"Dead Snow" (NO 2009) Kritik – Die uniformierten Zombies greifen an

„Lasst euch bloß nicht beißen!“

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Die geliebten Zombies sind für viele nicht mehr aus dem Horror-Genre wegzudenken. Vollkommen berechtigt, denn schreitet man durch die Filmgeschichte, dann sind es doch viele Zombie-Filme, die das Genre und die Filmwelt maßgeblich beeinflusst und ebenso vorangetrieben haben, Stichwort Romero. Aber wenn man ehrlich ist, dann haben die schlurfenden Untoten schon etwas von ihrem einstigen Reiz verloren, denn wenn man heutzutage durch die Horrorecke schlendert, dann wird doch schnell deutlich, dass die Zombies der bitteren Eintönigkeit verfallen sind und gegen den tragischen Staub der Vergänglichkeit ankämpfen müssen. Auch die Erneuerung, die Zombies nun sprintend auf Menschenfleischjagd zu schicken, erwies sich einzig als kurzes Vergnügen. Jedoch gibt es immer wieder Lichtblicke, die einem ausgelutschten Genre wieder neuen Anstrich geben und im besten Fall auch neue Facetten verleihen, die eine eingefrorene Sichtweise endlich auftaut und ein Genre nach geraumer Zeit schmackhaft. Der norwegische Regisseur Tommy Wirkola hat es 2009 jedenfalls geschafft, dem Zombie-Film mit „Dead Snow“ frischen und blutigen Wind zu geben.

Eine kleine Gruppe von Medizinstudenten will den Alltag der Großstadt vergessen und sich in den norwegischen Bergen der Entspannung hingeben. Als eines Abends ein mysteriöser Wanderer vor der Hütte der Gruppe steht und sie davor warnt, dass nicht das Gebirge selbst die Gefahr der Lage ist, sondern andere Dinge, halten die Urlauber den alten Mann noch für einen Spinner. Einst war in den Bergen eine deutsche SS-Truppe mit dem Decknamen „Einsatz“ unterwegs, die vom harten Oberst Herzog geführt wurde. Die Nazis wurden jedoch von den Bewohnern verdrängt und starben in der einsamen Kälte. Doch so wirklich Geschichte sind die Männer nicht, denn ein gefährlicher Fluch lastet auf dem Gebirge und die Nazis treiben nun als Untote ihr Unwesen. Die Partystimmung ist schnell vergangen und Vegard und Co. müssen den uniformierten Zombies den gnadenlosen Kampf ansagen, in dem das Blut in Strömen fließen wird…

Dabei kommt es auch hier, wie in den meisten anderen Zombie-Filmen, nicht wirklich auf die Schauspielleistungen hat, denn die Gesichter der eigentlichen Protagonisten sind schnell wieder vergessen. Auch wenn Lasse Valdat als Vegard, Vegar Hoel als Martin und Jeppe Laursen als Erland eine gute Figur machen, liegt das wahre Interessengebiet ganz klar auf den Zombies. Und wenn die im Bild sind, dann fließt das Blut in Bächen und die Gliedmaßen werden mühelos vom Körper getrennt. „Dead Snow“ erweist sich aber auch in Sachen Optik als ein wahres Highlight und Leckerbissen für die Augen, denn die weiteren Aufnahmen von Kameramann Matthew Weston sind eine wahre Pracht. Die unendlichen Massen von Schnee, die das Gebirge bedecken und eine unausweichliche Gefahr für sich darstellen, dienen als perfekter Drehort, um die eiskalte Atmosphäre gekonnt zu erzeugen und dem schmierigen Treiben in der natürliche Endlosigkeit keine Grenzen zu setzen.

Die ersten 30 Minuten von „Dead Snow“ lassen zwar vorerst das richtige Tempo vermissen und die Vorfreude auf das Kommende Blutbad kratzt immer wieder leicht an der inszenatorischen Dickflüssigkeit, doch was uns Regisseur Tommy Wirkola danach serviert, ist einfach ein herrlich kurzweiliges Splatter-Fest, bei dem jeder Genre-Fan locker auf seine Kosten kommen wird, allein wenn es um den hohen Blutzoll geht. Werden die Zombies von ihrem Anführer von der Leine gelassen, dann spritzen die roten Fontänen, die Köpfe rollen und die Gedärme bekommen in bester „Machete“-Manier einen ganz neuen Sinn verpasst. Natürlich ist „Dead Snow“ vollkommen schwachsinnig und die Logik spielt hier keine Rolle, denn wenn man will, kann man so gut wie jede Szene und Handlung hinterfragen und wird keine schlüssige Antwort finden, aber für solche Fragen ist man an der falschen Adressen gelandet. Es zählt eindeutig der Spaß am Aufeinandertreffen zwischen den Urlaubern und den Nazi-Zombies, die nebenher noch ihren geliebten Schatz zusammenhalten wollen. Mit vielen Andeutungen, Liebe zum Genre, Zitaten und gewohnten Horror-Klischees, wird „Dead Snow“ zum herrlichen Ausflug in das norwegische Reich der Untoten.

Fazit: Wer die ekeligen Zombies in sein Herz geschlossen und auch kein Problem mit vielen Mengen Blut hat, der ist mit Tommy Wirkolas Splatter-Spaß „Dead Snow“ genau an der richtigen Adresse, denn Gefangene werden hier nicht gemacht und die blutige Unterhaltung weiß schnell zu packen. Man sollte natürlich kein Meisterwerk für die Ewigkeit erwarten, doch für zwischendurch ist man mit „Dead Snow“ bestens verdient, vor allem diejenigen, die sich mit der Zombie-Filmgeschichte bereits vertraut gemacht haben.

Bewertung: 7/10 Sternen