"Im Auftrag des Teufels" (USA 1997) Kritik – Erfolg verführt. Ehrgeiz verblendet. Eitelkeit vernichtet. Erkenntnis kann die Hölle sein.

„Lieber in der Hölle regieren, als im Himmel zu dienen.“

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Jeder Mensch hat vor bestimmten Dingen Angst. Seien es Spinnen, Hunde oder sonstiges Getier. Wobei sich diese Ängste eher als Phobien bezeichnen lassen und im extremsten Fall zu Panikattacken und langanhaltenden Angstzuständen führen, die die Person nicht loslassen wollen. Doch solche Phobien betreffen nicht jeden Menschen und machen nur bestimmten Personen das Leben schwer. Wenn man jedoch nach einer Sache fragt, die wirklich jedem Menschen Angst macht, dann würde man auf einen gemeinsamen Nenner bei der Aussage „Das Böse“ kommen. Aber was versteckt sich hinter diesem „Bösen?“ Sind es die Kriege, der Tod selbst oder die täglichen Verbrechen, die sich auf der ganzen Welt abspielen? Mit Sicherheit treffen diese Dinge für viele Menschen auch auf die Bedeutung von „Das Böse“ zu. Jedoch ist hier etwas ganz anderes gemeint, nämlich das Übernatürliche, über das ein menschliches Wesen keine Kontrolle hat. Satan, Mephisto, Luzifer, Beelzebub und die lodernde Hölle selbst. Das ist der Stoff, aus dem Alpträume und Schrecken gemacht sind, vorausgesetzt, man glaubt an die Existenz des Teufels und selbst wenn nicht, hat der Okkultismus doch genügend interessante Aspekte, um sich mit ihm zu beschäftigte. Filme bieten sich dazu natürlich auch an und Sachen wie „Rosemary’s Baby“, „Der Exorzist“ und „Das Omen“ bieten Zündstoff genug. Es gibt allerdings noch genügend andere Filme mit okkultem Kern, die Aufmerksam verdient haben, wie zum Beispiel Taylor Hackfords Mystery-Thriller „Im Auftrag des Teufels“ aus dem Jahre 1997.

Kevin Lomax ist ein aufstrebender, junger Anwalt, der die Karriereleiter steil nach oben klettert und gerade erst wieder einen klaren Fall für sich gewinnen konnte, wie immer. Kurzdarauf bekommt er auch schon das Angebot seines Lebens: Die einflussreichste und größte Anwaltskanzlei von New York bietet Kevin einen Job an. Ohne lange zu überlegen nimmt er die Chance wahr und bekommt nicht nur ein üppiges Gehalt, sondern auch eine teure Wohnung bereitgestellt, in die Kevin mit seiner Partnerin Mary Ann sofort einziehen kann. Der Boss der Kanzlei, der charismatische John Milton, nimmt sich Kevin direkt persönlich an und wird von Milton in das Leben der Sünde gezogen, in dem Geld, Sex und Macht zählen. Währenddessen geschehen jedoch immer mehr seltsame Vorfälle, die Kevin immer weiter zu grübeln bringen und ihn schließlich unabdingbar auf den Verdacht, er hat einen Vertrag beim leibhaftigen Teufel unterzeichnet…

Regisseur Taylor Hackford ist schon ein interessanter Filmemacher, der es immer wieder im Verlauf seiner Karriere verstand, die verschiedensten Atmosphären gekonnt zu erzeugen und einem glaubwürdigen Umfeld anzupassenden. Ob man nun das Militär-Drama „Ein Offizier und Gentleman“ mit Richard Gere nimmt, oder den Gangster-Thriller „Blood in, Blood out“ aus dem Jahre 1993. Natürlich kann auch die Atmosphäre in „Im Auftrag des Teufels“ überzeugen, die mit zu den besten von Hacksfords Filmen zählt. Das liegt an erster Stelle an Andrzej Bartkowiaks Kameraarbeit, der mit seinen mysteriösen Aufnahmen glänzen kann und die Großstadt New York mehr und mehr zum Sündenpfuhl macht, aus der es nur einen Ausweg zu geben scheint. Noch besser entfaltet sich das Feeling dann in Verbindung mit James Newton Howards Score, der zwar immer etwas zu kurz kommt, aber in seinen Momenten voll zünden kann und die unklare Lage packend unterstreicht.

Die Besetzungsliste lässt sich ebenfalls gut lesen und ist ausgestattet mit namenhaften Schauspielern. Keanu Reeves gibt Kevin Lomax und kann durchaus eine seiner besseren Leistungen zeigen, denn der in Beirut geborene Kanadier liefert nicht immer wirklich glaubwürdige Vorstellungen ab, was zum einen an der eingegrenzten Mimik liegt, oder an der statischen Körpersprache. Sicher ist das hier auch keine großartige Charakterdarstellung, aber in jedem Fall eine solide Darstellung, die die Facette von Lomax gut ausspielt. Aber wie soll Reeves auch vollständig glänzen, wenn er eine Legende wie Al Pacino neben sich hat? Al Pacino gibt den mysteriösen Boss John Milton und lässt sein unzerstörbares Ego in alle Richtungen strahlen. Pacino liefert hier nicht nur die beste Performance des Films ab, sondern reißt alles an sich und stiehlt jedem die Show, egal wie viel Mühe sich die anderen Schauspieler auch geben, dem Charisma von ihm ist niemand gewachsen. Charlize Theron weiß als Mary Ann genauso zu überzeugen, bekommt allerdings die kleinste Rolle des Schauspieltrios. Dafür ist sie dennoch ein Stück besser als Keanu Reeves, gerade weil sie die Wandlung ihres Charakters mit viel Kraft darstellt und die Verzweiflung immer deutlicher werden lässt.

Was anfangs wie ein Gerichtsthriller in bester John Grisham-Manier aussieht, schlägt immer weiter um in die Richtung der Mystery mit okkulter Umrandung. Wir als Zuschauer wissen schnell woher der Hase läuft, doch auf die Wahrheit legt Taylor Hackfords Inszenierung gar keinen Wert, sondern darauf, wie unser Protagonist Kevin Lomax sich dieser übernatürlichen Wahrheit entzieht und seinen privaten Scherbenhaufen, in dem das „Böse“ alles zerstört hat, noch richten kann. „Im Auftrag des Teufels“ setzt dabei nicht auf harte Horroreffekte, die nur so vor Blut triefen und den Teufel bei sämtlichen Schandtaten zeigt, sondern beschränkt sich auf deutliche und versteckte Andeutungen, die mit der Symbolik des Okkultismus unterstützt wird und kann die Spannungskurve so immer weiter ansteigen lassen. Das ist jedoch auch ein Nachteil der Inszenierung, denn „Im Auftrag des Teufels“ verliert sich immer wieder in unnötigen Nebensachen, die die Geschichte selbst nicht antreiben, sondern ungemein ausbremsen und die Atmosphäre etwas zerstört. Jedoch findet Regisseur Hackford immer wieder zurück in die Spur, auch wenn die 140 minütige Laufzeit zu lang geraten ist, und führt den Zuschauer in eine Welt, in der Karrieregeilheit auf Kalvinismus trifft und in ihren Metaphern und Details ein Finale der Extraklasse serviert. Dazu gibt es noch genügend kritische Spitzen gegen das Justizsystem und gruselige Augenblicke, die sich schleichend um den Zuschauer legen und die Lage unheimlich verengen.

Fazit: In „Im Auftrag des Teufels“ vereint sich ein intelligenter Gerichtsthriller gekonnt mit okkulter Mystery, immer mit Querverweisen zu John Grisham und auch Goethe lässt sich in Taylor Hackfords Inszenierung wiederfinden. Mit starken Darstellern, allen voran der tolle Al Pacino, der mal wieder richtig dynamisch auftreten darf, eine packende wie gruselige Atmosphäre, schöne Aufnahmen von New York und ein feiner Score, der das Geschehen immer passend begleitet. „Im Auftrag des Teufels“ hat zwar seine Längen, doch die genannten Aspekte machen ihn locker sehenswert, gerade weil er dem Mix durchgehend standhält und sich nie in einem Bereich verrennt.

Bewertung: 7/10 Sternen