtstag, den jeder Mensch im Land mitfeiern muss. Für Schüler und Schülerinnen bedeutet das, wer per Los gezogen wird, muss Obst und Saft für die Feierlichkeiten besorgen. Die unglücklichste Person bekommt aber den schwierigsten Auftrag – einen Geburtstagskuchen zu backen. In Lamias Dorf, in dem es nicht genug Lebensmittel für die Kinder selbst gibt, lassen sich diese Aufgaben nur mit einem Wunder erledigen. Und genau das braucht nun Lamia, auf die der schwierigste Auftrag fällt. Voller Überzeugung zieht sie mit ihrem Hahn Hindi und ihrem Mitschüler Saeed durch die Stadt, um die unmögliche Aufgabe doch zu bewältigen. Es entfaltet sich beinahe wie eine magische Reise voller Humor und Mitgefühl – ähnlich wie Fatih Akins diesjähriger Cannes-Beitrag Amrum, der von der entschlossenen Suche eines Jungen am Ende des Zweiten Weltkriegs nach einem seltenen und kostbaren Geschenk für seine Mutter erzählt: einer Scheibe Brot mit Butter und Honig.

Bei solchen Geschichten erwartet man in der Regel ein Happy End, so fühlt es sich bereits beim Lesen der Filmbeschreibung an. Wenn Kinder und Tiere im Spiel sind, kann es ja nur gut ausgehen. Ein Wunder deutet sich also bereits vor dem Filmbeginn an? Vielleicht schon, vielleicht aber doch nicht – je nach Betrachtungswinkel. Ein fertig gebackener Kuchen, das große Ziel für Lamia, heißt nicht unbedingt, dass alles andere gut läuft. Es gibt nämlich keine Magie, denn am Ende erinnert uns Ein Kuchen für den Präsidenten gnadenlos daran, wie ungerecht und zerbrechlich die Welt sein kann, in der ein Diktator sich alleine feiern lässt. Und selbst wenn eine unmögliche Aufgabe erledigt wird, kommen noch einige weitere dazu. So müssen es die Kinder auf harte Tour lernen.

Man könnte behaupten, Ein Kuchen für den Präsidenten zeigt einen Teufelskreis der menschlichen Erbarmungslosigkeit. Doch nicht ohne eine Prise Liebe zum Nächsten: Da, wo es einerseits Leiden und Missbrauch gibt, lässt sich andererseits Großzügigkeit und Menschlichkeit entdecken. Genau davon profitiert der Film, er ist nämlich nicht schwarz-weiß, sondern ziemlich komplex und voller Farben, ohne dabei naiv zu wirken. Und übrigens zu den Farben und Bildern: Sie sind wunderschön. Ein Kuchen für den Präsidenten ist also eine Reise, aus der man viel mitnehmen kann, auch wenn es nicht nur zuckersüße Erfahrungen sind.

Kinostart: 5. Februar 2026
Regie: Hasan Hadi
Darsteller:
u.a. mit Baneen Ahmad Nayyef und Sajad Mohamad Qasem
FSK-Freigabe: unbekannt
Produktionsland: Irak
Verleih: 24 Bilder
Laufzeit: 1 St. 45 Min.

★★★★★★★☆

 

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