"Machete Kills“ (USA 2013) Kritik – Machete do sequel

Autor: Sebastian Groß

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„What happen to the world peace?“ – „Fuck the world peace.“

Danny Trejo ist eine coole Sau. Dem bulligen Mexikaner mit dem zerklüfteten Gesicht und dem Schnurrbart, der einen unweigerlich an Pornodarsteller der 1970er Jahre erinnert, ist es gelungen zu einem der Stars des aktuellen B-Films zu werden. Ganz alleine hat er dies jedoch nicht geschafft. Es war Autor, Regisseur und Tarantino-Dauerkumpel Robert Rodriguez, der Trejo immer wieder in seinen Filmen unterbrachte und ihm zumeist Rollen auf den Leib schrieb, die zu dessen ruppiger Präsenz passten. So war es natürlich auch kein Wunder, dass Trejo den Fans der Rodriguez-Filmen in Erinnerung blieb. Mit „Machete“, dessen Entstehung hier jetzt nicht noch einmal durchgenommen werden muss, gelang die Trejomania dann vor knapp drei Jahren an ihren Höhenpunkt. Ein Höhepunkt, der nun mit „Machete Kills“ weitergeführt wurde.

Machete hat es nicht leicht: Gerade eben erst wurde seine Partnerin von einer Bande maskierter Terroristen erschossen und dann wird der mexikanische Top Agent auch noch verhaftet und von einem sadistischen Sheriff verhört. Davon lässt sich Machete aber nicht beeindrucken, muss er auch nicht, denn der Präsident der USA holt ihn aus den Händen des Sheriffs und beauftragt ihn mit einem Fall von höchster Brisanz. Diesmal geht es nicht nur um Rache (natürlich muss Vergeltung für die ermordete Kollegin sein), sondern um die Rettung der Welt.

Die Rezeptur, die Robert Rodriguez und sein Screenwriter Kyle Ward beim Sequel nutzen, ist – wenig überraschend – die gleiche wie beim Vorgänger. Erneut wird versucht, so gut es geht ein B-Movie aus der Taufe zu stemmen. Bereits bei „Machete“ sowie dessen Quellfilm „Grindhouse“ konnte nicht verschleiert werden, dass der Flair von verkratzten Bildern, schlampigen Schnitten und obskuren Handlungen auf einer synthetischen Basis beruht. Eine Basis, die aber wiederum mit viel Herzblut und Liebe zum Detail betrieben wurde. Bei „Machete Kills“ ist davon aber nur noch wenig zu spüren. Rodriguez erhöht zwar die Over-the-Top-Mentalität, doch was dabei herauskommt ist ohne jede Dynamik. Den Spaß am Bad Taste, in „Machete Kills“ wird daraus das angestrengte Abhaken von Erwartungen. Alles ist, wie von so vielen gescheiterten Sequels gewohnt, immer etwas größer und breiter, aber weitestgehend ohne Enthusiasmus und erschreckend müde in Szene gesetzt. Plündern der Trash-Mottenkiste wird diesmal dadurch erweitert, dass Rodriguez nun auch Szenen und Situationen aus seiner eigenen Filmographie kopiert. Dies beinhaltet durchaus nette Verweise zu „From Dusk Till Dawn“, aber auch einen unsäglich müden und platten Blueprint zu „Es war einmal in Mexiko“. Dass der Oneliner „Machete don’t text“ aus dem Vorgänger dazu in „Machete Kills“ quasi totgeritten wird, komplettiert den fahlen Gesamteindruck.

Der Besetzungscoup des Vorgängers, in der nicht nur Kino- und TV-Legenden wie Robert DeNiro und Don Johnson zu sehen waren, sondern auch Gossip-Opfer wie Lindsay Lohan und Direct-to-DVD-Ikone Steven Seagal, wird ebenfalls versucht zu plagiieren. Doch die Exotik des Darstellerensembles von „Machete Kills“ reicht bei Weitem nicht an die des Vorgängers heran. Mag sein, dass Lady Gaga als Lady Chameleon dem Film einen enormen Promibonus verleiht, wen wundert es, aber ihre Rolle ist nicht mehr als die bloße, äußerst plumpe Übertragung ihrer Bühnenpräsenz ins Kino und ein Versuch, mit schimmernder Pop-Exzentrik die raue B-Movie-Exzentrik aufzuwerten. Das Ergebnis ist kaum spürbar und verpufft so schnell wie es gekommen ist. Wenn „Machete Kills“ beim Cast punkten kann, dann mit dem Antagonisten Luther Voz. Ein echter Schurke aus dem Lehrbuch, der dem Film in der zweiten Hälfte endgültig die künstlich verdreckte Tonalität eines Agentenfilms verleiht. Mel Gibson, dessen Filmauftritte nach seinen Skandalen immer etwas Verruchtes und Verbotenes anhaften, scheint diese Rolle durchaus zu genießen. Ähnlich wie seine Performance in „Get the Gringo“ steht ihm das figurentechnische Korsett des Bad Guys äußerst gut. Ein anderer Enfant Terrible, welchen Robert Rodriguez für das Sequel gewinnen konnte, ist eine nicht minder populäre Skandalnudel: Charlie Sheen, im Film unter seinen Geburtsnamen Carlos Estevez gelistet. Doch während Mel Gibson zwar den Schurken spielen darf, sein Ruf in der Öffentlichkeit aber nicht angetastet wird, verkommen Sheens Auftritte als Präsident der Vereinigten Staaten zu einem äußerst elegischen Schaulaufen. Ein Schaulaufen, in dem alles, womit Sheen in den letzten Jahren in der Presse aufgefallen ist, mit kreativloser Parodistik durchgenommen wird.

Sheen ist jedoch nicht das einzige Opfer dieser schnell ermattenden Parodistik. Auch die zelebrierten Actionszenen von „Machete Kills“ leiden darunter. Natürlich muss Rodriguez übertreiben und überhöhen wo es nur geht, doch der Reiz geht hier zu schnell verloren. Wo im ersten Teil Gedärme zweckentfremdet wurden, Motorräder mit Maschinenpistolen und Nonnen mit großen Knarren noch gut positioniert waren, die eigentliche Geschichte aber noch einigermaßen dem authentischen Stil eines billigen Rachefilmchens aus den Geburtsjahren der Videotheken folgte, wirkt „Machete Kills“ wie ein stupider Fan-Service. Dabei werden wohl vor allem die Fans angesprochen, die glauben ein B-Movie würde sich einzig und alleine durch seine strikte Überzogenheit auszeichnen. Eine Fehleinschätzung, die dazu führt, dass „Machete Kills“ zu vollgestopft ist mit vertrashten Schauwerten und diese wie Statussymbole einsetzt. Durch diese Konzentration verfällt die Narration der Fortsetzung in eine Art Dösigkeit. „Machete Kills“ ist unglaublich zäh, anti-kurzweilig und präsentiert ein Klimax nach dem anderen, was der Progression durchgehend schadet. Dazu wird der Verlauf der Handlung mit Unmengen Nebenfiguren und –Plots künstlich aufgebläht. Die erste Hälfte erscheint rückblickend wie ein gezerrter Epilog, dem es gut getan hätte, wenn Rodriguez im Schneideraum die eine oder andere Szene gekürzt oder gar komplett herausgeschnitten hätte.

Fazit: „Machete Kills“ ist kein erneuter Höhepunkt der Trejomania geworden. Ähnlich wie so viele andere Filme mit dem Mexikaner, die nach „Machete“ entstanden sind, bestärkt das Sequel die Vermutung, dass Trejo vielleicht ja doch nicht mehr ist als einer von vielen B-Movie-Darstellern – mit dem Unterschied, dass er das einflussreiche Spielkind Robert Rodriguez als Unterstützer an seiner Seite hat. Die durchaus filmische und fast schon liebenswerte Ausstrahlung einer alten, schweren Bulldogge besitzt Trejo, diese reicht aber nicht aus, um einen schlechten Film positiver erscheinen zu lassen. Vor allem dann nicht, wenn ihm wie „Machete Kills“ jedweder Individualismus fehlt.