Kritik: BFG – Big Friendly Giant (US 2016)

© Constantin Film

© Constantin Film

I hears your lonely heart, in all the secret whisperings of the world.

Seit den 1990er Jahren wurde immer wieder versucht das Kinderbuch Sophiechen und der Riese von Autorenlegende Roald Dahl auf die Leinwand zu bannen. Nach gut 25 Jahren wurde das Projekt jetzt endlich eingetütet, mit Steven Spielberg als Regisseur, der damit nach längerer Zeit zurück  kehrt, in den Dunstkreis der Familienfilme.

Dass BFG – Big Friendly Giant dabei bereits im Vorfeld Spielbergs Meilenstein E.T. als Vergleichswerk herhalten musste, überrascht wenig, immerhin adaptierte die 2015 verstorbene Melissa Mathison den Roman zu einem Script, eben jene Drehbuchautorin, die bereits beim langhalsigen Außerirdischen mit dem Leuchtfinger die Feder in den Händen hielt. Darüber hinaus ist BFG – Big Friendly Giant genau wie E.T. ein Abenteuer, welches aus dem Blickwinkel eines kindlichen Helden erzählt wird, bzw. Heldin. Diese ist zehn Jahre alt, Vollwaise und smarter als so mancher Erwachsener. Kurz: Eine Figur aus dem Disney-Katalog, die von Jungdarstellerin Ruby Barnhill herzerwärmend süffisant gespielt wird.

Der gesamte Film umkreist Sophie, bringt uns ihre Welt und Wahrnehmung näher und reduziert diese auf das Wesentliche. Sobald dann der titelgebende Riese auftritt, wandelt sich die Geschichte ins phantastisch-abenteuerliche, behält sich aber dennoch eine kindliche Chuzpe, für die die Werke von Roald Dahl so bekannt wie beliebt sind. Spielberg hingegen stopft alles mit einem massiven Detailgrad zu. Das klingt jetzt negativ, ist aber eine der vielleicht größten Stärken des Films, denn wenn seltsame Maschinen, funkelnde Töpfchen und absurde Gurkengewächse in Erscheinung treten, weiß das Auge oftmals nicht wohin es eigentlich schauen soll. BFG – Big Friendly Giant ist großes, lebendiges und überproportionales Familienkino, das gekonnt mit  den Größenverhältnissen spielt und die kindliche Überforderung der neuen, gigantischen Eindrücke wirklich gut zu transportieren vermag.

Natürlich besitzt BFG – Big Friendly Giant auch eine Aussage, letztlich ist der von Oscar-Preisträger Mark Rylance verkörperter Riese genau wie die kleine Sophie ein Außenseiter in seiner Welt, der von fiesen Artgenossen drangsaliert wird und seine Erfüllung nicht in wilden Gebärden und Kloppereien findet, sondern beim Traumfischen. Das ist alles stets zu dick auf- und vorgetragen, macht die dargestellte Welt aber erst so richtig rund. Nur leider lässt das Übersättigende der Inszenierung es nie zu, dass es einen wirklich empathischen Zugang zu Sophie und ihrem großen riesenfreund gibt. Die Show des Films erstickt wirkliche Emotionen meist direkt im Keim.

Dennoch wirkt BFG – Big Friendly Giant, allen tricktechnischen Superlativen zum Trotz, angenehm altmodisch. Wobei es sich nicht unterschlagen lässt, dass Spielberg und Mathison keine wirklich gelungene Balance zwischen Narrativ und Spektakel hinbekommen. Vor allem im Mittelteil versackt der Familienfilm und hinterlässt den wenig schmeichelhaften Eindruck, dass keiner der Beteiligten so recht wusste, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Wurde dann endlich eine Route gewählt nimmt der BFG wieder Fahrt auf. Ganz an den Charme und das Phantasievolle seines ersten Viertels kommt er aber nicht mehr heran.

BFG – Big Friendly Giant startet am 21. Juli 2016 in den deutschen Kinos.