Kritik: Rogue One – A Star Wars Story (US 2016)

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Save the Rebellion. Save the dream.

Bildgewaltige Schlachten, schwer nahbare Helden und eine Rebellion am Rande des Scheiterns – wer sich nach all dem Trubel, der um die Nachdrehs von Rogue One veranstaltet wurde, Sorgen gemacht hat, kann nun entspannt aufatmen. Das erste Star Wars Spin Off kann, von dem ein oder anderen Durchhänger abgesehen, großteils überzeugen und nimmt den Zuschauer mit auf ein von der ersten bis zur letzten Minute atemloses, temporeiches und wundervoll in Szene gesetztes, schicksalhaftes Weltraumabenteuer.

Der zwischen Episode III: Die Rache der Sith und Episode IV: Eine neue Hoffnung angesiedelte Rogue One erzählt von der jungen Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones), die als kleines Mädchen auf tragische Weise von ihren Eltern getrennt wurde und sich fünfzehn Jahr später quer durch die Galaxis auf die Suche nach ihrem Vater (Mads Mikkelsen) begibt. Ehe sie sich versieht, entwickelt sich ihre persönliche Weltraumodyssee jedoch zu einer Mission Impossible, von der der Erfolg oder aber auch das Scheitern der letzten großen Rebellen-Allianz abhängt, die noch die Mittel besitzt, um sich den imperialen Kräften Darth Vaders entgegenzustellen.

Der Anfang von Rogue One, insbesondere die Einführung von Jyn Erso und der zahlreichen weiteren neuen Charaktere, ist zwar ein wenig holprig erzählt, sobald Regisseur Gareth Edwards (Godzilla) jedoch in die Vollen geht kann der Film alle seine Stärken ausspielen. Das Resultat fühlt sich an wie eine Mischung aus Eine neue Hoffnung, Zero Dark Thirty, Der Soldat James Ryan und dem Games-Klassiker Star Wars: Battlefront. Dreckig und hoffnungslos geht es zu in dem sich schnell einstellenden, heftigen Dauergefecht, welches sich von einem Planeten auf den nächsten ausbreitet. Die ein oder andere Szene funktioniert sogar dezent, ob das nun Absicht war sei dahingestellt, als Abbild aktueller weltpolitischer Krisenregionen.

Helden scheint es in dem Aufbegehren gegen das Imperium auf den ersten Blick gar nicht zu geben, denn in Rogue One folgt jeder zunächst seinen eigenen moralischen Vorstellungen oder den Befehlen, die ihm/ihr erteilt wurden. Um jedoch eine erfolgreiche Rebellion zu gewährleisten, müssen alle Rebellen an einem Strang ziehen. Die anfängliche Figurenkonstellation ist in dieser Hinsicht eigentlich ein interessanter Ansatz, doch letzten Endes sind es dann auch die Entwicklungen ebendieser, die das grunddüstere Handlungsgerüst von Rogue One fast zum Einsturz bringen. Leider darf sich der Zuschauer am Ende nämlich nicht selbst die Frage nach den wirklichen (Anti-)Helden stellen. Stattdessen halten melancholische, kitschig-heldenhafte Momente Einzug, die so gar nicht zur restlichen Stimmung des Films passen. In den entsprechenden Szenen macht sich bedauerlicherweise mal wieder der Einfluss von Disney bemerkbar.

Der andere große Knackpunkt ist, dass es Rogue One von Grund auf vor allem an einem fehlt: an Originalität. Zwar ist der Film nicht ganz so einfallslos wie Episode VII: Das Erwachen der Macht, der nicht viel mehr als ein Remake und Fan-Service repräsentierte. Doch auch Rogue One hätte gerne noch mehr Einfallsreichtum zeigen können, der sich nicht nur durch das abwechslungsreiche Spektakel, das mannigfaltige Casting und die nur auf den ersten Blick packende Geschichte auszeichnet, die wohl nur eingefleischte Star Wars Fans emotional mitnehmen dürfte.

Fazit: Rogue One ist alles in allem ein kleiner mutiger Schritt in die richtige Richtung und sticht in diesem schwachen Kinojahr durchaus als imposanter, außergewöhnlich inszenierter und ungewohnt düsterer Blockbuster hervor – vor allem die pausenlose, dreckige Action und die detailverliebten Szenerien auf den verschiedenen Planeten (an denen ich mich dank Greig Frasers hervorragender Kamerarbeit nicht satt sehen konnte) wissen zu begeistern. Doch mangelt es Rogue One, wenn auch nicht mehr so sehr wie noch Episode VII: Das Erwachen der Macht, an erzählerischen Ideen, um sich mit der Ur-Trilogie messen lassen zu können.