Kritik von Philippe Paturel

Eine gelungene Neuverfilmung: The Running Man von Edgar Wright
„STOP FILMING ME!“
Edgar Wright verwandelt Stephen Kings Roman in einen kurzweiligen, stilistisch elektrisierenden Rausch, der von Anfang bis Ende heftig pulsiert vor Adrenalin – nicht zuletzt dank Kameramann Chung-Hoon Chung (Oldboy, Last Night in Soho). Das Zitat „That’s bullshit.“ – „That’s showbiz.“ wird zum bitteren Kommentar über eine Gesellschaft, die (ihre eigene) Lügen als Spektakel konsumiert. Das Ergebnis ist eine in wuthafter Klarheit vorgetragene, immer noch hochaktuelle Parabel über Medienmacht und die Vermarktung menschlichen Leids. Der Film entwirft das Bild einer Welt, in der permanente Sichtbarkeit durch unterschiedliche Umstände nicht mehr freiwillig, sondern verpflichtend ist – und wir trotzdem glauben, aus freien Stücken zu handeln. Wie bei Ben Richards, der zwar die Wahl hat, an der Show teilzunehmen, dem aber in Wahrheit keine andere Option bleibt. Ihm wird eine Realität aufgezwungen, in der Medienkonzerne jeden einzelnen seiner Schritte überwachen und ihn unaufhörlich in die Arena der öffentlichen Aufmerksamkeit drängen. Und selbst wenn er es schafft, abzutauchen, gibt es Wege, ihn ausfindig zu machen. Edgar Wright trifft damit ziemlich genau unseren Zeitgeist, in dem für viele das einzige Ziel nur noch das Überleben im (digitalen) Hamsterrad ist.
Ganz ohne Abstriche kommt der Film dabei aber nicht aus: Die neuen, vermummten Jäger wirken im Vergleich zu Schwarzeneggers kultigen Gegnern fast wie gesichtslose Marionetten – auch wenn das beabsichtigt ist, ihre Bedrohung wirkt so niemals wirklich greifbar. Wo in der Erstverfilmung jeder Schritt der Jäger ein spürbares Gewicht, jede Geste ein Einschüchterungsmanöver war, sind sie nun eher Schatten am Rande der Leinwand, deren Potenzial sich kaum entfaltet. Dass der Film, der sich als kritische Abrechnung mit den Praktiken großer Medienkonzerne inszeniert, ausgerechnet von Paramount Pictures produziert wird – einem der mächtigsten Player der Branche – und gleichzeitig mit zahllosen Produktplatzierungen, unter anderem Puma und Johnnie Walker, aufwartet, wirkt geradezu selbstironisch.
Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch, Medien- und Kapitalmacht zu kritisieren, und der eigenen Kommerzialität mag befremdlich wirken, ändert jedoch nichts daran, dass der Film einfach durchgehend grandios inszeniert ist und Spaß macht. Seine freche Energie hält der Film durchgehend aufrecht – vor allem dank zahlreicher brillanter Set Pieces, die nicht nur visuell einfallsreich sind, sondern auch den Humor und die Ironie des Films tragen. Wie wenn Michael Cera ein scheinbar idyllisches Landhaus in ein Fallen-Labyrinth verwandelt, in dem Wassergewehre, Treppen und Möbel zur tödlichen Herausforderung werden. Ein Paradebeispiel dafür, wie der Film seine verspielte Energie mit pointiertem komödiantischem Timing verbindet, ohne dabei Spannung und Ernsthaftigkeit zu verlieren. Rückblickend auf die Blockbuster dieses Jahres sticht The Running Man neben Ari Asters Pandemie-Satire Eddington deutlich hervor!
Kinostart: 13. November 2025
Regie: Edgar Wright
Darsteller: u.a. mit Glen Powell und Josh Brolin
FSK-Freigabe: ab 16
Verleih: Paramount Pictures
Laufzeit: 2 St. 14 Min.
★★★★★★☆☆
